Bayerisches Staatsministerium für
Umwelt und Verbraucherschutz

Alkoholfreie Erfrischungsgetränke

Von: Dr. Eva Lassek - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Fünf verschiedene, rötliche und orangene Erfrischungsgetränke in Gläsern.

Zu den Erfrischungsgetränken im Sinne der Leitsätze der Deutschen Lebensmittelbuchkommission vom 18.März 2003 zählen Fruchtsaftgetränke, Fruchtschorlen, Limonaden und Brausen. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie Alkohol (Ethanol) nur in einer Menge bis höchstens 2 g/l enthalten dürfen (entsprechend 0,25 %vol). Dieser Alkohol darf dabei ausschließlich aus den Fruchtbestandteilen und/oder aus den Aromen stammen. Eine direkte Alkoholzugabe oder ein Zusatz alkoholischer Getränke ist dabei nicht zulässig.

In den letzten Jahren sind neben den anfangs genannten Standardsorten auch neue Produkte auf dem Markt erschienen. Zudem ist vieles, was sich früher der Verbraucher selbst mischte, nun fertig in Flaschen abgefüllt erhältlich, zum Beispiel Teemischgetränke, Mineralwasser-plus-Frucht-Getränke, Cola-Mix oder Fruchtsaftschorlen.

Energy Drinks

Meist in bunten, schlanken 250 ml-Dosen werden Erfrischungsgetränke als "Energy Drinks" angeboten. Im asiatischen Raum sind diese Getränke schon seit Langem bekannt.
Energy Drinks enthalten einen im Vergleich zu Cola-Limonaden (etwa 70-100 mg/l Coffein) weit höheren Coffeingehalt (maximal 320 mg/l). Eine Dose entspricht damit etwa der Coffeinmenge einer Tasse Kaffee.

Chemischer Aufbau von TaurinDaneben sind meist auch Taurin (bis 4000 mg/l), Inosit (bis 200 mg/l) und Glucuronolacton (bis 2400 mg/l) zugesetzt.

Taurin ist ein schwefelhaltiger, aminosäureähnlicher Stoff, der zuerst aus der Stiergalle isoliert wurde (daher der Name: griech. tauros = Stier). Diesem eher zufällig entstandenen Trivialnamen hat Taurin vermutlich die Schöpfung der zahlreichen Legenden um seine Herkunft und Wirkung zu verdanken. Der Organismus kann Taurin selbst aus Cystein herstellen; die Substanz ist Bestandteil der Gallensäuren. Eine Zufuhr durch Lebensmittel ist daher bei Erwachsenen nicht nötig. Sogar in der Muttermilch ist Taurin in Mengen zwischen 25 bis 50 mg pro Liter enthalten. Taurin kommt in allen Säugetierarten vor.

Glucuronolacton, das Lacton der Glucuronsäure, kommt in vielen Pflanzenschleimen und tierischen Bindegeweben vor. Wie die Glucuronsäure ist es an Entgiftungsreaktionen im Organismus beteiligt.

Inosit, ein sechswertiger cyclischer Alkohol, ist im Muskelgewebe und vielen pflanzlichen und tierischen Organen enthalten. Inosit wurde früher den B-Vitaminen zugeordnet; der Vitamincharakter ist jedoch umstritten.

Chemischer Aufbau von Coffein Ein häufiger Zusatz in Energy Drinks ist Guarana. Es ist ein coffeinhaltiges Genuss- und Heilmittel aus den Samen der in Brasilien wild wachsenden Schlingpflanze Paullinia sorbilis oder cupana. Die Samen werden von den Indianern getrocknet, geröstet, gepulvert, mit Wasser zu einem Teig angerührt, zu Stangen oder Kuchen geformt und an der Sonne getrocknet. Die so entstandene, braunschwarze, bitter schmeckende Masse enthält 3-6 % Coffein und wird als Genussmittel verwendet. Aus Extrakten von Pasta guaraná werden Erfrischungsgetränke hergestellt. Der Name "Guarana" ist indianischen Ursprungs.
Kritisch ist der Konsum der Energy Drinks in Kombination mit Alkohol, da sowohl Coffein als auch Ethanol eine starke dehydratisierende Wirkung im Körper hervorrufen können. Besonders in Diskotheken ist der Verzehr von Energy Drinks in Kombination mit Wodka oder anderen Spirituosen sehr verbreitet. Dies ist auch der Grund, warum diese Getränke einen Warnhinweis tragen müssen, in dem die Verbraucher auf den hohen Coffeingehalt aufmerksam gemacht werden. Zusätzlich bringen fast alle Hersteller freiwillig auch noch einen weiteren Hinweis an, der besagt, dass diese Erzeugnisse für Kinder, Schwangere, Stillende und für coffeinempfindliche Personen nicht geeignet sind.

Andere Erfrischungsgetränke

Limonaden sind Erfrischungsgetränke, die natürliche Auszüge von Früchten und/oder Pflanzen enthalten sowie in der Regel auch Citronensäure. Sie bilden die älteste, bekannte Gattung der Erfrischungsgetr änke. In Zeiten, in denen Zucker noch nicht bekannt (also vor Christoph Columbus) bzw. preislich unerschwinglich war, wurden Limonaden ausschließlich mit Honig gesüßt. Heutzutage liegt der Zuckeranteil, gemäß der Leitsätze, bei mindestens 7 %. Zu den Limonaden gehören auch Cola- und chininhaltige Bittergetränke.

Brausen sind Erfrischungsgetränke, die sich von Limonaden im Wesentlichen dadurch unterscheiden, dass natürliche Bestandteile ganz oder teilweise durch naturidentische oder künstliche Bestandteile, wie Aroma- oder Farbstoffe, ersetzt sind.

Bei Fruchtsaftgetränken wird der Geschmack hauptsächlich durch den Fruchtsaftgehalt bestimmt. Bei Zitrusfrüchten beträgt er mindestens 6%, bei Apfel- oder Traubensaft mindestens 30 % und bei den anderen Früchten 10 %. Es besteht keine Begrenzung für die Zugabe von Zucker. Eine spezielle Gattung der fruchtsafthaltigen Getränke bilden die Fruchtschorlen. Sie enthalten in der Regel Kohlensäure. Ausschlaggebend ist bei Schorlen aber ihr Fruchtanteil, der wesentlich höher liegt als in einem Fruchtsaftgetränk und der dem Fruchtanteil in einem Fruchtnektar im Sinne der Fruchtsaftverordnung entspricht. Die Verwendung von Zusatzstoffen ist hier nicht üblich.

Erfrischungsgetränke können auch als „Light-Produkte“ angeboten werden. Darunter fallen kalorienarme und kalorienverminderte Produkte. Bei der ersten Gruppe liegt der Brennwert pro 100 ml des verzehrfertigen Lebensmittels bei maximal 20 kcal (84 Joule), bei den zweiten Gruppe muss der Brennwert den Brennwert eines vergleichbaren, herkömmlichen Getränkes um mindestens 30 % unterschreiten. In beiden Gruppen ist der Zucker ganz oder teilweise durch Süßstoffe ersetzt ist. Light-Getränke zählen nicht zu den diätetischen Lebensmitteln.

In den letzten Jahren haben "ACE-Getränke", Erfrischungsgetränke aus Orangen- und Karottensaft mit Zusätzen von Beta-Carotin als Provitamin A und den Vitaminen C und E, erhebliche Marktanteile erzielt. Sportlergetränke (auch als Mineralstoffgetränke bezeichnet) sorgen durch den Zusatz von Mineralsalzen dafür, dass der durch Schwitzen verursachte Mineralstoffverlust ausgeglichen wird. Sie kommen häufig als isotonische Getränke in den Handel. Wellness-Getränke – eine Wortkreation aus Wellbeing und Fitness - erobern den Markt nicht nur durch ihren feinen, zumeist exotischen Geschmack, sondern auch durch Auslobungen, in denen dem Verbraucher oftmals eine gesundheitsfördernde Wirkung oder zumindest ein Wohlbefinden und Entspannung nach dem Verzehr dieser Produkte versprochen werden.

Viele der neu auf den Markt gekommenen Erfrischungsgetränke sollen nicht mehr nur den Durst löschen, sondern - so versprechen es jedenfalls Werbung und Aufmachung dieser Erzeugnisse - dem Verbraucher einen bestimmten Zusatznutzen bringen ("Functional Drinks", "Wellnessdrinks", "Near-Water Getränke"). Die hier gemachten Wirkungsbehauptungen halten strengen wissenschaftlichen Überprüfungen nur selten Stand. In Hinblick auf die Regelungen der seit dem 01. Juli 2007 gültigen Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben müssen alle diese Auslobungen auf ihre Zulässigkeit neu geprüft werden. Nach den Bestimmungen der o. g. Verordnung dürfen zukünftig nur die Lebensmittel nährwert- oder gesundheitsbezogene Auslobungen tragen, die einem bestimmten Profil entsprechen. Da diese Profile derzeit erstellt werden, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ausgesagt werden, ob Erfrischungsgetränke diesen Profilen entsprechen. Zudem werden nur noch ausdrücklich zugelassene Auslobungen möglich sein.