Bayerisches Staatsministerium für
Umwelt und Verbraucherschutz

Energy Drinks und Energy Shots

Von: Gisela Horlemann - VerbraucherService Bayern
Dr. Eva Lassek - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
PD Dr. Christian Weidner - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Sie heißen Red Bull, Flying Horse, Monster Energy, Mad Bad oder Speed Star und sollen beleben, anregen, und die Reaktionsfähigkeit erhöhen. Die Rede ist von den sogenannten Energy Drinks und Energy Shots. Sie enthalten Koffein, in der Regel zusammen mit den Stoffen Taurin, Inosit und Glucuronolacton.
Bei bestimmungsgemäßen Verzehr dieser Produkte und bei Beachtung der Verbraucherhinweise besteht aus Sicht des Bundesamtes für Risikobewertung (BfR) kein gesundheitliches Risiko. Beim Konsum größerer Mengen und im Zusammenhang mit ausgiebiger sportlicher Betätigung oder zusammen mit dem Genuss von alkoholischen Getränken können indes unerwünschte Wirkungen nicht ausgeschlossen werden.

Was sind Energy DrinksGetränkedosen ohne Aufschrift

Energy Drinks gibt es seit etwa 1980 und in der Zwischenzeit haben sie sich zum Trendgetränk entwickelt. Red Bull war der erste Energy Drink in Europa. Mit ihm vermarktete sein Erfinder diese Geschäftsidee in fast allen Ländern unseres Kontinents.

Energy Drinks sind in Deutschland seit dem 01.Juni 2012 rechtlich in der Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkeverordnung definiert. Danach sind es koffeinhaltige Erfrischungsgetränke, die zusätzlich zum Koffeingehalt, der auf maximal 320 mg/l begrenzt ist, noch einen oder mehrere der Stoffe Taurin, Glucuronolacton und Inosit enthalten.

Diese Inhaltsstoffe sollen anregen, die Leistung steigern und die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit erhöhen. Angeboten werden sie meist in Dosen von 250 ml, seltener in Glas- und Kunststoffverpackungen. Im Internet kann man auch Energy Drinks bestellen, die im Handel nicht verkauft werden, zum Teil mit deutlich höherer Konzentration der Inhaltsstoffe als in der Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkeverordnung verankert.

Was sind Energy Shots?

Energy Shots kamen 2009 auf den Markt und haben einen ebenso steilen Aufstieg erlebt wie die Energy Drinks.

Energy Shots sind rechtlich nicht definiert, sie können aber als Energy Drinks in hochkonzentrierter Form beschrieben werden. Sie enthalten dieselben Inhaltsstoffe wie Energy Drinks jedoch wesentlich weniger Wasser und werden in deutlich kleineren Verpackungen von 25 ml bis 75 ml angeboten. Der Verbraucher bekommt mit dem geringen Volumen in der Regel die gleiche Menge an Inhaltsstoffen, die in einem üblichen Energy Drink enthalten wären, aber er trinkt ihn „mit einem Schluck“ aus, quasi als ein „Shot“ (Schuss).

Diese Getränke werden als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Laut Vorgaben der Nahrungsergänzungsmittelverordnung unterliegen sie einer Anzeigepflicht beim Bundesamt für Verbraucherschutz (BVL) in Berlin und dürfen nur mit einer Verzehrsempfehlung in Verkehr gebracht werden. Bei den bisher bekannten Produkten wird einheitlich „eine Portion am Tag“ empfohlen.

Inhaltsstoffe und ihre Wirkung: Zucker (Saccharose, Glucose), Süßstoffe, Koffein, Taurin, Glucuronolacton, Inosit

Die auf dem Markt befindlichen Energy Drinks haben etwa die gleichen Inhaltsstoffe, manchmal in unterschiedlicher Konzentration. Neben den Zutaten Wasser, Zucker, Koffein, Taurin, Glucuronolacton und Inosit enthalten zahlreiche dieser Getränke noch Vitamine, Fruchtsäfte aus Fruchtsaftkonzentraten, Extrakte aus Ginseng oder Ginko Biloba. Es gibt aber auch Varianten mit Milch oder Molkenerzeugnissen.

Eine typische Deklaration auf einem Etikett sieht folgendermaßen aus:

  • Energydrink - erhöhter Koffeingehalt (32mg/100ml)
  • Zutaten: Wasser, Saccharose, Glucose, Säureregulator (Natriumcitrate,
    Magnesiumcarbonat), Kohlensäure, Säuerungsmittel: Zitronensäure, Taurin(0,4%), Koffein(0,03%), Glucuronolacton, Inosit, Vitamine (Niacin, Pantothensäure, B6, B12), Aroma, Farbstoffe (einfacher Zuckerkulör, Riboflavin).

Saccharose und Glucose

Saccharose ist die chemische Bezeichnung für Haushaltszucker und Glucose bedeutet Traubenzucker. Diese beiden Kohlenhydrate liefern dem Körper schnell Energie. Doch die ständige Aufnahme zuckergesüßter Erfrischungsgetränke wird nach heutigen Erkenntnissen mit Übergewicht in Verbindung gebracht. Dies hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung in ihrer 1. Leitlinie Kohlenhydrate besonders betont. Laut Weltgesundheitsorganisation sollte weniger als 10 Prozent der täglichen Energiezufuhr aus zugesetztem Zucker bestehen. Das entspricht etwa 50 - 60 g Zucker pro Person und Tag.

In Energy Drinks stecken im Durchschnitt

pro 100 ml etwa 11 g Zucker = 45 Kcal
pro 250 ml Dose etwa 27 g Zucker = 113 kcal

Mit einer Portion Energy Drinks hat man somit bereits die Hälfte der täglichen Zuckerration aus zugesetztem Zucker erreicht.

Süßstoffe

Manche Hersteller produzieren auch Energy Drinks oder Energy Shots mit Süßstoffen also ohne Zuckerzusatz.

Der Ersatz von Zucker durch Süßstoffe hat den Vorteil, dass diese Getränke weniger Kalorien enthalten. Allerdings werden Süßstoffe unterschiedlich diskutiert, manche Studien ergeben, dass Süßstoffe den Appetit anregen und somit dick machen, manche sprechen dagegen. Produkte mit dem Süßstoff Aspartam müssen den Warnhinweis tragen „Enthält eine Phenylalaninquelle“, da Personen mit der Krankheit Phenylketonurie diesen Süßstoff nicht vertragen.

Die Zulassung für den Süßstoff Stevia ist im Dezember 2011 erfolgt. Verschiedene Hersteller werden diese Süße auch in Energy Drinks oder Energy Shots einsetzen.

Durch Höchstmengenbegrenzungen sollen Verbraucher vor einer zu hohen Aufnahme von Stevia-Extrakten geschützt werden.

Koffein

Diese psychoaktive Substanz hat eine belebende Wirkung. Sie stimuliert das Nervensystem, macht wach und steigert das Konzentrationsvermögen. Diese Wirkung tritt bereits bei geringen Mengen auf. Hinsichtlich einer belebenden Wirkung von Energy Drinks als Koffeinlieferanten - siehe Abschnitt „Gesundheitsbezogene Auslobungen“.

Ein Vergleich durchschnittlicher Koffeingehalte einiger Getränke:

  • 1 Tasse Kaffee zu 125 ml 60 – 130 mg, entsprechend 480 - 1040 mg/Liter
  • 1 Glas Cola zu 200 ml 20 – 50 mg, entsprechend 100 - 250 mg/Liter
  • 1 Dose Energy Drink zu 250 ml ca. 80 mg, entsprechend 320 mg/Liter

Das sind Durchschnittswerte sie können schwanken:

Ab einem Koffeingehalt von 15 mg/ 100 ml ist ein Warnhinweis „hoher Koffeingehalt“ vorgeschrieben.

Bei hohen Aufnahmemengen können Nebenwirkungen wie Magenbeschwerden, Unruhezustände, Einschlafstörungen oder Kopfschmerzen auftreten. Kinder reagieren besonders empfindlich auf Koffein. Bereits bei einer Dosis von 5,3 mg/kg Körpergewicht konnten Nebenwirkungen wie Reizbarkeit, Nervosität oder Angstzustände beobachtet werden.

Taurin

Dieses Eiweiß-Abbauprodukt kommt natürlicherweise im menschlichen Stoffwechsel vor. Die körpereigene Produktion von Taurin beträgt bei gesunden Erwachsenen etwa 50 – 125 mg pro Tag und deckt zumeist den individuellen Bedarf.

Taurin wird auch durch Lebensmittel zugeführt. Personen mit vegetarischer Ernährungsweise nehmen täglich rund 40 mg Taurin zusätzlich auf. Nicht-Vegetarier kommen leicht auf 200 mg pro Tag. Besonders große Mengen Taurin finden sich in Meeresfrüchten, Fisch, Fleisch und Milch.

Ein Energy Shot (60ml) des Marktführers enthält immerhin 1.000 mg Taurin.

Taurin soll die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit steigern. Unabhängige wissenschaftliche Studien konnten keine entsprechende Wirkung nachweisen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät von einer Zufuhr aus mit Taurin angereicherten Lebensmitteln ab.

Glucuronolacton

Dieser Inhaltsstoff ist ein normales Stoffwechselprodukt und kann vom Körper aus Glucose hergestellt werden. Glucuronsäure hilft dem Körper bei Entgiftungsreaktionen. Glucuronolacton (= Ester der D-Glucuronsäure) kommt in der Nahrung nur in sehr geringen Mengen vor.

Die in Energy Drinks enthaltene Menge an Glucuronolacton übersteigt die tägliche Zufuhr durch herkömmliche Nahrungsmittel um ein Vielfaches. Dieser Stoff wird von der EFSA derzeit als unbedenklich bewertetet. Unabhängige wissenschaftliche Studien über potentielle Folgen stehen allerdings noch aus. Eine Leistungssteigerung oder Aufputschwirkung wurde bisher nicht festgestellt.

Inosit

Inosit wurde früher zu den Vitaminen gezählt und ist beteiligt an der Signalübermittlung im Inneren von Zellen. Die Bedarfsdeckung an Inosit erfolgt normalerweise durch Eigenproduktion. Mangelsymptome sind beim Menschen nicht bekannt. Es wird somit keine externe Zufuhr benötigt. Eine positive Wirkung auf die geistige Leistungsfähigkeit ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

Gesundheitsbezogene Werbung

Viele Energy Drinks tragen hervorgehobene Auslobungen, die lauten z. B. „steigert die Leistungsfähigkeit / verbessert die Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit / erhöht die Aufmerksamkeit und den Wachheitsgrad (Vigilanz) / verbessert das Befinden / regt den Stoffwechsel an / stark belebend / stimuliert Kreislauf“.

Solche Aussagen stellen gesundheitsbezogene Auslobungen dar, sog. Health Claims, die nach dem Gemeinschaftsrecht einer Zulassung bedürfen. Eine solche Zulassung liegt für die benannten Claims bislang nicht vor. Im Gegenteil, die Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist in ihrer wissenschaftlichen Sammelbewertung der beantragten Claims über mentale und körperliche Leistungssteigerung im Zusammenhang mit dem Konsum von koffein- und kohlenhydrathaltigen Energy Drinks zum Ergebnis gekommen, dass eine solche Verbindung nicht hergestellt werden konnte.

Risiken

„In der Vergangenheit kam es zu Todesfällen, die in einem möglichen Zusammenhang mit dem Konsum von Energydrinks in Verbindung mit der Aufnahme von Alkohol oder ausgiebiger sportlicher Betätigung gesehen wurden, ohne dass allerdings eine Kausalität bewiesen wurde“ - so die Aussage des BfR in der Stellungnahme Nr. 016/2008.

Es häufen sich jedoch Hinweise, dass gerade die Kombination von Energy Drinks mit Alkohol oder Sport zu gravierenden Nebenwirkungen führen kann. Darunter fallen auch akute Kreislaufprobleme und zentralnervöse Beschwerden. Deshalb sollten zum Beispiel Patienten mit Bluthochdruck oder Herzerkrankungen keine Energy Drinks zu sich nehmen.

Energy Drinks und Energy Shots sollen laut Auslobung durch die Hersteller beim Sport die Leistung steigern. Es ist daher zu befürchten, dass sie mit Sportgetränken verwechselt werden. Sportgetränke enthalten jedoch eine andere Zusammensetzung. Sie liefern durch ihren Kohlenhydratgehalt Energie und füllen Wasser- und Elektrolytdefizite wieder auf. Energy Getränke enthalten dagegen zu wenig Wasser, zu viel Zucker und einen Koffeingehalt, der die Harn- und Natriumausscheidung zumindest zeitweise erhöhen kann.

Warnhinweise und Verzehrsempfehlung

Getränke mit einem Koffeingehalt, der 150 mg/l übersteigt, - dazu zählen auch Energy Drinks und Energy Shots - müssen einen obligatorischen Warnhinweis tragen: „erhöhter Koffeingehalt“, gefolgt von einer Angabe des Koffeingehaltes in Klammern, ausgedrückt in mg je 100 ml. Dieser Hinweis muss im selben Sichtfeld wie die Verkehrsbezeichnung angebracht werden.

Ab Dezember 2014 muss der o. g. Hinweis noch um folgenden Wortlaut erweitert werden: „Für Kinder und Schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen“.
Die Warnhinweise müssen gut sichtbar und deutlich lesbar angebracht werden und sie dürfen nicht durch andere Angaben oder Bildzeichen verdeckt werden.

Viele Produkte tragen bereits jetzt Hinweise, die vom Konsum von Energy Drinks im Zusammenhang mit dem Genuss alkoholischer Getränke oder in Verbindung mit ausgiebiger sportlicher Betätigung abraten. Solche Hinweise sind jedoch lebensmittelrechtlich nicht verpflichtend.
Diese Warnhinweise sind jedoch häufig sehr unauffällig angebracht und verfehlen daher nach Ansicht von VerbraucherService Bayern und Verbraucherzentrale ihre Signalwirkung.

Zusatzwarnung als Verzehrsempfehlung auf Energy Shots:

Das Bundesinstitut für Risikobewertung befürchtet, dass es durch die kleinen Portionsgrößen leichter zu Überdosierungen kommen kann. Energy Shots, da sie als Nahrungsergänzungsmittel in Verkehr gelangen, müssen daher verpflichtend eine Verzehrsempfehlung tragen. Sie lautet: nicht mehr als eine Packung /Portion täglich zu verzehren.
Nur bei dem bestimmungsgemäßen Verzehr, d. h. von einer Portion Energy Shot am Tag und unter Beachtung der Verbraucherhinweise sieht das BfR keine gesundheitlichen Risiken. Werden jedoch die Verzehrshinweise missachtet und es wird z. B. mehr als eine Dose am Tag getrunken, dann können sich Nebenwirkungen einstellen. Dazu zählen: Krämpfe, Halluzinationen und Herzrasen.
US-Giftzentralen registrieren seit 2010 auch Überdosierungen von Energy Drinks. Von Oktober bis Dezember waren es über 600 Fälle.

Fazit:

Bisher gibt es keine eindeutigen Erkenntnisse über mögliche Wechselwirkungen zwischen allen „Wirksubstanzen“ wie Koffein, Taurin, Glucuronolacton, Inosit in Energy Drinks.
Es gibt auch keine Hinweise auf die leistungssteigernde Wirkung von Taurin, Glucuronolacton und Inosit. Bewiesen ist jedoch die negative Wirkung erhöhter Zufuhr an Koffein und gezuckerten Getränken.

Wer zu Energy Shots und Energy Drinks greift, sollte daher maximal 1 Portion täglich zu sich nehmen.

Bildnachweis: Getränkedosen, © Stefan Balk - Fotolia.com

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Weiterführende Links und Quellen