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Chemikalien im Haushalt

Von: Prof. Dr. Wolfgang Schober - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Einen Großteil unseres Lebens verbringen wir in unseren Häusern und Wohnungen. Dadurch werden wir zwangsläufig mit den dort latent vorhandenen Gefahren durch Gifte konfrontiert (siehe auch Artikel: Gifte und deren Gefahren). Aus Gründen der Übersichtlichkeit haben wir zwei Raum- und Themengruppen definiert.

Kind im Haushalt mit Putzmitteln, Copyright Panthermedia

In diesem Beitrag finden Sie

  • Gefahren in Keller, Waschküche, Garage
    • Reinigungs-, Wasch- und Putzmittel
    • Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel (Pestizide)
    • Farben, Lacke, Lösemittel
    • Autobatterien
    • Frostschutzmittel
    • Kraftstoffe, Heizöl
  • Gefahren in Küche, Bad, Wohnzimmer, Schlafzimmer
    • Medikamente
    • Lampenöle
    • Batterien
    • Tabakwaren
    • Alkohol
    • Kosmetika, Körperpflegeprodukte
    • Sprays
    • Pflanzen
    • Heizung, Öfen
  • Mehr zum Thema 

Gefahren in Keller, Waschküche, Garage

In diesen Räumen werden viele Produkte gelagert, die gefährliche Stoffe enthalten können (die Zuordnung zu bestimmten Räumen ist schematisch und kann natürlich stark variieren):

Reinigungs-, Wasch- und Putzmittel

Reinigungs-, Wasch- und Putzmittelmittel können viele verschiedene Inhaltsstoffe wie Säuren, Laugen, Chlorverbindungen und/oder Tenside enthalten. Sie wirken bei direktem Kontakt oft reizend bis ätzend und können nach Verschlucken zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen. Das Erbrechen von schäumenden Mitteln kann, wenn der Schaum eingeatmet wird, Schäden wie Lungenentzündungen und im schlimmsten Fall Ersticken verursachen.

Schutzmaßnahmen:

  • Alle Mittel nur entsprechend der Anleitung verwenden.
  • Bei der Anwendung für gute Lüftung sorgen, eventuell Gummihandschuhe tragen.
  • Unterschiedliche Reiniger nicht mischen.
  • Kaufen Sie keine Reinigungsmittel, die Kinder von Lebensmitteln nicht unterscheiden können (Verwechslungsgefahr!).
  • Füllen Sie Nachfüllpackungen für Reinigungsmittel, Weichspüler etc. sofort vollständig in das Originalgefäß um.

Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel (Pestizide)

In erster Linie werden im Haushalt Mittel gegen Insekten und Nagetiere (Insektizide und Rodentizide) eingesetzt, aber zum Teil werden auch Mittel gelagert, die im Garten gegen andere Tiergruppen (z. B. Würmer) oder unerwünschten Pflanzenwuchs (Herbizide) zum Einsatz kommen.

Aufgrund der Vielzahl an Wirkstoffen und Anwendungsformen sind, vor allem bei falscher Anwendung, sehr unterschiedliche Schadwirkungen wie etwa Reizungen, die Beeinträchtigung von Nervenfunktionen oder Herz-Kreislaufstörungen möglich.

Schutzmaßnahmen:

  • Genau prüfen, ob der Einsatz von Pestiziden notwendig ist; möglichst darauf verzichten.
  • Nur streng nach Anleitung verwenden. Besonders darauf achten, Lebensmittel nicht zu verunreinigen. Bei der Anwendung für gute Lüftung sorgen, eventuell Gummihandschuhe tragen.
  • Reste möglichst bald bei geeigneten Stellen entsorgen (z. B. Sondermüllsammelstelle, Giftmobil).
  • Legen Sie vorsichtshalber keine Fraßköder gegen Schädlinge in von Kindern erreichbaren Bereichen aus (z. B. Küche, Keller, Garten).

 

Farben, Lacke, Lösemittel

Auch wenn in den letzten Jahren zunehmend mehr Farben und Lacke mit weniger bedenklichen Lösemitteln zur Verfügung stehen, werden immer noch herkömmliche Produkte mit bedenklicheren Inhaltsstoffen angeboten oder im Haushalt aufbewahrt (z. B. Terpentin, Terpentinersatz, Nitroverdünnung).

Durch die Lösemittel kann es zu Reizungen kommen, nach Einatmen größerer Mengen sind zentralnervöse Beeinträchtigungen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit und Übelkeit denkbar, nach Verschlucken treten vor allem Übelkeit und Erbrechen auf.

Schutzmaßnahmen:

  • Prüfen, ob weniger bedenkliche Produkte eingesetzt werden können (z. B. Umweltzeichen "Blauer Engel"). Nur für den Innenraum zugelassene Farben und Lacke im Haus verwenden.
  • Bei der Verwendung gut lüften; eventuell Schutzhandschuhe tragen.
  • Reste in einem ausreichend belüfteten Bereich aufbewahren oder besser bei geeigneten Stellen entsorgen.

Autobatterien

Autobatterien enthalten Blei und Schwefelsäure. Während Blei vor allem bei länger anhaltendem Kontakt, der in der Regel wenig wahrscheinlich ist, gesundheitsschädlich werden kann, ist die Schwefelsäure auch bei kurzzeitigem Kontakt gefährlich (Reizung bis Verätzung von Augen und Haut). Bei unsachgemäßer Handhabung können Autobatterien explodieren!

Schutzmaßnahmen:

  • Beachten Sie in diesem Zusammenhang die Beiträge zum Thema Autobatterien.

Frostschutzmittel

Frostschutzmittel können Ethylenglykol (1,2-Ethandiol) enthalten, das süßlich riecht und bitter-süßlich schmeckt. Bei Augenkontakt kann es zu Reizungen kommen, nach Verschlucken sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Störungen des Zentralnervensystems (Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Krämpfe), der Atmung und der Nierenfunktion möglich.

Kraftstoffe, Heizöl

Benzin, Diesel und Heizöl können ähnliche Wirkungen wie Lampenöle zur Folge haben (siehe unten und Empfehlungen für Verbrennungsmotoren).

Gefahren in Küche, Bad, Schlafzimmer, Wohnzimmer

Verschiedene der oben beschriebenen Gefahrenquellen wie Reinigungs-, Wasch- und Putzmittel oder Pestizide können auch in diesen Räumen vorhanden sein.

Schutzmaßnahmen:

  • Lagern Sie Waschmittel, Geschirrspülmittel, Haushaltsreiniger und vor allem Abflussreiniger an einer sicheren, für Kleinkinder unzugänglichen Stelle (nicht unter dem Spülbecken!).
  • Lassen Sie niemals Entkalker unbeaufsichtigt in der Kaffeemaschine, einer Kanne oder im Wasserkocher stehen.

Medikamente

Medikamente enthalten Wirkstoffe, die den Körper bei der Gesundung unterstützen sollen, bei falscher Verwendung aber leicht zu Vergiftungen führen können.

Kinder, die Tabletten für Süßigkeiten halten oder Doktor spielen wollen, sind besonders gefährdet. Bei kranken Personen stehen die Medikamente aus praktischen Gründen häufig offen neben dem Bett oder befinden sich in einer unverschlossenen Nachttischschublade, so dass sie für Kinder einfach erreichbar sind.

Gedacht werden sollte auch an Medikamente, die ein Besuch vielleicht mitbringt oder mit denen Kinder bei Besuchen außerhalb in Berührung kommen können, weiterhin an rezeptfrei erhältliche Produkte und Tierarzneimittel. Selbst bei der normalen Anwendung von Medikamenten können Verwechselungen auftreten, wobei besonders Personen mit Sehbeeinträchtigungen gefährdet sind.

Schutzmaßnahmen:

  • Medikamente in der Originalverpackung und mit Beipackzettel geordnet aufheben.
  • Verpackungen eventuell zusätzlich kennzeichnen, um Verwechslungen vorzubeugen. 
  • Lassen Sie niemals Entkalker unbeaufsichtigt in der Kaffeemaschine, einer Kanne oder im Wasserkocher stehen.
  • Lassen Sie keine Handtaschen mit Medikamenten unbeaufsichtigt herumstehen.
  • Legen Sie Medikamente nicht einfach "beiseite" (Nachttisch, Esstisch, Küchentisch, Fenstersims, Arbeitsflächen).

Lampenöle

Schutzmaßnahmen:

  • Verzichten Sie auf Duftlampen und Lampenöle, solange Kleinkinder im Haushalt sind.

Batterien

Besonders Knopfzellen können leicht von Kindern verschluckt werden. Wenn ihr Inhalt im Verdauungstrakt freigesetzt wird, kann es zu Reizungen bis Verätzungen und dadurch zu Magen-Darmbeschwerden kommen. Ob wegen der Aufnahme von Quecksilberverbindungen zusätzliche Maßnahmen notwendig sind, sollte mit einem Arzt besprochen werden.

Schutzmaßnahmen:

  • Knopfzellen und Geräte mit Knopfzellen außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.

Tabakwaren

Nicht nur der "bestimmungsgemäße" Gebrauch von Tabakwaren ist gesundheitsschädlich. So enthält eine Zigarette eine Nikotinmenge, die bei Verschlucken für ein kleines Kind lebensbedrohlich sein kann.

Dass es relativ selten zu solchen Vergiftungen kommt, liegt unter anderem daran, dass das Nikotin in Magen und Darm nur langsam aus dem Tabak herausgelöst wird, im Körper aber schnell genug abgebaut werden kann. Gefährlicher sind Zigarettenkippen und Flüssigkeiten (Getränkereste), in die Kippen geworfen worden sind, da das Nikotin hier leichter verfügbar vorliegt.

Eine Vergiftung äußert sich in Störungen des Nervensystems wie Unruhe, Zittern, Erbrechen, Schwitzen, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen und Kreislaufkollaps.

Schutzmaßnahmen:

  • Lassen Sie generell keine Zigaretten, Zigarren oder Tabak herumliegen und leeren Sie die Aschenbecher. Besser noch: Verzichten Sie doch ganz auf das Rauchen, gerade wenn Kinder in der Nähe sind!
  • Lassen Sie keine Handtaschen mit Zigaretten oder sonstigen Tabakprodukten unbeaufsichtigt herumstehen.

Alkohol

Alkoholische Getränke und alkoholhaltige Produkte wie Parfüme, Rasierwasser, Arzneien oder Fensterreiniger stellen vor allem in hochkonzentrierter Form ein Problem dar.

Die Gefahr von Getränken mit geringerem Alkoholgehalt für Kinder sollte aber wegen der oft leichten Verfügbarkeit ebenfalls nicht unterschätzt werden, denn Kinder reagieren empfindlicher auf Alkohol als Erwachsene. Neben Reizwirkungen bis hin zu Gewebsschädigungen bei Verschlucken von "Hochprozentigem" und den bekannten Folgen wie Rausch, Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen können unter Umständen auch Störungen im Zuckerstoffwechsel auftreten.

Schutzmaßnahmen:

  • Alkoholische Getränke, auch Reste davon, nicht unbeaufsichtigt herumstehen lassen.
  • Berücksichtigen Sie die akuten Gefahren für Kinder durch Tabak und Alkohol gerade nach ausgelassenen Feiern, um am Morgen ein "böses Erwachen" zu vermeiden.

Kosmetika, Körperpflegeprodukte

Die Produkte aus diesem Bereich sind meist wenig giftig. Dennoch kann es bei einer umfangreicheren Aufnahme zu Unwohlsein, Übelkeit und Erbrechen kommen. Problematisch sind z. B. auch schäumende Produkte (siehe oben) oder Nagellackentferner (Lösemittel), und selbst Babypuder kann bei übermäßigem Einatmen akute Atembeschwerden, unter Umständen sogar bleibende Lungenschäden verursachen. Daher empfiehlt sich auch hier ein überlegter Umgang mit den Produkten.

Schutzmaßnahmen:

  • Kaufen Sie keine Kosmetika, die Kinder von Lebensmitteln nicht unterscheiden können (Verwechslungsgefahr!).
  • Lassen Sie keine Handtaschen mit Kosmetika unbeaufsichtigt herumstehen.

Sprays

Wegen der feinen Verteilung der Inhaltsstoffe in der Luft kann es bei der Verwendung von Sprays zu Atembeschwerden, unter Umständen sogar zu lebensbedrohlichen Vergiftungen kommen. Auch ein In-die-Augen-Sprühen kann problematisch sein.

Schutzmaßnahmen:

  • Auf die Anwendungshinweise achten.
  • Sprühnebel möglichst nicht einatmen, nicht in die Augen sprühen.
  • Bei der Anwendung für gute Lüftung sorgen. 

Pflanzen

Verschiedene Zimmerpflanzen können nach dem Verzehr einzelner Teile oder auch bei Hautkontakt leichte bis erhebliche Beschwerden verursachen. Daher ist es in einem Haushalt mit kleinen Kindern sinnvoll, auch in dieser Richtung nachzuforschen.

Schutzmaßnahmen:

  • Stellen Sie keine giftigen Zimmerpflanzen auf.

Heizung, Öfen

Allgemein bekannt dürfte sein, dass Heizungen und Öfen bei unsachgemäßem Betrieb Ursache für Zimmerbrände sein können. Sie können aber auch zu einer akuten Gefahr werden, ohne dass dies direkt erkennbar ist. Ursache für Vergiftungsfälle ist dann häufig Kohlenmonoxid, das vermehrt bei schlechter Verbrennung entsteht, etwa wenn ein Ofen nicht mehr richtig zieht.

Schutzmaßnahmen:

  • Sorgen Sie dafür, dass Öfen und Heizungen, in denen Verbrennungsvorgänge ablaufen, sachgemäß betrieben werden.
  • Heizgeräte, die Sie in Innenräumen betreiben möchten, sollten auch dafür zugelassen sein.
  • Um rechtzeitig vor Kohlenmonoxid-Vergiftung gewarnt zu werden, ist die Anbringung eines CO-Melders sinnvoll!
    (dieser darf jedoch nicht mit einem optisch-elektronischen Rauchmelder verwechselt werden)

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Stand: 25.02.2025
Autor: Uwe Scheibner - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
Prof. Dr. Wolfgang Schober - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
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