Immer mehr Menschen erreichen ein höheres Alter, das sie mit Freude genießen können, wenn es ihre körperliche und geistig-seelische Verfassung zulässt. Einen nicht zu unterschätzenden Beitrag für Gesundheitszustand, Wohlbefinden und Lebensqualität leistet dabei eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Mit zunehmendem Alter steigt jedoch das Risiko für eine nicht mehr ausreichende Versorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen, Vitaminen, Mineralstoffen und Flüssigkeit.
Zukünftig werden in Deutschland immer mehr Senioren leben. Die Gruppe der 80-Jährigen wird sich bis 2030 fast verdoppeln. Das Alter als Lebensphase erstreckt sich dabei über eine immer länger währende Zeitspanne:
| Ältere Menschen | 65 bis 74-Jährigen |
|---|---|
| Hochbetagte | 75 bis 89-Jährigen |
| Höchstbetagte | 90 bis 99-Jährigen |
| Langlebige | 100-Jährige und älter |
Da die Personengruppe der Senioren aufgrund ihrer körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit sehr unterschiedlich ist, geht man immer mehr zu folgender Einteilung über:
| unabhängig lebende Senioren | go goes |
|---|---|
| hilfsbedürftige Senioren | slow goes |
| pflegebedürftige Senioren | no goes |
Während die jungen, aktiven Senioren diesen Lebensabschnitt genießen und noch viel unternehmen, kann es bei den ab 75-Jährigen Menschen vermehrt zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen, die auch den Ernährungsstatus beeinflussen.
Bei den noch Rüstigen dominieren vor allem Probleme, die mit einer jahrelangen Überernährung einhergehen; circa 20 Prozent dieser Personengruppe sind übergewichtig. Mit zunehmendem Alter steigt jedoch die Zahl der Hochbetagten, die zu wenig isst und trinkt. Die Folgen von altersbedingten physiologischen Veränderungen und mangelnder Appetit sind hierfür die Hauptursachen.
Senioren, die nicht ausreichend mit Essen und Trinken versorgt sind, haben ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko und sind somit auch in ihrer Lebensperspektive stark eingeschränkt. Sie bedürfen einer höheren Aufmerksamkeit bezüglich der Energie- und Nährstoffversorgung, denn bei einer anhaltenden Energiezufuhr unter 1500 kcal/Tag kann mit einer üblichen Mischkost der tägliche Bedarf an lebenswichtigen Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen nicht mehr ausreichend gedeckt werden. Es obliegt der Verantwortung von Ärzten, Pflegepersonal und betreuenden Angehörigen, wenn es darum geht, Fehlentwicklungen bezüglich des Ernährungsstatus rechtzeitig zu erkennen und entgegen zu wirken.
Eine ausgewogene Ernährung versorgt den Körper mit allen lebenswichtigen Nährstoffen und liefert die Energiemenge, die sowohl Über- als auch Unterernährung vorbeugt. Sie orientiert sich an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und an den persönlichen Wünschen des Einzelnen.
Für die Personengruppe der Senioren gilt mit zunehmendem Alter eine niedrigere Energiezufuhr bei einem ähnlich hohen Nährstoffbedarf. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass sich bei Männern zwischen dem 25. und 75. Lebensjahr der Grundumsatz um ca. 20 Prozent (375 kcal/Tag) und analog bei Frauen um ca. 15 Prozent (200kcal/Tag) reduziert. Der Leistungsumsatz verringert sich entsprechend der abnehmenden körperlichen Aktivität.
Deshalb ist bei der Lebensmittelauswahl und Speisenzubereitung auf einen möglichst hohen Gehalt bzw. Erhalt an Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen zu achten (Nährstoffdichte: Nährstoffgehalt pro Energiemenge). Das steht jedoch meist nicht im Einklang mit den bisherigen Ernährungsgewohnheiten.
Die Erfordernisse für eine gesundheitsfördernde Ernährung und die herkömmliche Ernährungsweise müssen aneinander angepasst werden.
| täglich | 1 | Warme Mahlzeit |
| täglich | 1 | Portion frisches Obst |
| täglich | 1 | Portion Gemüse oder Salat |
| täglich | 1 | Glas Milch und Jogurt, Quark oder Käse |
| täglich | 1 | Scheibe Vollkornbrot oder Vollkornschrotbrot |
| täglich | 1 | Portion Kartoffeln bzw. Sättigungsbeilage |
| täglich | ca. 30 g | Streich- oder Kochfett |
| mehrmals pro Woche | 1 | Stück Fleisch, Fisch oder Ei |
| täglich | ca. 1,5 l | Flüssigkeit (Mineralwasser, Säfte, Suppe, Tee, Kaffee) |
Kritisch zu betrachten ist die Versorgung bei Vitamin D, Vitamin B12, Folat/Folsäure, Calcium, Magnesium, Eisen, Zink und Jod, da die empfohlene Tagesmenge nicht immer erreicht wird. Meist wird auch nicht ausreichend viel getrunken (Empfehlung: 30 ml Flüssigkeit pro Kilogramm Körpergewicht).
Nahrungsergänzungsmittel sind Produkte, die mit lebensnotwendigen und funktionsfördernden Nährstoffen angereichert sind. Eine grundsätzliche und unkontrollierte Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ist kritisch zu bewerten. Bei Senioren und hochbetagten Menschen kann es jedoch aufgrund des komplexen Alterungsprozesses, bei unsicherer Bedarfsdeckung, bei Untergewicht und verschiedenen Erkrankungen von Vorteil sein, gezielt bzw. zeitweise Produkte mit hoher Nährstoffdichte in die tägliche Kost und in die Zubereitung einfließen zu lassen. Dabei ist darauf zu achten, dass die vom Hersteller täglich empfohlene Verzehrsmenge den Bedarf entsprechend den Referenzwerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) nicht überschreitet. In besonderen Fällen kann auch eine mit Nährstoffen angereicherte bzw. energiereiche Spezialnahrung nach Rücksprache mit dem Arzt zweckmäßig sein.
Selbständig und eigenverantwortlich die Mahlzeiten einzunehmen bedeutet für Senioren an der Tischgemeinschaft teilnehmen, verbunden mit einem Plus an Lebensqualität. Deshalb ist es ein ganz besonders wichtiges Anliegen, mit Anregungen und Maßnahmen, diese Selbstbestimmung so lange wie möglich zu erhalten und zu unterstützen.
Eine gesundheitsfördernde Ernährung, die den Menschen mit ausreichend Energie und Nährstoffen versorgt und einer Mangelernährung vorbeugt, die auch die persönlichen Konstellationen, Wünsche und Gewohnheiten mit einbezieht, leistet einen Beitrag für das gesundheitliche Wohlbefinden und einer höheren Lebensqualität.