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Histaminintoleranz

Von: Jutta Kamensky, aktualisiert von Sandra Nirschl - VerbraucherService Bayern

Wenn Rotwein und Käsehäppchen Beschwerden machen, fällt der Verdacht häufig auf eine Histaminintoleranz. Dabei wird angenommen, dass der Körper nicht mehr in der Lage ist, überschüssiges Histamin entsprechend abzubauen. Das zeigt sich in einer breiten Palette von Symptomen. Doch einen Laborparameter oder Tests zum direkten Nachweis einer Unverträglichkeit gibt es nicht, was eine genaue Diagnose schwierig macht. Wissenschaftlich bewiesen ist der Zusammenhang zwischen Histamin aus Nahrungsmitteln und den typischen Symptomen ebenfalls nicht.

Der Nutzen von histaminarmen Restriktionsdiäten ist deshalb auch umstritten und sie sollten nur mit Hilfe von Fachpersonal durchgeführt werden. Sonst bezahlen Betroffene die eventuelle Linderung mit dem Risiko für Nährstoffmängel.

In diesem Beitrag finden Sie:

  • Was ist Histamin?
  • Was ist eine Histaminintoleranz?
  • Beschwerden bei einer Histaminintoleranz
  • Verstärker der Histaminintoleranz
  • Diagnostik der Histaminintoleranz
  • Ernährung bei Histaminintoleranz
  • Ablauf der Ernährungsumstellung bei Histaminintoleranz

Was ist Histamin?

Histamin gehört biochemisch zur Gruppe der biogenen Amine. Das sind biologisch aktive Substanzen, die aus Aminosäuren entstehen, den Bausteinen der Eiweiße. Als Abbauprodukt der Aminosäure Histidin kommt Histamin natürlicherweise in vielen pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln vor. Der Körper bildet Histamin auch selbst, wo es als Gewebshormon eine Vielzahl von wichtigen Funktionen erfüllt.

Die Aufgaben von Histamin im Körper

Histamin ist an vielen lebenswichtigen Abläufen im Körper beteiligt:

  • Anregung der Magensaftproduktion
  • Steigerung der Darmbewegung
  • Senkung des Blutdrucks
  • Regulation des Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Beteiligung an Entzündungsprozessen
  • normale Funktion des Immunsystems

Der schlechte Ruf von Histamin kommt wohl von seiner zentralen Rolle bei allergischen Reaktionen. Hierbei führt seine Freisetzung zu den für Allergien typischen Symptomen (laufende Nase, Schwellungen, Hautausschläge).

Was ist eine Histaminintoleranz?

Der gesunde Organismus baut überschüssiges Histamin, das mit der Nahrung aufgenommen wurde, mithilfe des Enzyms Diaminoxidase (DAO) aus dem Dünndarm problemlos ab. Bei der Histaminintoleranz wird ein Ungleichgewicht zwischen anfallendem Histamin und dessen Abbau vermutet. Das kann einen Mangel oder die unzureichende Aktivität zuständiger Enzyme beinhalten und auch die körpereigene Bildung oder durch Histamin bildende Darmbakterien können beteiligt sein. Der genaue Mechanismus der Histaminintoleranz ist insgesamt noch nicht völlig geklärt. Fest steht aber, dass eine Unverträglichkeit gegenüber Histamin vorliegt und keine Allergie im klassischen Sinn. Deshalb sind auch beim Bluttest keine Allergen-Antikörper zu finden. Bei zu viel Histamin im Körper kommt es zu verschiedenen Beschwerden, die Betroffene oft als allgemeines Unwohlsein beschreiben. Der Zusammenhang zwischen den Beschwerden und einem Überschuss an Histamin aus der Nahrung konnte bisher allerdings ebenfalls nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden. Die auftretenden Symptome werden zwar durch Histamin im Körper vermittelt. Das muss aber nicht zwangsläufig bedeuten, dass Histamin auch der Auslöser ist.

Aufgrund eines Magen-Darm-Infektes und bei Vorliegen einer Milch- oder Fruchtzucker-Unverträglichkeit kann die Histaminintoleranz auch nur vorübergehend auftreten. Das sollte unbedingt vom Arzt abgeklärt werden.

Beschwerden bei einer Histaminintoleranz

Die körperlichen Symptome bei Histaminintoleranz sind so vielfältig wie die Aufgaben von Histamin im Körper:

  • Kopfschmerzen und Migräne
  • rote Flecken oder Quaddeln auf der Haut, Juckreiz
  • laufende Nase
  • Atemwegsbeschwerden bis zu Asthmaanfällen
  • gerötete Augen, Augenjucken
  • Magen- und Darmbeschwerden
  • häufig niedriger Blutdruck
  • Herzrhythmusstörungen, schneller Pulsschlag
  • Schwindelgefühl, Kreislaufbeschwerden, Schlafstörungen

Das Ausmaß der Beschwerden hängt von der verzehrten Histaminmenge und der Aufnahme anderer biogener Amine ab. Manche Menschen spüren unmittelbar nach der histaminreichen Mahlzeit erste Anzeichen, andere erst bis zu 24 Stunden danach. Eher diffuse Beschwerden, die jedes Mal variieren, können auch auf andere Ursachen als Histamin hindeuten.

Verstärker der Histaminintoleranz

Biogene Amine

Außer Histamin können weitere biogene Amine die Beschwerden bei einer Histaminintoleranz verstärken, weil das Enzym Diaminoxidase sie vor Histamin im Körper abbaut. Folgende biogene Amine sollten deshalb mit Vorsicht aufgenommen werden:

  • Serotonin in reifen Bananen, Ananas, Walnüssen, Tomaten, Avocado
  • Tyramin in reifem Hartkäse, Rotwein, Hering, Leber, Schokolade, Sauerkraut
  • Putrescin in verdorbenem Fleisch

Der Gehalt an biogenen Aminen in Lebensmitteln steigt im Laufe der Lagerung mit dem Reifegrad. Auch die Verarbeitung durch Mikroorganismen wie beispielsweise bei Sauerkraut und Salami hat einen ungünstigen Einfluss auf die Histaminintoleranz. Kochen, backen oder einfrieren verändert den Gehalt an biogenen Arminen in Lebensmitteln nicht.

Histaminliberatoren

Manche Inhaltsstoffe in Lebensmitteln sowie Alkohol fördern die Freisetzung von körpereigenem Histamin und heißen deshalb Histaminliberatoren. Dazu zählen beispielsweise Zitrusfrüchte, Erdbeeren, Schalentiere, Tomaten, Kakao und Hülsenfrüchte. Auch auf Produkte mit Konservierungsmitteln (Benzoate und Para-Hydroxy-Benzoesäure-Ester (PHB-Ester)), Farbstoffen, Sulfiten und Nitrit sollte zu Beginn der Ernährungsumstellung verzichtet werden.

Substanzen, die den Histaminabbau behindern

Geschmacksverstärker (Glutamate E620-625) wirken sich ebenso ungünstig auf den Abbau von Histamin im Körper aus wie einige Wirkstoffe in Medikamenten. Liegt eine Histaminintoleranz vor, sollte deshalb vor der Einnahme folgender Arzneimittel zuerst mit dem Arzt gesprochen werden: Schleimlöser, Antidepressiva, Antibiotika, Schmerzmittel, Magen-Darm-Mittel und blutdrucksenkende Medikamente.

Diagnostik der Histaminintoleranz

Viele Betroffene haben bis zur Diagnose der Histaminintoleranz eine lange Odyssee durch das Gesundheitssystem hinter sich. Bisher existiert kein allgemeines Testverfahren oder ein Laborparameter, mit dem die Unverträglichkeit eindeutig festgestellt werden könnte. Eine Messung der Diaminoxidase-Aktivität im Blut weist nicht hinreichend auf das tatsächliche Vorliegen einer Histaminintoleranz hin. Das gilt auch für den Histamin-50-Pricktest und Stuhluntersuchungen. Am aussagekräftigsten sind das Gespräch mit dem Arzt oder Ernährungsberater, die Auswertung eines Ernährungs- und Symptomprotokolls und die Eliminationsdiät. Dabei sollten über mindestens 14 Tage Nahrungsmittel verzehrt werden, die arm an biogenen Aminen sind. Bessern sich die Beschwerden nach dieser Karenzzeit deutlich, erhärtet das den Verdacht auf eine Histaminintoleranz.

Ernährung bei Histaminintoleranz

Ist die Diagnose bestätigt, kann eine Ernährungsumstellung Linderung bringen. Dabei sollte die Ernährung langfristig und mithilfe von Fachpersonal entsprechend angepasst werden. Da die Beschwerden von der Menge der aufgenommenen biogenen Amine und anderen verstärkenden Faktoren abhängen, ist die Gestaltung des Speiseplans individuell und in drei Phasen vorzunehmen. Grundsätzlich sollten Lebensmittel möglichst frisch verzehrt werden. Lange Warmhaltezeiten und das Aufwärmen von Speisen am Folgetag wirken sich ungünstig auf den Gehalt an biogenen Aminen aus. Alkoholische Getränke sind gar nicht empfehlenswert.

Ablauf der Ernährungsumstellung bei Histaminintoleranz

Phase 1: Karenzphase – 2 bis 4 Wochen

In dieser Phase wird auf histaminreiche Lebensmittel, auf histaminfreisetzende Nahrungsmittel (Histaminliberatoren) und auf Alkohol verzichtet (Tabelle 1). Nudeln, Reis, Brot, Eier, Kartoffeln, Fleisch, Frischwurst, frischer Fisch, Milchprodukte, Speisefette, Öle und viele Gemüse- und Obstsorten gelten als problemlos verträglich. Bei den Getränken machen alkoholfreie Produkte, außer Obstsäfte aus Zitrusfrüchten, selten Beschwerden.

Tabelle 1: Histaminarme und histaminreiche Lebensmittel

Lebensmittel-gruppe histaminarm histaminreich oder Histaminliberator
Fisch frischer Fisch und Tiefkühlfisch Thunfisch, Makrele, Sardinen, Sardelle, Hering, Rollmops, geräucherter Fisch, marinierter Fisch, Fischsaucen, Dosenfisch, Meeresfrüchte, Schalentiere
Fleisch Frischfleisch, Tiefkühlware, frisches Hackfleisch aufgewärmte Fleischspeisen, geräuchertes Fleisch, abgepacktes Hackfleisch
Fleischwaren, Wurst Frischwurst Salami, geräucherter Schinken, Cervelatwurst, Mettwurst, Teewurst, Leberwurst, Landjäger, Gepökeltes
Eier alle frischen Eierspeisen Soleier
Käse unreifer Camembert, Butterkäse, junger Gouda Emmentaler, Tilsiter, Edamer, Harzer, reifer Camembert, Parmesan, schimmelgereifter Käse, Rohmilchkäse, Käsefondue
Milchprodukte Milch und alle frischen Milchprodukte Milchprodukte mit histaminreichen Früchten (z.B. Erdbeer- oder Himbeerjoghurt)
Gemüse alle anderen Gemüsesorten und Blattsalate Sauerkraut, Spinat, Avocado, Aubergine, Kohlrabi, evtl. Pilze, Konserven, milchsauer eingelegtes Gemüse, Essiggurken, Tomaten, Tomatenketchup, Hülsenfrüchte (v.a. Soja), Sprossen
Obst und Nüsse alle anderen Obstsorten Orangen, Birnen, Himbeeren, Grapefruit, Papaya, reife Bananen, Erdbeeren, Ananas, Kiwi, Walnüsse, Cashewnüsse, Erdnüsse
Alkohol trockener Weißwein, helles Bier (Pils, Kölsch), alkoholfreies Bier, klarer Schnaps Rotwein, süßer Weißwein, Likör, Rum, Weinbrand, Sekt
Süßwaren und Knabbereien Fruchtgummi, Kaugummi, Honig, histaminarme Marmelade, Reiswaffeln, Kekse Schokolade, Lakritze, Nougat, Kakao, Marzipan, histaminreiche Marmelade
Sonstiges Margarine, Pflanzenöl, Apfelessig, Senf, Kräuter, Gewürze Rotwein- und Balsamicoessig, Sojasauce, Hefepaste, Gewürze mit Glutamat, Fertigprodukte

Quelle: In Anlehnung an Kamp 2010

Phase 2: Testphase – 6 bis 8 Wochen

Nach einer deutlichen Besserung der Symptome kann die eigene Toleranzgrenze für histaminreiche Lebensmittel ausgetestet werden. Lebensmittel, die bisher schlecht vertragen wurden, stehen nun in kleinen Portionen (1 Tomate oder 10 Gramm Schokolade) wieder auf dem Speiseplan. Pro Tag sollte nur ein „neues“ Lebensmittel gegessen werden.

Phase 3: Langzeiternährung

Ab jetzt gilt: Essen und Trinken nach den Empfehlungen einer bedarfsgerechten und ausgewogenen Ernährung im Rahmen einer individuellen Kost bei Histaminintoleranz.

Mehr zum Thema

  • Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.
  • Arbeitskreis Diätetik in der Allergologie e.V.
  • Reese, I.: Leitlinie zum Vorgehen bei Verdacht auf Unverträglichkeit gegenüber oral aufgenommenem Histamin. In: Allergologie, Jahrgang 44, Nr. 10/2021, S. 761-771
  • Hofmann, L.: Histaminintoleranz – Theorie. In: Ernährung im Fokus, 10. Jahrgang, Nr. 05/2010, S. 222- 225
  • Kamp, A.: Ernährungstherapie bei Histaminintoleranz. In: Ernährung im Fokus, 10. Jahrgang, Nr. 05/2010, S. 226-229
  • Kamp. A.: Histaminintoleranz: Genussrezepte für Ihr Wohlbefinden. Verlag Gräfe und Unzer GmbH München, 2017
  • Körner, U.; Schareina, A.: Nahrungsmittelallergien und –unverträglichkeiten in Diagnostik, Therapie und Beratung. Karl F. Haug Verlag Stuttgart, 2. Auflage 2020
  • Reese, I.: Ernährungstherapie bei Unverträglichkeit gegenüber oral aufgenommenem Histamin. In: Allergologie, Jahrgang 34, Nr. 03/2011, S. 152-158

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Stand: 31.10.2025
Autor: Dipl. oec. troph. Jutta Kamensky, aktualisiert von Sandra Nirschl - VerbraucherService Bayern
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