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  • Krankheiten

Essen und Trinken bei Demenz

Von: Jutta Kamensky, aktualisiert von Sandra Nirschl - VerbraucherService Bayern

Bei Menschen mit Demenz beeinflusst der zunehmende Verlust ihrer Gedächtnisleistung auch das Essverhalten. Sie vergessen das Essen und Trinken, erkennen Lebensmittel nicht als solche oder haben keinen Appetit. Damit steigt das Risiko für eine Mangelernährung.

Essen und Trinken bedeutet für Demenzkranke aber auch Lebensqualität, schafft Sicherheit und gibt ihnen das Gefühl, selbständig zu handeln. Die Mahlzeit muss deshalb den Bedarf decken, die individuellen Bedürfnisse befriedigen und an die Fähigkeiten der dementen Menschen angepasst werden. Für Pflegende ist das eine echte Herausforderung.

In diesem Beitrag finden Sie:

  • Was ist Demenz?
  • Gesunde Ernährung bei Demenz
  • Essen und Trinken bei Demenz – Tipps für den Alltag
    • Ess- und Trink-Biographie
    • Geschmack ans Essen bringen
    • Kaloriengehalt erhöhen
    • Proviant für unterwegs
  • Essen und Trinken: Erinnerungshilfen
  • Beim Essen und Trinken unterstützen
  • Essen und Trinken in der dementen Welt
  • Demenz vorbeugen

Was ist Demenz?

Demenz, von lateinisch „weg vom Geist“, ist ein Syndrom aus einer erworbenen Störung von Gedächtnisfunktionen, bei der Nervenzellen absterben. Zwei Drittel der Betroffenen leiden an der bekanntesten Form, der Alzheimer-Demenz. Rund 20 Prozent haben eine vaskuläre Demenz, die durch Schlaganfälle oder Durchblutungsstörungen verursacht ist. Im Verlauf der Erkrankung gehen weitere geistige und körperliche Fähigkeiten verloren wie Sprache, Orientierung, Lernen, Erinnerungs-, Denk- und Urteilsvermögen. Demenzkranke verändern sich auch im Verhalten. Sie werden aggressiv, depressiv, unruhig oder apathisch. Bewegungen verlangsamen sich und die Koordination ist gestört. Demenz ist bisher nicht heilbar.

Gesunde Ernährung bei Demenz

Eine angemessene Ernährung für demente Menschen sollte Energie, Nährstoffe und Flüssigkeit in ausreichender Menge sicherstellen und Gewichtsabnahme, Austrocknung und Mangelernährung verhindern. Die Auswahl der Lebensmittel entspricht den allgemeinen Empfehlungen für die Ernährung von älteren Menschen ohne Demenz. Ebenso wichtig wie der gesundheitliche Wert der Speisen ist jedoch die Freude am Essen. Je nach Verfassung, Begleiterkrankungen und Ernährungszustand der Betroffenen hat die individuelle Wunschkost Vorrang, die je nach Bedarf mit Kalorien und Nährstoffen angereichert werden kann.

Mehr zur gesunden Ernährung für Senioren lesen Sie hier:

Gesunde Ernährung 60plus

Ernährung für Hochbetagte

Getränke für Senioren

Essen und Trinken bei Demenz – Tipps für den Alltag

Mit der nachlassenden Gedächtnisleistung verändern sich bei Demenzkranken sowohl geistige als auch körperliche und soziale Fähigkeiten, die zur Nahrungsaufnahme nötig sind. Damit Essen und Trinken leichter fällt, brauchen die Betroffenen viel Unterstützung.

Ess- und Trink-Biographie

Für die Zeit, in der Demenzkranke ihre Wünsche nicht mehr sprachlich äußern können, sollte rechtzeitig eine Ess- und Trink-Biographie erstellt werden. Dort können Vorlieben, Rituale und Gewohnheiten rund ums Essen und die Mahlzeit festgehalten werden. Vertraute Speisen von früher, die mit schönen Erinnerungen verbunden sind, wecken gute Gefühle, geben Orientierung und fördern den Appetit.

Geschmack ans Essen bringen

Demenz beeinträchtigt die Geruchs- und Geschmackswahrnehmung. Betroffene bevorzugen dann eher süße Speisen und lehnen Saures ab. Bei fortgeschrittener Krankheit leiden Demente oft auch an einer Schluckstörung. Wenn Essen kaum riecht, nicht schmeckt und schwer zu schlucken ist, schränken sich Auswahl und verzehrte Menge der Nahrung ein. Vertraute Gewürze wie Bohnenkraut und Schnittlauch und intensive, leckere Essensdüfte von frisch gebackenen Waffeln oder Kaffee motivieren zum Essen und Trinken. Ungewöhnlich, aber beliebt: selbst Fleischküchlein und Gemüsesuppe dürfen dann gezuckert werden.

Kaloriengehalt erhöhen

Unruhige Demenzkranke stehen beim Essen ständig auf oder sind den ganzen Tag oder nachts auf Wanderschaft. Dadurch erhöht sich ihr Bedarf an Nährstoffen und Energie. Gleichzeitig fehlt ihnen aber Zeit und Muße, ausreichend zu essen und zu trinken. Betroffene sollten mehrere kalorienreiche Speisen oder Getränke in kleinen Portionen über den Tag verteilt zu sich nehmen. Zum Anreichern mit Kalorien eignen sich Pflanzenöl, Nuss- oder Mandelmus ohne Stücke, Eier, Sahne oder Butter. Apotheken bieten hochkalorische Kost als Trinknahrung, Suppen oder Pudding an. Auch auf den Eiweißgehalt des Essens sollte geachtet werden, da es sonst zu Muskelabbau kommen kann. Für Personen ab 65 Jahren wird 1 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht empfohlen.

Proviant für unterwegs

Demente mit Lauftendenzen können beim so genannten „eat by walking“ das Essen als Fingerfood mit auf den Weg nehmen. Ideal sind auch Imbiss-Stationen oder ein Nacht-Café, wo man sich nach Bedarf kleine Häppchen oder Milch-Shakes holen kann.

Fingerfood

Die Stücke sollten maximal ein bis zwei Bissen groß, leicht zu kauen und zu schlucken sowie gut zu greifen und richtig temperiert sein.

  • Obst: z.B. Erdbeeren, Apfel- und Birnenspalten, Bananenstücke

  • Gemüse: z.B. Gurkenstücke, Cocktailtomaten, Möhren- und Kohlrabistreifen

  • belegte Brote, Käsewürfel, geviertelte Eier

  • Pizzaecken, Grießschnitten

  • gebratene Kartoffelschnitze, Kroketten, Pommes frites

  • Cocktailwürstchen, Hähnchenkeule, Hackfleischklößchen

  • kleine Kuchen, gefüllte Mini-Windbeutel, Muffins

  • Kekse, Müsliriegel, Salzgebäck


Essen und Trinken: Erinnerungshilfen

Zu Beginn der Demenz lässt das Kurzzeitgedächtnis nach. Betroffene schalten dann zum Beispiel die Herdplatte nach dem Kochen nicht aus oder stehen vor dem leeren Kühlschrank, weil sie den Einkauf vergessen haben. Demente erinnern sich oft nicht daran, ob sie bereits etwas gegessen oder getrunken haben. Sie essen dann nochmals oder viel zu wenig. Dazu verändert sich das Empfinden von Hunger und Sättigung. Demenzkranken fällt es schwer, sich zu konzentrieren. Sie sollten beim Essen möglichst nicht abgelenkt oder überfordert werden und benötigen Ruhe, Struktur und Orientierung bei den Mahlzeiten.

Leichter erinnern an Essen und Trinken:

  • Essen gut sichtbar platzieren

  • Betroffene immer wieder zum Essen ermutigen

  • regelmäßige Mahlzeiten zu festen Essenszeiten einnehmen

  • Rituale einführen wie Tischgebete, Trinksprüche oder Hände waschen

  • gemeinsam einkaufen, essen und trinken

  • angenehme Tischatmosphäre

  • Anregungen für die Sinne mit guten Düften, jahreszeitlichen Dekorationen, Fotos der Gerichte oder Klappern von Geschirr

Beim Essen und Trinken unterstützen

Wie streicht man ein Butterbrot und wie kocht man einen Grießbrei? Wozu dient das Besteck und wie gelangt der Bissen in den Mund? Solche komplexen Handlungen sind mit fortgeschrittener Demenz kaum mehr zu schaffen. Planen und entscheiden können, was man heute essen will, dauert lange oder geht gar nicht mehr. Fingerfood ist eine gute Alternative zum Essen mit Besteck. Manchen hilft es, wenn sie kleine Impulse erhalten, man ihnen die Hand führt oder die Bewegung vormacht. So lange wie möglich sollten Demente mithelfen dürfen. Kleine Aufgaben wie den Tisch decken, Äpfel schälen oder Kuchen belegen fördern die Selbständigkeit.

Essen und Trinken wird einfacher durch ...

  • Besteck mit großen Griffen

  • Ess- und Trinkgeschirr wie kippsichere Henkelbecher und Tellerranderhöhungen

  • starke Kontraste und klare Konturen zwischen Tischdecke, Geschirr und Essen

  • Geschirr in kräftigen Farben oder durchsichtige Gläser mit farbigem Getränk

  • gute Beleuchtung im Raum

  • Speisen von früher mit hohem Wiedererkennungswert

  • vertraute Umgebung und passende Tischnachbarn

Essen und Trinken in der dementen Welt

Die veränderte Wahrnehmung führt dazu, dass Demente in ihrer eigenen Welt leben, in der sie meist um viele Jahre jünger sind. Manche glauben, sie müssten gleich zur Arbeit gehen, ihre Kinder versorgen oder die Ernte einfahren. Diese vermeintlich dringenden Aufgaben führen zu innerer Unruhe und werden der Mahlzeit vorgezogen. Zeit, Geduld und sich einlassen auf diese andere Welt mit ihren Speisen und Getränken, sind hierbei gute Ratgeber. Demenzkranke erkennen Nahrung nicht mehr als solche oder halten Blumenzwiebeln für essbar. Der gemeinsame Verzehr von früheren Lieblingsspeisen entspannt und schafft Sicherheit.

Demenz vorbeugen

Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Adipositas, Fettstoffwechselstörungen und Rauchen, die bereits im mittleren Alter (ab 40 Jahre) vorliegen, könnten die Wahrscheinlichkeit erhöhen, an Demenz zu erkranken. Zur Vorbeugung empfiehlt die Leitlinie „Demenzen“ vom Januar 2016 neben dem Abbau der Risikofaktoren einen aktiven Lebensstil mit körperlicher Bewegung und sportlicher, sozialer sowie geistiger Aktivität. Ob eine ausgewogene Ernährung vor Demenz schützt, dafür gibt es bisher nur Hinweise und keine Belege. Dennoch raten die Verfasser der Leitlinie „Demenzen“ zu einer mediterranen Kost mit wenig rotem Fleisch und viel Obst, Gemüse, Nüssen und Seefisch.

Bildnachweis: Panthermedia

Mehr zum Thema

  • Proteinmangel auf der Spur – Deutsche Seniorenliga e.V.
  • Fit im Alter
  • Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege: Demenz
  • Wegweiser Demenz - Ernährung
  • Ernährung und Demenz - Blog
  • Deutsche Alzheimer Gesellschaft Landesverband Bayern e.V.
  • Deuschl G, Maier W et al. S3-Leitlinie Demenzen. 2016. In: Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Hrsg. Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: https://dgn.org/leitlinien/leitlinie-diagnose-und-therapie-von-demenzen-2016/ (abgerufen am 30.10.2024)

Verwendete Literatur

Volkerts, D. (Hrsg.) (2015): Ernährung im Alter. Walter de Gruyter GmbH, Berlin

Weitere Themen

  • Gesunde Ernährung 60plus
  • Getränke für Senioren
  • Ernährung für Hochbetagte
  • Richtig essen – geistig fit und bester Laune
  • Mediterrane Ernährung

Stand: 30.10.2024
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