Nachhaltig online: Wie geht das?
Von: Gerti Fluhr-Meyer, aktualisiert von Maria Leidemann - VerbraucherService Bayern im KDFB e.V.

In diesem Beitrag finden Sie
- Digitalisierung – Hoffnung und Bedrohung für die Umwelt
- Rechenzentren – Stromfresser im Hintergrund
- Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit
- Sparen Sie Daten – das schont Umwelt und Klima
- Ganz wichtig: Endgeräte lange nutzen!
Digitalisierung – Hoffnung und Bedrohung für die Umwelt
Eine Welt ohne Internet? Das ist für die meisten kaum mehr vorstellbar. 2024 nutzten in Deutschland 94 % der Bevölkerung das Internet, das entspricht 78,6 Millionen Menschen. 5,5 Milliarden waren es weltweit – Tendenz steigend (Bidt).
Doch was bedeutet diese Entwicklung für die Umwelt? Ist die Digitalisierung hier nicht positiv zu sehen? Schließlich führt sie zu einer „Entmaterialisierung“, spart also zum Beispiel Papier und ersetzt Bücher, Zeitschriften oder DVDs. Außerdem machen Online-Shopping, Home-Office und Videokonferenzen Fahrten und Flüge überflüssig und reduzieren den Heiz- und Energieaufwand in Geschäften und Büros. Und nicht zuletzt helfen intelligente Stromnetze Energie zu sparen.
Aber die Digitalisierung selbst verbraucht ebenfalls Energie und Ressourcen. Allein Rechenzentren verbrauchten laut Internationaler Energieagentur im Jahr 2024 rund 1,5 % des weltweiten Stroms. Das klingt wenig, in absoluten Zahlen sind die Mengen enorm. 415 Milliarden Kilowattstunden waren zum Betrieb der Data Center 2024 nötig. Dazu kommen die Übertragungsnetze, Betrieb der Endgeräte und die graue Energie für die Produktion all der PCs, Laptops, Handys und Co., die wir täglich nutzen. Unterhaltungs- und Informationsgeräte verursachen mittlerweile über ein Viertel des Stromverbrauchs in einem durchschnittlichen deutschen Haushalt!
Genaue Verbrauchszahlen anzugeben ist allerdings schwierig. Obwohl in diesem Bereich inzwischen viel geforscht wird, sind die Studienergebnisse je nach betrachteten Parametern sehr unterschiedlich.
Rechenzentren – Stromfresser im Hintergrund
Rechenzentren spielen eine zentrale Rolle beim Rohstoff- und Energieverbrauch des Internets. Sie beherbergen die Server, die die Daten speichern, verarbeiten und weiterleiten, wenn wir online sind, egal ob wir surfen, chatten, ein Video streamen oder Fragen an den KI-Chatbot stellen. Und sie müssen energieintensiv gekühlt und betrieben werden.
2024 gab es in Deutschland 2000 Rechenzentren, die insgesamt rund 20 Milliarden Kilowattstunden Strom verbrauchten (Bitcom). Der Energiehunger Künstlicher Intelligenz wird den Stromverbrauch in Zukunft enorm in die Höhe treiben. Das Öko-Institut erwartet eine Verdopplung des Stromverbrauchs deutscher Rechenzentren von 2024 bis 2028. In Frankfurt, dem weltweit größten Internetknoten gemessen am Datenvolumen, verbrauchen die Rechenzentren etwa 30 Prozent des Stroms der Stadt und haben längst den Frankfurter Flughafen überholt (Umweltbundesamt).
Die Zahl und Kapazität globaler Rechenzentren wächst ständig. Ein Grund ist die Zunahme der mobilen Internetnutzung. Dank Smartphones können wir überall und rund um die Uhr online sein. Verstärkend wirken billige Flatrates und immer schnellere Internetverbindungen. Online-Aktivitäten haben sich vom heimischen Rechner in die Cloud verlagert. Online verwalten wir dort Fitnessdaten, speichern Fotos, nehmen an Videokonferenzen teil und streamen Filme oder Musik. Das treibt den weltweiten Datenverkehr in die Höhe, und zwar immens.
KI und Nachhaltigkeit
Künstliche Intelligenz prägt die Digitalisierung und stellt zugleich neue Umweltfragen. Besonders das Training großer AI-Modelle, wie ChatGPT oder Midjourney, verbraucht viele Millionen Kilowattstunden Energie pro Trainingslauf (Nature). Auch die Nutzung ist energieintensiv. Eine Anfrage an ein KI-System verbraucht zehnmal mehr Strom, als eine klassische Google-Suche (Heise). Mittlerweile wird auch bei klassischen Suchmaschinen die KI-Antwort vorangestellt. Als Nutzer haben Sie hier gar nicht mehr die Wahl – praktisch, aber energieintensiv.
KI kann aber auch helfen, Nachhaltigkeit zu fördern:
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Optimierung von Stromnetzen: KI steuert den Ausbau und die Nutzung von erneuerbaren Energien besser IEA.
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Effizientere Rechenzentren: Google und andere Konzerne senken den Kühlenergiebedarf ihrer Server mittels KI-Algorithmen um bis zu 30 Prozent IEA.
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Ressourcenoptimierung: KI verbessert effiziente Nutzung von Ressourcen, beispielsweise in Industrie und Bau (ASC).
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Monitoring von Emissionen und Umweltdaten: Durch KI und Satelliten lassen sich Schadstoffquellen und Treibhausgase genauer erfassen Nature. Diese Daten sind nötig, um gezielte Maßnahmen ergreifen zu können.
Viele Internetunternehmen arbeiten an der Optimierung ihrer Server. Sie versuchen, den Stromverbrauch zu senken, steigen auf erneuerbare Energien um oder versuchen die Abwärme der Serverkühlung als Stromquelle zu nutzen. Allerdings kann der Energieausbau mit der rasanten Entwicklung der KI nicht mithalten, so dass beispielsweise in den USA bereits diskutiert wird, stillgelegte Atommeiler wieder ans Netz zu nehmen (Nature).
Tipp: Ob Internetseiten grüne Server verwenden, können Sie prüfen
Welche Energiequelle Internetunternehmen für ihre Server verwenden, können Sie auf der Internetseite www.thegreenwebfoundation.org feststellen, wenn sie dort die Webadresse der genutzten Seiten eingeben.
Sparen Sie Daten – das schont Umwelt und Klima
Klar ist: Mit der Datenflut im Netz wächst der Verbrauch von Energie und Ressourcen und die Entstehung von klimaschädlichem CO2. Ein ganz wesentlicher Bestandteil einer nachhaltigen Internutzung ist deshalb das Datensparen. Das können Sie tun:
Digital entschlacken – Das A und O nicht nur für die Umwelt
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Verzichten Sie auf unnötige Internetaktivitäten.
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Gönnen Sie sich handy- und computerfreie Zonen oder Zeiten. Das schont die Umwelt und zusätzlich Ihre Nerven.
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Schreiben Sie auf, wie oft Sie tagsüber online sind! Wie oft greifen Sie zum Handy oder setzen sich an den Computer, um Nachrichten zu checken, Informationen zu suchen, zu spielen oder anderes zu erledigen? Prüfen Sie, ob das notwendig ist.
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Führen Sie feste Online-Zeiten ein, zu denen Sie Nachrichten und Mails checken.
- Stellen Sie die Push-Mitteilungen ab, die melden, dass neue Nachrichten angekommen sind.
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Nutzen Sie KI nicht als Zeitvertreib.
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Eine normale KI-Anfrage braucht weniger Energie als „Reasoning“- oder „Deep Seek“-Anfragen.
Reduzieren Sie Streaming-Daten
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Leihen oder tauschen Sie Musik und Filme auf CD oder DVD. Je öfter Sie bereits produzierte CDs oder DVDs nutzen, umso besser für die Umwelt.
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Bevorzugen Sie herkömmliches Programm-Fernsehen statt Video-Streaming.
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Telefonieren Sie nach Möglichkeit ohne Video.
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Hören Sie Musik ohne Videos.
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Schalten Sie bei Videokonferenzen die Videosequenz aus und nehmen Sie ohne Bild teil.
Tipp: WLAN statt Mobile Daten
Die Übertragung über Mobilfunk („Mobile Daten“) verbraucht mehr Energie als über WLAN.
Wichtig: WLAN unterwegs ausschalten, wenn es nicht benötigt wird. Die ständige Suche nach Netzen erhöht den Stromkonsum.
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Schalten Sie das automatische Abspielen (Autoplay) von Videoinhalten auf Webseiten und in sozialen Netzwerken ab.
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Nutzen Sie zum Video-Streamen kleine Monitore. Der Bildschirm des Smartphones braucht weniger Energie als der des Fernsehers.
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Richten Sie die Auflösung von Videoinhalten an der Größe des Displays Ihres Endgeräts aus und reduzieren Sie sie soweit wie möglich.
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Laden Sie, wenn möglich, Filme und Playlists herunter, vor allem, wenn Sie sie mehrfach nutzen.
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Überlegen Sie bei jedem Film, ob Sie ihn unbedingt auf TikTok, Whatsapp, Instagram o.ä. teilen müssen.
Mails und Posts regelmäßig löschen und sparsam nutzen
Jede Nachricht im Internet treibt unbemerkt und ohne Unterbrechung viele Server an. 2025 soll die Zahl der täglich versendeten und empfangenen Mails weltweit ca. 376 Milliarden betragen haben (emailtooltester). Seien Sie sparsam beim Versenden von Posts in sozialen Medien und E-Mails.
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Seien Sie sparsam beim Versenden von Posts in sozialen Medien und E-Mails.
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Löschen Sie Mails regelmäßig bzw. stellen Sie automatische Löschroutinen ein.
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Achten Sie auf kleine Verteiler.
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Nutzen Sie grüne Mailanbieter, die den Energiebedarf ihrer Rechenzentren mit Ökostrom decken und/oder die Treibhausgas-Emissionen ihrer Dienstleistung kompensieren.
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Verschicken Sie Fotos nicht in unnötig hoher Auflösung.
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Kündigen Sie Newsletter-Abos, die Sie nicht lesen.
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Versenden Sie lieber einen Link statt eines Anhangs. Jede angehängte Datei kostet Speicherplatz auf einem Server.
Ganz wichtig: Endgeräte lange nutzen!
Im Hinblick auf die Umwelt mindestens ebenso wichtig wie ein sparsamer Umgang mit Daten ist eine lange Nutzung der Geräte, mit denen Sie im Netz unterwegs sind.
Entscheidend ist vor allem deren Herstellungsphase. Der Energieaufwand für die Halbleiterfertigung ist immens. Die Emissionen von Treibhausgasen bei der Produktion übersteigen diejenigen der Nutzungsphase bei Weitem! Das liegt unter anderem an der Vielzahl der verwendeten Stoffe. Ein Mobiltelefon besteht beispielsweise aus rund 60 verschiedenen Materialien, wovon einige sehr selten, oder schwer zu recyceln sind. Der Abbau ist oft mit großen Belastungen für Mensch und Umwelt verbunden.
So sorgen Sie für eine lange Nutzungszeit Ihrer Endgeräte
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Kaufen Sie langlebige und energiesparende Geräte.
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Nutzen Sie die Gebrauchsdauer aus.
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Achten Sie – wenn möglich – auf einen austauschbaren Akku.
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Verwenden Sie den Energiesparmodus oder schalten Sie Geräte aus, wenn Sie sie nicht brauchen. Das schont zudem den Akku.
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Laden Sie den Akku zwischen 20 und 80 Prozent und verhindern Sie vollständiges Auf- und Entladen. Moderne Geräte beenden bei 85-95 Prozent selbständig den Ladevorgang.
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Lassen Sie digitale Geräte, etwa Notebooks, nicht permanent an der Steckdose, das schwächt die Akkus.
- Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit: Überblick Digitalisierung
- Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz: Handysammlung
- VerbraucherService Bayern: Nachhaltig Online – Trägt Digitalisierung zum Klimaschutz bei?
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