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Kind mit Vergiftung; Copyright Fotolia

Von Giften und deren Gefahren

Von: Prof. Dr. Wolfgang Schober - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Der Begriff "Gift" wird im landläufigen Sinn für Substanzen verwendet, die schon bei Aufnahme kleiner Mengen gesundheitliche Schädigungen verursachen.

In diesem Beitrag finden Sie

  • Definition
  • Giftmenge und Zeitdauer
  • Einwirkungsart
  • Einstufung und Kennzeichnung
  • Gefahren
  • Besonders gefährdete Personengruppen
  • Schutzmaßnahmen
  • Erste Hilfe
  • Mehr zum Thema    

Definition

Eine wissenschaftliche Definition ist nicht so ohne weiteres möglich, denn es gilt auch heute noch die Aussage von Paracelsus (1493-1541):
"Was ist das nit Gifft ist? Alle Ding sind Gifft und nichts ohn Gifft. Allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gifft ist."

Giftmenge und Zeitdauer

Es hängt also ganz wesentlich von Menge und Zeitdauer ab, der man einer Substanz ausgesetzt ist, dass Schäden entstehen oder eben nicht. So kann Zyankali in geringen Mengen aufgenommen werden, ohne dass es schädlich wirkt, während die Aufnahme sehr großer Mengen Wasser unter Umständen sogar zum Tode führt.

Einwirkungsart

Daneben können Einwirkungsart (Einatmen, Verschlucken, Hautkontakt) und individuelle Eigenschaften (z. B. Unverträglichkeiten, Überempfindlichkeit, Alter) eine wichtige Rolle spielen. Man unterscheidet weiterhin meist zwischen Auswirkungen nach kurzzeitiger Belastung (akute Exposition) und nach lang andauernder (chronischer) Belastung; häufig treten dabei auch unterschiedliche Schadwirkungen auf. 

Einstufung und Kennzeichnung

Das Chemikalienrecht (GHS-/CLP-Verordnung, Chemikaliengesetz, Gefahrstoffverordnung) fordert bei gefährlichen Stoffen und Zubereitungen (Stoffgemischen) eine Einstufung und Kennzeichnung nach schädlichen Eigenschaften.

Es wird unterschieden zwischen der Einstufung aufgrund physikalisch-chemischer (z. B. hochentzündlich, brandfördernd) und gesundheitsschädlicher Eigenschaften (z. B. giftig, ätzend, krebserzeugend, fortpflanzungsgefährdend) sowie aufgrund bestimmter Auswirkungen auf die Umwelt (z. B. wassergefährdend).

Die Kennzeichnung erfolgt mit Piktogrammen und sogenannten H- und P-Sätzen.
Die H-Sätze beschreiben die Gefahren, die von den Stoffen ausgehen, die P-Sätze geben Sicherheitsratschläge zum Umgang mit den Stoffen.

Gefahren

Im Rahmen dieses und einer Reihe weiterer Beiträge soll ein Überblick über Dinge in Haus und Garten gegeben werden, die vor allem bei falschem Verhalten zu gesundheitlichen Schädigungen führen können. Dabei wird die Gefahr akuter Vergiftungen im Vordergrund stehen, während Problembereiche, die eher bei einer längerfristigen Belastung kritisch sein können (z. B. Pestizid-Anwendungen in Innenräumen oder im Garten), nicht vertieft betrachtet werden.

Angesichts der Vielzahl von Dingen, Mitteln und Materialien, die möglicherweise in Haus und Garten vorhanden sind, können die Beiträge natürlich nicht vollständig sein, sondern sie sollen helfen, das Bewusstsein für gefährliche Stoffe und Situationen zu schärfen und dadurch die Vorsorge zu verbessern.  

Besonders gefährdete Personengruppen

Die Erfahrungen der Giftinformationszentren und der Dokumentations- und Bewertungsstelle für Vergiftungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zeigen, dass bei Vergiftungen im Haushalt in erster Linie Kinder betroffen sind, die ihre Umgebung intensiv erkunden (müssen). Sie sind neugierig und erforschen ihre Umwelt, wollen wissen, wie Dinge riechen und schmecken und je nach Alter

  • greifen sie nach allem, was nur irgendwie erreichbar ist,
  • stecken sie alles in den Mund, was ihnen in die Finger kommt,
  • ahmen sie unbedacht Erwachsene nach und
  • unterscheiden natürlich nicht zwischen ungefährlich und gefährlich.

Bitte beachten Sie:
Kinder im Alter zwischen ein und drei Jahren sind am stärksten gefährdet!

Zu einer weiteren gefährdeten Gruppe gehören Personen, die in irgendeiner Weise in ihrer Wahrnehmung beeinträchtigt sind (z. B. durch hohes Alter, Sehbehinderungen, Alkoholkonsum).

Schutzmaßnahmen:

  • Um unbeabsichtigte Vergiftungen zu vermeiden, sind daher ganz allgemein folgende Vorsichtsmaßnahmen zu empfehlen:
  • Gefährliche Materialien nie in Lebensmittelbehältnissen aufbewahren.
  • Keine möglicherweise gefährlichen Produkte kaufen, die so aufgemacht sind, dass sie von Kindern oder anderen gefährdeten Personen mit Lebensmitteln verwechselt werden können.
  • Alle Dinge, über deren gesundheitliche Unbedenklichkeit Sie sich im Unklaren sind, außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren (versuchen Sie einfallsreicher zu sein als Ihr Kind - das ist eine echte Herausforderung!).
  • Lebensmittel, Medikamente und Haushaltsprodukte wie Pestizide, Reinigungsmittel usw. nicht zusammen lagern.

Erste Hilfe

Empfehlungen für den Notfall finden Sie im Beitrag "Vergiftung! Was ist zu tun?"

Mehr zum Thema

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  • Freud und Leid mit dekorativen Öllampen
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  • Was sind Gefahrstoffe
  • GHS - neue globale Chemikalienkennzeichnung
  • Entsorgung von gefährlichen Stoffen an kommunalen Sammelstellen
  • Liste der Vergiftungszentren
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR):
    • Vergiftungen
    • Vergiftungsdokumentation
    • Verbraucherinformation: "Risiko Vergiftungsunfälle bei Kindern"
    • BfR-App: Vergiftungsunfälle bei Kindern
  • Aktion "Das sichere Haus": Achtung! Giftig! Vergiftungsunfälle bei Kindern
  • Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e.V.: Suche nach "Vergiftungen"

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Sollten noch Fragen zu Ihrem konkreten Sachverhalt verbleiben, wenden Sie sich bitte an die unter Service genannten Anlaufstellen.

Stand: 22.01.2026
Autor: Prof. Dr. Wolfgang Schober - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
Uwe Scheibner - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
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