You are using an outdated browser. For a faster, safer browsing experience, upgrade for free today.
Zur Startseite des Internetangebots Verbraucherportal Bayern
Beginn der Metanavigation
  • Barrierefreiheitserklärung des Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz
  • Videos zur Bedienung des Webauftritts in Gebärdensprache
  • Die Inhalte und Handhabung des Internetangebots in leichter Sprache
  • Externer Link zum Instagram-Auftritt des Ministeriums
  • Externer Link zum Facebook-Auftritt des Ministeriums
  • Externer Link zum Youtube-Kanal des Ministeriums
  • Externer Link zum Linkedin-Auftritt des Ministeriums
  • Essen und Trinken
  • Produkte und Energie
  • Recht
  • Geld und Versicherungen
  • Digitale Welt
  • Nachhaltiger Konsum
  • Startseite >> 
  • Geld und Versicherungen >> 
  • Nachhaltig Investieren

Greenwashing bei Finanzanlagen: Wie erkennt man es?

Von: Judit Maertsch - VerbraucherService Bayern

Immer mehr Menschen möchten mit ihrem Geld nicht nur Rendite erzielen, sondern gleichzeitig etwas für Umwelt und Gesellschaft tun. Ist eine Geldanlage aber wirklich so nachhaltig, wie der Werbeprospekt es verspricht? Verbraucherinnen und Verbraucher sollten prüfen, ob ihre Ansprüche an grüne Finanzprodukte erfüllt werden. Denn der Begriff „Nachhaltigkeit“ ist in seiner Definition vielschichtig, die Datenlage höchst problematisch. Banken und Versicherungen nutzen Interpretationsspielräume für Marketingzwecke. Wie man Greenwashing erkennt und den aktuellen Stand der Gesetzeslage beleuchtet der folgende Beitrag.

Ein Sach mit Geld steht neben dem Modell eines grün angestrichenen Hauses vor einem grünen Hintergrund; Copyright Panthermedia

In diesem Beitrag finden Sie

  • Was „nachhaltig“ bei Finanzanlagen wirklich bedeutet
  • EU-Regeln für nachhaltige Finanzprodukte: Stand heute und Schutz vor Greenwashing
  • Greenwashing erkennen: Typische Methoden und Warnsignale
  • So vermeiden Sie Greenwashing: Praktische Tipps für Anlegerinnen und Anleger

Was „nachhaltig“ bei Finanzanlagen wirklich bedeutet

Zahlreiche Finanzprodukte tragen zwar das Label „grün“ oder „nachhaltig“, erfüllen aber tatsächlich kaum Umwelt- oder Sozialstandards. Obwohl die EU mit Regelwerken gegensteuert, ist Greenwashing nach wie vor ein Problem.

2015 hat sich die EU im Pariser Klimaabkommen verpflichtet, die Erderwärmung deutlich unter 2 °C (möglichst 1,5 °C) zu halten. Damit Geld dorthin fließt, wo Klima und Gesellschaft profitieren, hat die EU-Kommission im März 2018 den Aktionsplan „Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ gestartet. Die Idee war, dass Banken, Fonds und Versicherer nachhaltige Projekte gezielt finanzieren und offenlegen, wie „grün“ ihre Produkte wirklich sind.

Die Vereinten Nationen und Finanzinstitute haben Kriterien festgelegt, um Nachhaltigkeit in Unternehmen, öffentlichen Körperschaften, Regierungen und Berhörden zu berücksichtigen. Der Begriff dafür lautet Environmental, Social and Corporate Governance (kurz ESG). Zu Deutsch: Umwelt, Soziales und gute Unternehmesführung.

EU-Regeln für nachhaltige Finanzprodukte: Stand heute und Schutz vor Greenwashing

Zur Umsetzung des Aktionsplans „Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ hat die EU mehrere Regeln eingeführt:

  • EU-Taxonomie: Das Regelwerk legt fest, welche wirtschaftlichen Aktivitäten als „ökologisch nachhaltig“ gelten (z. B. Energie, Bau) bzgl. sechs Umweltzielen (wie Klimaschutz oder Anpassung an den Klimawandel). Details dazu auf der Webseite des Umweltbundesamtes.
  • Offenlegungsverordnung (SFDR): Finanzanbieter müssen offenlegen, wie sie mit Nachhaltigkeitsrisiken umgehen und Produkte einordnen.
  • MiFID-II/IDD-Ergänzungen: Finanzberater müssen die Nachhaltigkeitswünsche von Kundinnen und Kunden abfragen und berücksichtigen.
  • CSRD: Für viele Unternehmen gelten erweiterte Nachhaltigkeitsberichtspflichten.

So soll das Finanzsystem helfen, Klima- und Sozialziele transparent und nachvollziehbar zu erreichen.

Greenwashing erkennen: typische Methoden und Warnsignale

Nachhaltige Geldanlagen boomen - und mit ihnen auch der Anreiz für Greenwashing. Trotz EU-Regeln bleibt vieles Marketing: Produkte klingen „grün“, liefern aber wenig messbare Wirkung. Achten Sie bei Ihrer Anlageentscheidung auf diese Punkte:

Typische Warnsignale

  • Pauschale Versprechen: Eine Bank oder Fondsgesellschaft erklärt pauschal alles für „nachhaltig“, „fair“ oder „verantwortungsvoll“ ohne Nachweise. Transformation braucht Zeit – hier sollte man genau hinsehen.
  • Fehlende Transparenz und unklare oder versteckte Kriterien. Gibt es konkrete Investitionen, die aus dem Portfolio ausgeschlossen sind (z. B. Kohle, Öl, Waffen, Lebensmittelspekulation, Massentierhaltung) und konkrete Positivkriterien (z.B. Anti-Diskriminierung, saubere Energien)?
  • Vage ESG-Floskeln: Prospekte und Flyer sind voll mit Hinweisen auf „ESG“ und „Nachhaltigkeit“ – jedoch ohne messbare Kennzahlen (wie z.B. den CO2-Fußabdruck).
  • „Best-in-Class“-Ansatz als Feigenblatt: Es gibt Fonds mit „grünem“ Namen, die weiterhin Branchen-Aktien mit fragwürdiger Öko-Bilanz halten (z. B. Auto, fossile Energien) – mit den angeblich „am wenigsten Schlimmen“ Branchenvertretern (sog. „Best-in-Class“ – die „Besten“ der Kategorie).
  • Kein Blick ins Portfolio möglich: Oft fehlt die vollständige Titelliste in den Unterlagen und es werden z. B. nur die „Top10“ aufgeführt. Fragen Sie nach den größten Positionen.
  • Siegel ohne Substanz: Irreführende Labels oder hausgemachte „Zertifikate“ werden gelobt statt unabhängige Prüfungen durchführen zu lassen.
  • Widersprüche: „Grünes Girokonto“ oder Crowdinvesting-Projekte werden vermarktet, aber es gibt keine Angaben zur Mittelverwendung oder einer konkreten Wirkung.

So schützen Sie sich als Verbraucherin oder Verbraucher:

  • Prüfen statt glauben: Checken Sie Labels und Zertifikate, lesen Sie Nachhaltigkeitsberichte, legen Sie für sich fest, was Sie ausschließen wollen (z. B. Gen-Technik).
  • Unabhängige Quellen nutzen: Vergleichen Sie Informationen von Morningstar Sustainalytics, FNG, MSCI ESG und Factsheets.
  • Wirkung einfordern: Fragen Sie nach messbaren Zielen und Berichten (z. B. CO2-Reduktion, Taxonomie-Quoten, Engagement-Erfolge).
  • Breit streuen: Themenfonds nur beimischen – sie schwanken stärker als breit diversifizierte Anlagen.

Fazit: Nicht der grünste Slogan zählt, sondern klare Kriterien, volle Transparenz und überprüfbare Daten.

Greenwashing vermeiden: Tipps für Anlegerinnen und Anleger

  • Erst verstehen, dann anlegen: Hochriskante Direktbeteiligungen (z. B. Wind-/PV-Projekte) sind für Kleinanlegerinnen und - anleger meist ungeeignet oder höchstens als Beimischung geeignet. Vorsicht vor unrealistischen Renditeversprechen am grauen Kapitalmarkt. Investieren Sie nur nach neutraler Beratung.
  • Pragmatisch bleiben: Perfekt „grüne“ Anlagen sind eher die Ausnahme. Besser verbesserte Nachhaltigkeit als gar keine – Nachfrage lenkt Kapital weg von klimaschädlichen und hin zu wirksamen Projekten.
  • Eigene Nachhaltigkeits-Kriterien festlegen: Definieren Sie, was „nachhaltig“ für Sie heißt, und fordern Sie messbare Kennzahlen (z. B. Ausschlüsse, CO₂-Daten, Taxonomie-Anteil) von den Beraterinnen und Beratern statt Werbesprüche.
    Sechs gängige Strategien nachhaltiger Geldanlage, die auch Geldinstitute nutzen:
    • Ausschlüsse (Negativ-Screening): Problembranchen streichen (z. B. Kohle, Waffen)
    • Best-in-Class: In die nachhaltigsten Unternehmen je Branche investieren
    • ESG-Integration: Nachhaltigkeitsfaktoren systematisch in die Analyse und Anlage-Entscheidung einbeziehen
    • Engagement & Stimmrechte: Aktiv Verbesserungen einfordern, auf Hauptversammlungen abstimmen
    • Impact Investing: Messbare positive Wirkung (Klima/Soziales) und Rendite anstreben
    • Themenfonds: Fokussiert auf einzelne Themen (Erneuerbare Energien, Wasser, Kreislaufwirtschaft) –mangels Diversifikation und wegen höherer Schwankungen ist dies nur als Beimischung geeignet.
  • Zu eng gefasste Nachhaltigkeitspräferenzen können zu Klumpenrisiken und damit zu höherem Anlagerisiko führen. Achten Sie deshalb auf eine breite Streuung Ihrer Anlagen.

Unabhängig prüfen lassen – nicht Marketingslogan glauben: Nutzen Sie Stiftung Warentest/Finanztest (Produktfinder für nachhaltige Sparangebote und ethisch-ökologische ETFs), das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) für Fondsprofile und den Fair Finance Guide für Banken mit geprüften „grünen“ Kontomodellen und Zinsanlagen. Der VerbraucherService Bayern und die Verbraucherzentralen prüfen konkrete Angebote und beraten, wie Sie Ihre Geldanlage passend zu Ihrer Situation nachhaltiger gestalten.

Mehr zum Thema

  • Nachhaltige Geldanlagen: Ökologisch, ethisch und sicher investieren
  • Greenwashing / Bluewashing: Engagement für Mensch und Umwelt oder Maßnahme zur Imageverbesserung?
  • Fair Finance Guide
  • Produktfinder der Stiftung Warentest: Nachhaltige Sparangebote und ökologisch-ethische ETFs
  • VerbraucherService Bayern: Megatrend nachhaltige Geldanlage
  • Geld bewegt: Themenplattform der Verbraucherzentrale zu Nachhaltigen Geldanlagen

Der Freistaat Bayern stellt Ihnen auf dieser Website unabhängige, wissenschaftsbasierte Informationen zum Verbraucherschutz zur Verfügung.
Einzelfallbezogene Rechtsauskünfte und persönliche Beratung können wir leider nicht anbieten. Auch dürfen wir Firmen, die sich wettbewerbswidrig verhalten, nicht selbst abmahnen.
Sollten noch Fragen zu Ihrem konkreten Sachverhalt verbleiben, wenden Sie sich bitte an die unter Service genannten Anlaufstellen.

Stand: 17.10.2025
Autor: Judit Maertsch - VerbraucherService Bayern
Kommentar zur Seite an Autor senden
Seite drucken

Ähnliche Artikel
  • Private Vorsorge für das Alter: Wie geht es richtig?
  • Altersvorsorge und Inflation
  • Nachhaltige Geldanlagen
  • Finfluencer/-innen: Finanzbildung auf Social Media?
  • Finanzberater: Was Verbraucher beachten sollten
  • Betriebliche Altersvorsorge: Vorteile und Durchführungswege
  • Die 8 wichtigsten Tipps zur betrieblichen Altersvorsorge für Sparer
  • Unternehmensbeteiligungen: Risiken und Vorteile
  • Welche Geldanlagen sind sicher?
  • Einlagensicherung: Kapitalschutz bei Insolvenz
  • Vergessene Sparbücher: Wie lange besteht Anspruch?
  • Grauer Kapitalmarkt: Hohes Risiko, kaum Kontrolle
  • Betrugsmasche Nigeria-Connection
  • Investmentbetrug im Internet

Weitere Angebote

Bildung und Beratung

Link führt zum Wegweiser Verbraucherschutz

Melden von Verstößen

  • Abmahnung von Firmen, die sich rechts- oder wettbewerbswidrig verhalten
  • Anzeige strafrechtlich relevanter Tatbestände
  • Mängelanzeigen im Lebensmittelbereich
  • Mängelanzeigen bei Produkten

Beratung und Auskunft

  • Individuelle Fragen und persönliche Beratungen: Verbraucherverbände
  • Ernährungsberatung
  • Allgemeine Auskunft: Servicestelle
  • Portale der Bayerischen Staatsregierung

Verbraucherportal Bayern | Wir über uns | Datenschutz | Impressum | Kontakt | Barrierefreiheit | Barriere melden