Bayerisches Staatsministerium der
Justiz und für Verbraucherschutz

Ernährung in den ersten 4-6 Monaten: Muttermilch und Fertigmilch

Von: Gabriele Langer - Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn)

Säugendes Baby Muttermilch

Stillen ist das beste Angebot für Mutter und Kind.
Muttermilch ist leicht verdaulich und richtet sich in ihrer Zusammensetzung exakt nach den Bedürfnissen des Säuglings. Die Abwehrstoffe in der Muttermilch bieten Schutz vor vielen Infektionskrankheiten. Ausschließliches Stillen in den ersten sechs Lebensmonaten kann vor Allergien schützen. Zunehmend diskutiert werden langfristig gesundheitliche Vorteile des Stillens, z. B. die Verminderung des Risikos für Diabetes mellitus Typ 1 und für starkes Übergewicht sowie günstige Auswirkungen auf die kognitive Entwicklung.
Stillen bietet auch für die Mutter Vorteile: Die Gebärmutter bildet sich schneller zurück. Langfristig kann Stillen möglicherweise Krebserkrankungen an Brust und Eierstöcken vorbeugen.
Stillen fördert die emotionale Bindung von Mutter und Kind.
Muttermilch ist immer verfügbar, richtig temperiert und hygienisch einwandfrei. Die Schadstoffbelastung der Muttermilch hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr stark vermindert, so dass auch unter diesem Aspekt das Stillen empfohlen werden kann.

Stilldauer

Für die meisten Säuglinge ist ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten die ausreichende Ernährung. Ab wann ein Säugling Beikost benötigt, ist individuell abhängig vom Gedeihen und der Essfähigkeit des Kindes.

Weitere Informationen dazu finden Sie hier: Beikost fürs Baby - Ernährung im 2. Lebenshalbjahr

Die Beikosteinführung bedeutet eine langsame Verminderung der Muttermilchmengen und Stillmahlzeiten. Mutter und Kind bestimmen gemeinsam, wann endgültig abgestillt wird. Wenn 6-monatiges ausschließliches Stillen nicht durchführbar ist, sollte das nicht davon abhalten, überhaupt mit dem Stillen zu beginnen. Auch kürzeres ausschließliches Stillen oder teilweises Stillen nützen dem Kind.

Informationen zum Stillen

In den letzten Jahrzehnten hat die Bereitschaft zum Stillen deutlich zugenommen. Das heißt aber auch, dass viele Frauen nicht auf die Erfahrungen ihrer Mütter zurückgreifen können. Informationen zum Stillen können in einschlägigen Büchern und Fachbroschüren nachgelesen werden. Praktische Anleitungen und Hilfestellung geben Hebammen, die auch nach der Entlassung aus der Klinik die Mütter beraten. Diese Beratung bis zum Abstillen wird von den Krankenkassen übernommen. Darüber hinaus informiert z. B. ein Internetportal über Hebammen, Still- und Laktationsberaterinnen sowie lokale Selbsthilfegruppen, so dass in der Nähe Hilfe gefunden werden kann.

Babyflasche Fertigmilch

Wenn eine Mutter nicht stillen kann oder möchte, ist Fertigmilch, d. h. industriell hergestellte Säuglingsanfangsnahrung das beste Angebot.
Säuglingsanfangsnahrung kann wie Muttermilch als alleinige Nahrung in den ersten 4-6 Lebensmonaten und als Teilnahrung neben der Beikost bis zum Übergang zur Familienkost gegeben werden.
Im Wesentlichen sind drei Gruppen zu unterscheiden:

  • Säuglingsanfangsnahrung mit der Vorsilbe "Pre"
  • Säuglingsanfangsnahrung mit der Ziffer "1"
  • Folgenahrung bzw. Folgemilch mit den Ziffern "2" und "3"

Pre-Nahrungen sind ähnlich dünnflüssig wie Muttermilch und enthalten als Kohlenhydrat nur Milchzucker.
"1"-Nahrungen sind durch einen Zusatz von bis zu 2 % Stärke sämiger und nach Ansicht von Müttern auch besser sättigend. Produkte, die neben Milchzucker auch andere Zuckerarten enthalten, bringen keine Vorteile.
Für Folgenahrung bzw. Folgemilch ( "2", "3"), die im Vergleich zu Säuglingsanfangsnahrung einen höheren Proteingehalt aufweist und in ihrer Zusammensetzung der Kuhmilch ähnlich ist, besteht keine ernährungsphysiologische Notwendigkeit, da Muttermilch bzw. Säuglingsanfangsnahrung ( "Pre", "1") auch im zweiten Lebenshalbjahr weitergeführt werden kann.

Weitere Hinweise

Selbsthergestellte Säuglingsmilch ist nicht zu empfehlen, das sie in ihrem Nährstoffangebot sowohl der Muttermilch als auch der industriell hergestellten Säuglingsmilch unterlegen ist.

Die Erfahrung zeigt, dass Säuglinge sehr unterschiedliche Milchmengen aufnehmen. Der Säugling bekommt genug Nahrung, wenn er im ersten Lebenshalbjahr durchschnittlich 150-200 Gramm pro Woche zunimmt, im zweiten Lebenshalbjahr etwa 100 Gramm. Das Geburtsgewicht des gesunden Säuglings hat sich nach 4-5 Monaten etwa verdoppelt und zum Ende des ersten Lebensjahrs etwa verdreifacht.

Bei jeder Form der Säuglingsernährung ist eine zusätzliche Gabe von Vitamin D (400 -500 IE) und Fluorid (0,25 mg) notwendig. Eltern sollten sich von ihrem Kinderarzt beraten lassen.

Für gesunde Säuglinge reicht die Flüssigkeitszufuhr durch Muttermilch bzw. Fertigmilch aus. Bei starkem Schwitzen und bei fiebrigen Erkrankungen kann ein zusätzliches Angebot von Flüssigkeit in Form von Trinkwasser oder Mineralwasser mit dem Hinweis "geeignet für die Ernährung von Säuglingen" (im ersten Lebenshalbjahr immer abgekocht) notwendig sein.

Literatur:

  • aid, DGE, FKE: Empfehlungen für die Ernährung von Säuglingen, aid infodienst, 2007, 6.unveränderte Auflage
  • Nationale Stillkommission (2004) Empfehlungen zur Stilldauer: http://www.bfr.bund.de/cm/207/stilldauer.pdf
  • Kersting M, Alexy A, Rothmann N: Fakten zur Kinderernährung , Hans Marseille Verlag München, 2003
  • DGE Beratungsstandards, Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Bonn, 2007

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VIS-Beiträge

Links zur Säuglingsernährung:

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