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Kletterseil - worauf man beim Seilkauf achten sollte

Von: Thomas Brunner - Regierung von Mittelfranken - Gewerbeaufsicht

Die "Lust an der Vertikalen " erfreut sich in den letzten Jahren zunehmender Beliebtheit. Dabei kommt dem Seil eine zentrale Bedeutung innerhalb der Kletterausrüstung zu.

Junge Frau beim Klettern am Seil, Copyright  Fotolia

In diesem Beitrag finden Sie

  • Das dynamische Bergseil
  • Seiltypen
  • Übersicht: Einsatzzweck der Seiltypen
  • Seillänge
  • Imprägnierung
  • Durchmesser
  • Kennzeichnung
  • Lebensdauer
  • Mehr zum Thema 

Das dynamische Bergseil

Im Bergsport kommen vor allem dynamische Seile zur Anwendung.
Norm-Definition:
"Ein Seil ist dazu vorgesehen den freien Sturz eines Bergsteigers, bei einer begrenzten maximalen Fangstoßkraft, aufzufangen."
Es muss also mehrere Eigenschaften in sich vereinen:

  • Ausreichende Reißfestigkeit um auftretende Stürze zu halten
  • Reduzierung der Fangstoßkräfte auf ein körperverträgliches Maß
  • Gute Handhabbarkeit (weitestgehend krangelfrei, gut knotbar) und Verschleißfestigkeit (Widerstandsfähigkeit gegen Abrieb)

Statikseile werden vornehmlich als Fixseile und um daran auf- oder abzusteigen eingesetzt. Sie finden beim Höhlenforschen oder Gewerbeklettern, jedoch weniger im Bergsport, ihre Verwendung.

Da die Anforderungen an ein Seil für die verschiedene Einsatzbereiche im Bergsport unterschiedlich sind, gibt es verschiedene Seiltypen.

Seiltypen

Bei dynamischen Bergseilen unterscheidet man drei Seiltypen, Einfach-, Halb- und Zwillingsseile. Sie sind durch entsprechende Banderolen am Seilende gekennzeichnet (siehe Tabelle 1).

Achtung: Zum Klettern dürfen keine statischen Seile eingesetzt werden!

Einfachseile

Das klassische Einsatzgebiet für Einfachseile ist das Sportklettern in der Halle oder im Klettergarten. Häufig wird es auch auf Hochtouren zur Sicherung im leichten Felsgelände und auf Gletschern verwendet. Da das Seil im Einzelstrang verwendet wird, bietet es eine einfache Handhabung, geringes Gewicht und kann zur Sicherung im Fels sowie im Eis eingesetzt werden.

Halbseil

Beim Klettern im alpinen Gelände werden häufig zwei Halbseile verwendet. Daraus ergeben sich folgende Vorteile gegenüber einem Einfachseil:

  • höhere Sicherheitsreserven gegenüber Steinschlag und Kantenschnittbelastung
  • mit zwei Seilsträngen steht die volle Länge des Seils zum Abseilen zur Verfügung
  • Halbseile können im Doppelstrang (Zwillingsseiltechnik) oder zur Reduzierung der Seilreibung im Einzelstrang in die Sicherungen eingehängt werden (Doppelseiltechnik)
  • Seilgewicht kann im Anstieg auf zwei Personen verteilt werden

Im Nachstieg (z. B. bei Dreierseilschaft) oder bei der Sicherung auf dem Gletscher kann das Halbseil auch im Einzelstrang verwendet werden, nicht
jedoch bei möglicher Sturzbelastung über scharfe Kanten!

Zwillingsseil

Das Zwillingsseil besteht ebenfalls aus zwei Seilsträngen. Es darf im Gegensatz zum Halbseil jedoch ausschließlich im Doppelstrang verwendet
werden. Der Einsatzbereich ist also begrenzter, der Vorteil ist das geringere Gewicht gegenüber den Halbseilen.
In Tabelle 1 sind nochmals die wichtigsten Kennwerte der unterschiedlichen Seiltypen zusammengefasst.

Zusammenfassung Seiltypen

Tabelle 1: Kenndaten verschiedener Seiltypen
Tabelle 1: Kenndaten verschiedener Seiltypen

Mittlerweile werden am Markt auch dreifach zertifizierte Kletterseile angeboten. Sie sind sowohl als Einfach-, Halb- und Zwillingsseil zugelassen und können daher flexibel in den verschiedensten Klettersituationen eingesetzt werden. Der große Vorteil dieser Seile ist, dass Sie sowohl im Einzelstrang als auch doppelt geführt genutzt werden können.

Mit dieser universellen Nutzbarkeit kommt aber auch ein Kompromiss: Dreifach zertifizierte Seile sind in der Regel dünner als klassische Einfachseile und daher etwas weniger abriebfest, besonders im rauen Gelände oder bei häufigem Sportklettereinsatz erhöht sich der Verschleiß. Das Handling kann anspruchsvoller sein, da dünnere Seile oft rutschiger und nicht mit jedem Sicherungsgerät optimal kompatibel sind. Zudem sind diese Seile tendenziell teurer als einfache Seilvarianten.

Wer nicht auf ein dreifach zertifiziertes Seil zurückgreifen möchte, findet in der nachfolgenden Übersicht das jeweils geeignetste Seil, für die verschiedenen Einsatzzwecke.

Übersicht: Verwendung der Seiltypen

Tabelle

Einsatzzweck Seiltyp Bemerkung
Fels
Kletterhalle, Klettergarten Einfachseil, ggf. Multisturzseil Abseilen nur über halbe Seillänge möglich
Alpines Gelände, Mehrseillängenklettern
Gebirge Zweierseilschaft
2 Zwillingsseile oder Abseilen über volle Seillänge möglich
2 Halbseile
Alpines Gelände, Mehrseillängenklettern
Gebirge Dreierseilschaft
2 Halbseile oder Seilerster gesichert an zwei Strängen, jeder Nachfolger an einem Strang
evtl. Einfachseil Beide Nachfolger in kurzen Abstand mit Weiche am Seilende
Eis
Gletscheranstieg
Zweier- / Dreier- / Viererseilschaft
Einfachseil  
oder Halbseil Auf dem Gletscher als Einfachseil
Beim Gipfelanstieg (Grat, Fels) im Doppelstrang

Tabelle 2: Einsatzbereich verschiedener Seitypen

Seillänge

Seile werden vorkonfektioniert in Längen von 50 m, 55 m, 60 m, 70 m und 80 m angeboten. Kürzere Seile eignen sich nur für Spezialzwecke, z. B. für eine Zusatzsicherung am Klettersteig. 50 m ist eine sinnvolle Länge für den Einsatz in künstlichen Kletteranlagen oder für alpines Gelände (Hochtouren). Bei Halb- oder Zwillingsseilen sind 55 m oder 60 m empfehlenswert, da 50 m Seile für manche Abseilrouten zu kurz sein können. Eine sinnvolle Länge für Einfachseile zum Sportklettern am Fels sind 60 m oder 70 m. Seile mit 80 m Länge werden zum Sportkletten in manchen Gebieten gebraucht, sind aber nicht der Regelfall.

Imprägnierung

Wer sein Seil im alpinen Bereich, insbesondere in Eis und Schnee, einsetzen will, sollte auf jeden Fall zu imprägnierten Seilen greifen. Nasse Seile sind nicht nur schwerer und schlechter zu handhaben (vor allem bei Vereisung) sondern verlieren auch an dynamischen Eigenschaften.

Imprägnierte Seile bieten zudem den Vorteil einer geringeren Schmutzaufnahme und damit einem geringeren Verschleiß.

Durchmesser

Der Vorteil von dünneren Seilen ist in erster Linie das Gewicht. Dem steht eine geringere Widerstandfähigkeit gegenüber Scharfkantenbelastungen und eine Abnahme der Lebensdauer entgegen. Weiter laufen moderne 9-Millimeter-Einfachseile, womöglich mit imprägnierter, extraglatter Oberfläche, zwar geschmeidig über den Fels und durch die Exen, aber genauso reibungsarm durch das Sicherungsgerät und vor allem durch die Bremshand. Es ist mehr Handkraft oder ein Sicherungsgerät mit höherer Bremskraft erforderlich. Besonders Anfängern ist deshalb ein Seil unter 10 mm Durchmesser nicht zu empfehlen und auch fortgeschrittene Kletterer sollten diesen Faktor nicht unterschätzen.

Kennzeichnung

Dynamische Bergseile müssen an beiden Enden mit einer maximal 30 mm breiten Banderole versehen sein. Die Banderolen müssen deutlich,
unauslöschlich und dauerhaft mit mindestens folgenden Informationen gekennzeichnet sein:

  • Seildurchmesser (ab 2013)
  • Name oder Zeichen des Herstellers, Importeurs oder Lieferers
  • Seiltyp erkennbar durch eines der folgenden graphischen Symbole

Symbole an Bergseilen

Grafische Symbole für Seile

Des Weiteren muss auf dem Seil das CE-Kennzeichen mit 4-stelliger Kennnummer der benannten Prüfstelle (z. B. TÜV) aufgebracht sein.

Banderolenkennzeichnung an zwei 9 mm Halbseilen
Banderolenkennzeichnung an zwei 9 mm Halbseilen

Im Beipackzettel des Herstellers müssen folgende Informationen stehen:

Länge, Name oder Warenzeichen des Herstellers, Nummer der EN, Durchmesser, Metergewicht, Seiltyp, Gebrauchsdehnung (statische Dehnung), Normsturzdehnung (dynamische Dehnung), Fangstoß beim Normsturz, Anzahl der gehaltenen Normstürze, Mantelverschiebung, Bedeutung aller auf dem Produkt angebrachter Markierungen, Informationen zum Gebrauch des Produkts und Angaben zu Instandhaltung und Lebensdauer.

Lebensdauer

Allgemein wirken sich häufiges Ablassen, Abseilen, Stürzen, Staub und Sand negativ auf die Lebensdauer eines Seiles aus. Während Ablassen, Abseilen und Stürzen zum normalen Gebrauch eines Seiles gehören, sollte gegen das Eindringen von Schmutz (vor allem Sand und Staub) etwas unternommen werden. Dringen feine Kristalle und Schmutzpartikel ins Seil ein, wirken diese wie „Sand im Getriebe“ und verletzen die feinen Polyamidfilamente. Der Gebrauch eines Seilsacks verlängert daher die Lebensdauer des Seils.

Laut PSA Verordnung sind die Hersteller verpflichtet, Angaben über die Lebensdauer von Bergsportausrüstung zu geben. Nach Ablauf der Lebensdauer gewährleistet der Hersteller die Sicherheit seines Produktes nicht mehr. Für den kommerziellen Einsatz (z.B. Verleih) ist es deshalb sehr wichtig, sich an Lebensdauerempfehlungen der Hersteller zu halten. Für den privaten Gebrauch ist es eine Abwägungssache. Ein Überschreiten der empfohlenen Nutzungsdauer führt zwar nicht zwangsläufig zum Versagen der Ausrüstung, jedoch nehmen die dynamischen Eigenschaften eines Seils mit der Alterung ab und das Handling wird schlechter. Ein Seil gehört auf jeden Fall ausgemustert oder abgeschnitten, wenn der Mantel beschädigt oder das Ende durch häufiges Stürzen "platt" ist.

Empfehlung für die Lebensdauer von Seilen beim Klettern:

Verwendungshäufigkeit ungefähre Lebensdauer
nie benutzt maximal 10 Jahre
selten benutzt (ein oder zweimal im Jahr) bis zu 7 Jahre
gelegentlich benutzt (einmal im Monat) bis zu 5 Jahre
regelmäßig benutzt (mehrmals im Monat) bis zu 3 Jahre
häufig benutzt (jede Woche) bis zu 1 Jahr
ständig benutzt (fast täglich) weniger als 1 Jahr

Mehr zum Thema

  • Persönliche Schutzausrüstungen - einige Erläuterungen zu den dafür geltenden Bestimmungen

Literaturverzeichnis

  • Albert, P. (2009). Indoor-Kletter beim DAV. BLV.
  • (2005). DAV Ausbilderhandbuch: Praxis und Theorie
  • Schubert, P. (2002). Sicherheit und Risiko in Fels und Eis Band II. Bergverlag Rother
  • Semmel, C. (2010). Alpin-Lehrplan 2A Kletter-Sichern, Ausrüstung. BLV

Richtlinien, Verordnungen und Normen

  • Verodnung (EU) 2016/425 über persönliche Schutzausrüstungen
  • DIN EN 892 Bergsteigerausrüstung; Dynamische Bergseile; Sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren; Deutsche Fassung EN
    892:2004

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Sollten noch Fragen zu Ihrem konkreten Sachverhalt verbleiben, wenden Sie sich bitte an die unter Service genannten Anlaufstellen.

Stand: 19.09.2025
Autor: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Brunner - Regierung von Mittelfranken - Gewerbeaufsicht
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