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Die 1. Leitlinie Kohlenhydrate – Hilfe bei der Vorbeugung von Krankheiten

Von: Gisela Horlemann - VerbraucherService Bayern

Kohlenhydrate zählen neben Eiweiß und Fett zu den Hauptnährstoffen für den Menschen. Die wissenschaftlichen Ernährungs-Fachgesellschaften von Deutschland, Österreich und der Schweiz empfehlen, täglich mehr als 50 Prozent der Nahrungsenergie über Kohlenhydrate, also über pflanzliche Lebensmittel aufzunehmen. Immer wieder werden diese Werte jedoch angezweifelt. Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung schafft hier Klarheit über die Studienlage und klärt den Einfluss von Kohlenhydraten auf Krankheiten.



In diesem Beitrag finden Sie

  • Was sind Leitlinien und wie entstehen sie?
  • Die wichtigsten Ergebnisse der Leitlinie Kohlenhydrate
  • Welche Nahrungsmittelinhaltsstoffe wurden untersucht?
  • Die Gesamtkohlenhydratzufuhr
    • Die Ballaststoffe
    • Mono- und Disaccharidzufuhr, zuckergesüßte Erfrischungsgetränke
    • Glykämischer Index und glykämische Last

Was sind Leitlinien und wie entstehen sie?

Leitlinien sind Empfehlungen, die auf den Ergebnissen wissenschaftlicher Studien beruhen.

Um Leitlinien und somit Zufuhrempfehlungen zu erhalten, werden Studien verglichen die bereits zu diesem Thema erstellt wurden. Daraus werden dann Ernährungsempfehlungen abgeleitet.

In diesem Falle wertete die Leitlinien-Kommission der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) die verfügbare wissenschaftliche Literatur über Kohlenhydrate von 1975 bis 2010 aus und unterzog die gefundenen Ergebnisse einer Bewertung und einer anschließenden öffentlichen Fachdiskussion. Es wurden nur Studien in die Auswertung aufgenommen, die wissenschaftlichen Überprüfungen standhalten konnten. Der Nachteil dieser Vorgehensweise ist, dass möglicherweise nicht alle Studien erfasst werden.

Ausgewählt wurden die Krankheiten Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2, Dyslipoproteinämie, Hypertonie, Metabolisches Syndrom, koronare Herzkrankheit und Krebs.

Die wichtigsten Ergebnisse der Leitlinie Kohlenhydrate

Die Leitlinie zeigt, dass die Höhe der Kohlenhydratzufuhr das Risiko für alle untersuchten Krankheiten nicht zu beeinflussen scheint.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass nicht die Menge, sondern die Qualität der Kohlenhydrate ausschlaggebend ist. Das bedeutet:

  • Die Zufuhr von Ballaststoffen insgesamt und vor allem die von Vollkornprodukten als ballaststoffreiche Lebensmittel senkt die Risiken für diverse ernährungsmitbedingte Krankheiten und sollte erhöht werden.

  • Vollkornprodukte senken sehr deutlich die Konzentration der Lipoproteine.

  • Demgegenüber sind zuckergesüßte Erfrischungsgetränke kohlenhydrathaltige Lebensmittel, die zu Übergewicht führen können. Ihr Konsum sollte sinken.

Welche Nahrungsmittelinhaltsstoffe wurden untersucht?

Der Begriff Kohlenhydrate umfasst sehr viele unterschiedliche Substanzklassen. Deshalb wurden die Gesamtkohlenhydrate unterteilt in:

  • Ballaststoffe/Vollkornprodukte

  • Zucker (Mono- und Disaccharide), zuckergesüßte Erfrischungsgetränke

  • Polysaccharide/Stärke

  • Glykämischer Index (GI) und Glykämische Last (GL)

Es wurde jeweils untersucht, ob eine Zufuhrveränderung dieser Kohlenhydratarten einen Einfluss auf Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2, Dyslipoproteinämie, Hypertonie, Metabolisches Syndrom, koronare Herzkrankheit und Krebs hat.

Die Gesamtkohlenhydratzufuhr

Die Nahrungsmittel sind aufgeteilt in kohlenhydrat-, stärke- und eiweißreiche Lebensmittel. Isst man mehr Kohlenhydrate, dann isst man von einem anderen Nahrungsmittel weniger. Untersucht man gezielt, wie sich dies auswirkt, dann zeigt sich, dass:

  • kaloriengerecht, ballaststoffreich (>20 g/Tag) und fettarm (gesättigte Fettsäuren <10 % der Gesamtenergie, Cholesterol <300 mg/Tag) den größten positiven Einfluss auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat.

Die Ballaststoffe

Die Ergebnisse der Leitlinie zeigen, dass Ballaststoffe sehr günstig bei der Prävention der untersuchten Krankheiten wirken. Eine hohe Gesamtballaststoffzufuhr senkt das Risiko für Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2, Dyslipoproteinämie, Hypertonie, Metabolisches Syndrom, koronare Herzkrankheit und Krebs.
Ballaststoffe stecken beispielsweise in Vollkornprodukten, Kartoffeln, Hülsenfrüchten, Gemüse und Obst.

Mehr Ballaststoffe aber wie?

Die derzeitige Verzehrsempfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung liegt bei mindestens 30 g pro Tag. Nach den Daten der Nationalen Verzehrsstudie II beträgt die Zufuhr von Ballaststoffen in Deutschland bei Frauen 23 g pro Tag, bei Männern 25 g pro Tag.

Tipps

Die Ballaststoffzufuhr steigt, wenn bei Brot, Nudeln und anderen Getreideprodukten die Vollkornvarianten gewählt werden. Beim Backen im privaten Haushalt kann die Ballaststoffzufuhr durch die Verwendung von Getreidemahlerzeugnissen mit hoher Typenzahl erhöht werden.

Dabei muss nicht alles geändert werden. Die Ballaststoffzufuhr lässt sich bereits deutlich steigern, wenn:

  • die Hälfte des Weizenmehls der Typen 405/550 gegen Weizenvollkornmehl ausgetauscht wird,

  • Weizenmehl der Type 1050 eingesetzt wird,

  • anteilig Roggenmehl für herzhafte Gebäcke verwendet wird.

Die Ballaststoffzufuhr kann auch durch einen erhöhten Gemüse- und Obstverzehr gesteigert werden. Drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst pro Tag sind generell zu empfehlen. Diese Lebensmittel haben einen hohen Wassergehalt und wenig Kalorien, bei gleichzeitig hohem Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen.

Mono- und Disaccharidzufuhr, zuckergesüßte Erfrischungsgetränke

Monosaccharide sind sogenannte Einfachzucker, dazu zählen beispielsweise Traubenzucker und Fruchtzucker. Disaccharide sind Zweifachzucker, die bekanntesten sind der Haushaltszucker, sowie Malz- und Milchzucker.

Ergebnis für die Mono- und Disaccharidzufuhr: Hier gibt es keine aussagefähigen Ergebnisse. Nur für die Zufuhr von Monosacchariden und dem höheren Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs gibt es eine mögliche Beziehung.

Ergebnis für zuckergesüßte Erfrischungsgetränke: Ein hoher Konsum steigert bei Erwachsenen wahrscheinlich das Risiko für Adipositas, bei Kindern ist der Zusammenhang auffällig. Diese Getränke sollten also eher sparsam konsumiert werden.

Auch das Risiko für Diabetes mellitus Typ 2 steigt möglicherweise.

Glykämischer Index und glykämische Last

Der Glykämische Index (GI) beurteilt kohlenhydrathaltige Lebensmittel nach ihrer Wirkung auf den Blutzuckerspiegel. Je niedriger der GI eines Lebensmittels ist, desto langsamer steigt der Blutzuckerspiegel. Vollkornerzeugnisse, Gemüse und auch viele Obstarten haben einen niedrigen GI.

Die Glykämische Last (GL) berücksichtigt zusätzlich wie viel Kohlenhydrate ein Lebensmittel pro verzehrsüblicher Portion enthält.

Zum Artikel Glykämischer Index

Ergebnis: Die Zusammenhänge sind aus Sicht der Leitlinien-Kommission zu vage, so dass keine diesbezüglichen Empfehlungen ausgesprochen werden.

Ein regelmäßiger Verzehr ballaststoffreicher Lebensmittel wie zum Beispiel Müsli, Hülsenfrüchte, Vollkornnudeln geht in der Regel mit einem verringerten glykämischen Index (GI) der Ernährung einher. Dabei ist unter anderem die Be- und Verarbeitung der Lebensmittel zu beachten. Denn auch Lebensmittel mit hohem Ballaststoffgehalt können einen hohen GI aufweisen, wie zum Beispiel Vollkornbrot aus feingemahlenem Vollkornmehl im Gegensatz zu Vollkornprodukten aus Ganzkorn- oder Schrotbrot.

Mehr zum Thema

  • Pressemitteilung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)
  • Artikel: Mehr Kohlenhydrate aber wie?
  • Artikel Glykämischer Index
  • DGE: Leitlinie Kohlenhydrate

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Stand: 27.09.2024
Autor: Gisela Horlemann - VerbraucherService Bayern
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