Fadenmäher - Motorsensen (Rasentrimmer - Grastrimmer - Freischneider)

Wer mag sich heutzutage noch mit Sense, Sichel und Grasschere abplagen, gibt es doch Fadenmäher und Motorsensen, die als motorisierte hilfreiche Geister in Ergänzung zum Rasen- oder Balkenmäher bei der Grundstückspflege eingesetzt werden können.
Sie erleichtern das Bearbeiten von Bewuchs in schwierigem Gelände, an Rändern, in Ecken und Spalten oder üppigem und rauem Bestand, mit dem der Rasenmäher überfordert ist.
In diesem Beitrag finden Sie
Dem Umgang mit den herkömmlichen Werkzeugen wie einer Sense wohnt ein nicht unerhebliches Gefahrenpotential inne. Um Unfällen und Verletzungen mit den mechanisierten Varianten vorzubeugen, haben wir für Sie informatives und wissenswertes rund um diesen Themenkomplex bereitgestellt.
Funktionsprinzip
Das grundlegende Prinzip dieser Maschinen beruht auf rotierenden Schneidwerkzeugen, die mehr oder weniger frei geführt werden können.
Ausführungen
Die Geräte-Auswahl richtet sich nach den vorgesehenen Einsatzbedingungen; beachten Sie bitte in diesem Zusammenhang unbedingt die Herstellerangaben.

Rasentrimmer
Rasentrimmer sind von Elektromotoren angetriebene, ausschließlich mit Fadenkopf ausgestattete Geräte für Restarbeiten z.B. nach dem Rasenmäherschnitt.
Stromanschluss
Die Verwendung von elektrischer Energie im Freien erfordert Ihre besondere Aufmerksamkeit um nicht von einem Stromschlag verletzt oder gar getötet zu werden. Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang auch unsere Beiträge
- Sichere Verwendung von elektrischen Geräten im Freien
- Richtige Verwendung von Leitungen, Kabeln, ...
- Richtiger Umgang mit elektrischem Strom
- Der Fehlerstromschutzschalter - ein möglicher Lebensretter
- Schutzschalter für den Hausgebrauch verhindern Stromunfälle

Grastrimmer
Grastrimmer sind von Verbrennungsmotoren angetriebene Geräte mit rotierenden Fäden, Schnüren aus Kunststoff; ausgelegt sind sie für den Einsatz in Gesträuchen sowie bei Rest- und Flächenarbeiten.
Sicherheitseinrichtungen
Zu den wichtigsten Sicherheitseinrichtungen der Geräte mit Verbrennungsmotor gehören:
- ein Tragegurt mit Schnellentriegelung
- die selbsttätige Rückstellung des Gashebels
- ein leicht erreichbarer Kurzschlussschalter
- die Werkzeugabdeckung für den Betrieb
- der Transportschutz für Metallwerkzeuge


Freischneider
Hier erfolgt der Antrieb durch bis zu 70 ccm großen Verbrennungsmotoren. Die Ausführung ist robuster mit breitem Werkzeugangebot aus Metall oder Kunststoff.
Mit diesen Geräten können Gräser, Gestrüpp oder Buschwerk erfolgreich bearbeitet werden.
Werkzeugangebot
Metall- und Kunststoffscheiben unterschiedlichster Formen und Zahnungen kommen zum Einsatz. Bitte beachten Sie, dass nur vom Hersteller zugelassene, einwandfreie und unbeschädigte Werkzeuge zum Einsatz kommen dürfen (vgl. Hinweis "Sicherheitsüberprüfung")
Der zum Werkzeug passende Schutz ist unbedingt zu verwenden!
Warnung vor dem Einsatz schlegelartiger Schneidewerkzeuge !
Der Einsatz von schlegelartigen Schneidwerkzeugen (bestehend aus mehreren miteinander verbundenen Metallteilen) bei Tätigkeiten mit handgeführten Freischneidern – Motorsensen birgt tödliche Gefahren!
In der EU ereignete sich bereits ein tödlicher Unfall bei der Verwendung eines solchen Schneidwerkzeuges: Ein Kettenglied wurde herausgeschleudert und verletzte eine unbeteiligte Person tödlich.
Die Komponenten dieser Werkzeuge unterliegen bei Kollisionen mit festen Hindernissen sehr hohen mechanischen Beanspruchungen und damit Bruchgefahren. Die üblichen Mähwerkzeug-Schutzeinrichtungen sind für die dabei auftretenden Energien nicht ausgelegt. Auch der Geräteführer selbst befindet sich dadurch permanent im Gefahrenbereich.
Der Verkauf von schlegelartigen Werkzeugen ist im Bereich der EU untersagt !
(siehe angefügte Pressemitteilung der Bayerischen Gewerbeaufsicht)
Sicherheitseinrichtungen
Beachten Sie bitte die oben ausgeführten Hinweise beim Grastrimmer.
Ergonomischer Einsatz
Die Freischneider sind meist mit verstellbaren Tragegurten und breiten Führungslenkern ausgerüstet und können dadurch ergonomischer eingesetzt werden.
Anpassung an den Geräteführer
Um mit dem Grastrimmer (Motorsense) bzw. Freischneider ergonomisch und sicher arbeiten zu können, müssen sie durch variable Befestigungspunkte des Tragegurtes am Gerät ausbalanciert und so auf den Bediener eingestellt werden können, dass der Bodenkontakt des Werkzeuges bei entspannter Körperhaltung erreicht wird.
Kennzeichnung
Um die Lärmentwicklung so gering wie möglich zu halten und die gerätespezifischen Sicherheitsstandards zu gewährleisten, empfehlen wir Ihnen, bei der Anschaffung Geräte mit entsprechenden Kennzeichnungen bzw. Leistungsmerkmalen zu erwerben.
Schalleistungspegel
Rasentrimmer müssen mit dem garantierten Schalleistungspegel in Abhängigkeit von der Schnittbreite (Durchmesser des Fadenkopfes mit maximaler Schnurlänge) gekennzeichnet sein:
Schnittbreite | Zulässiger Schalleistungspegel | ab 3. Januar 2006 (Richtwert *) |
---|---|---|
bis 50 cm | 96 dB | 94 dB * |
50 - 70 cm | 100 dB | 98 dB |
70 - 120 cm | 100 dB | 98 dB * |
über 120 cm | 105 dB | 103 dB * |
Für Grastrimmer (Motorsensen) und Freischneider besteht eine Kennzeichnungspflicht mit dem tatsächlichen Schalleistungspegel.

CE-Kennzeichen

Die Geräte müssen beim Inverkehrbringen mit dem CE-Kennzeichen gekennzeichnet sein.
GS-Zeichen

Die Geräte können zusätzlich mit dem GS-Zeichen versehen sein.
Detaillierte Hinweise und Ausführungen bezüglich der Bedeutung des CE-Kennzeichens und des GS-Zeichens können Sie dem Beitrag "CE-Kennzeichnung und GS-Zeichen" entnehmen.
Lärmschutz
Sicher wären auch Sie nicht davon erbaut, bei der Tageschau oder noch vor dem Frühstück von einer rasselnden Motorsense gestört zu werden; der Gesetzgeber hat hier gehandelt und in unser aller Interesse eine entsprechende Verordnung erlassen, um die Betriebszeiten zu regeln.
In reinen, allgemeinen und besonderen Wohngebieten, Kleinsiedlungsgebieten, Sondergebieten, die der Erholung dienen, Kur- und Klinikgebieten und Gebieten für die Fremdenbeherbergung nach den §§ 2, 3, 4, 4a, 10 und 11 Abs. 2 der Baunutzungsverordnung sowie auf dem Gelände von Krankenhäusern und Pflegeanstalten dürfen im Freien

- Rasentrimmer an Sonn- und Feiertagen ganztägig sowie an Werktagen in der Zeit von 20.00 Uhr bis 07.00 Uhr nicht betrieben werden,
- Grastrimmer (Motorsensen) und Freischneider an Werktagen auch in der Zeit von 07.00 Uhr bis 09.00 Uhr, von 13.00 Uhr bis 15.00 Uhr und von 17.00 Uhr bis 20.00 Uhr nicht betrieben werden, es sei denn, dass für die Geräte und Maschinen das gemeinschaftliche Umweltzeichen vergeben worden ist und sie mit dem Umweltzeichen nach Artikel 8 der Verordnung Nr. 1980/2000/EG gekennzeichnet sind.
Gefahrenpotentiale
Die Arbeitsweise dieser Geräte und der manchmal schwierige Einsatzbereich z.B. an Hängen können zu gefährlichen Situationen mit Personen- und Vermögensschäden führen.
Einsatz
Vor Beginn der Arbeiten sollten Sie Ihr Arbeitsgerät sowie das Arbeitsumfeld überprüfen und die notwendige persönliche Schutzausrüstung (vgl. unten Schutzkleidung) anlegen, um das Unfall- bzw. Verletzungsrisiko für Sie und für andere zu minimieren.
Sicherheitsüberprüfung
Checken Sie bitte immer vor dem Einsatz ggf. unter Verwendung der Bedienungsanleitung Ihr Arbeitsgerät:
- Fester Sitz der Verschraubungen
- Wartungszustand der mechanischen Teile
- Kein beschädigtes Werkzeug verwenden
- Stromkabel

Sicherheitsabstand
Wie schon unter "Funktionsprinzip" ausgeführt, rotieren die Schneidewerkzeuge sehr schnell. Es besteht daher die Gefahr, im Umkreis von 15 m durch weggeschleuderte Gegenstände getroffen zu werden.
Ein Gefahrenpotential nicht nur für Sie selbst, sondern auch für in der Nähe spielende Kinder. Darüber hinaus ist schon so manche Scheibe durch umherfliegende Gegenstände zu Bruch gegangen.
Zur Abwehr dieser Gefahren erscheint es dringend angezeigt, z.B. den Garten vorher abzusuchen und Steine und andere Fremdkörper aufzusammeln.

Schutzkleidung
Trotzdem kommt es natürlich vor, dass nicht alle Gegenstände gefunden werden, oder das Gelände so unübersichtlich ist, dass es gar nicht abgesucht werden kann.

Leichtsinniger Gartenarbeiter
Deshalb sollte nicht so ...
sondern wie der Profi nur in Schutzkleidung gearbeitet werden.
Persönliche Schutzausrüstung
Die angesprochenen Verletzungen und Gefährdungen können verhindert werden durch die Verwendung von:

Schutzbrille

Gesichtsschutz

Schutzhelm - beim Bearbeiten von Gestrüpp und Unterholz,

Gehörschutz - es können Schallleistungspegel von über 100 dB auftreten,

festem Schuhwerk mit Profilsohle und Wadlschutz

Arbeitshandschuhen und

eng anliegender Kleidung mit langer Hose.
Tierschutz
Unter Gestrüpp sollten Sie eine Mindestarbeitshöhe von 15 cm einhalten, um Tiere (z.B. Igel) nicht zu verletzen.

Wartung
Auch die hochwertigsten Arbeitsgeräte leiden unter der Beanspruchung und bedürfen der fachkundigen Wartung und Pflege.
- Führen Sie diese nach Angaben des Herstellers in der Gebrauchsanweisung regelmäßig durch.
- Prüfen Sie das Werkzeug auf Beschädigung vor jedem Arbeitseinsatz; im Zweifelsfall sollten Sie beschädigte Teile und Geräte aussondern.
- Reparaturen dürfen nur vom Fachmann durchgeführt werden.
Verordnungen und Richtlinien
- Erste Verordnung zum Produktsicherheitsgesetz (Verordnung über die Bereitstellung elektrischer Betriebsmittel zur Verwendung innerhalb bestimmter Spannungsgrenzen auf dem Markt - 1. ProdSV)*
- Richtlinie 2014/35/EU über Elektromagnetische Betriebsmittel (Niederspannungsrichtlinie)
- Gesetz über die elektromagnetische Verträglichkeit von Betriebsmitteln (EMVG)*
- Richtlinie 2014/30/EU über die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV-Richtlinie)
- Achte Verordnung zum Produktsicherheitsgesetz (Verordnung über die Bereitstellung von persönlichen Schutzausrüstungen auf dem Markt- 8. ProdSV)
- Richtlinie 89/686/EWG zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten für persönliche Schutzausrüstungen
- Neunte Verordnung zum Produktsicherheitsgesetz (Maschinenverordnung - 9. ProdSV)
- Richtlinie 2006/42/EG über Maschinen (Maschinenrichtlinie)
- 32. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung - 32. BImSchV)
- Richtlinie 2000/14/EG des Europäischen Parlaments und des Rates zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über umweltbelastende Geräuschemissionen von zur Verwendung im Freien vorgesehenen Geräten und Maschinen
- Richtlinie 2005/88/EG vom 14. Dezember 2005 zur Änderung der Richtlinie 2000/14/EG über die Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über umweltbelastende Geräuschemissionen von zur Verwendung im Freien vorgesehenen Geräten und Maschinen
* Rasentrimmer mit Elektroantrieb
VIS-Artikel:
- Elektrische Garten- und Teichbeleuchtung
- Sichere Verwendung von elektrischen Geräten im Freien
- Damit das Grillen nicht zum "feurigen" Erlebnis wird
- Giftgefahren im Garten
Pressemitteilungen:
Externe Links:
Der Freistaat Bayern stellt Ihnen auf dieser Website unabhängige, wissenschaftsbasierte Informationen zum Verbraucherschutz zur Verfügung.
Einzelfallbezogene Rechtsauskünfte und persönliche Beratung können wir leider nicht anbieten. Auch dürfen wir Firmen, die sich wettbewerbswidrig verhalten, nicht selbst abmahnen.
Sollten noch Fragen zu Ihrem konkreten Sachverhalt verbleiben, wenden Sie sich bitte an die unter Service genannten Anlaufstellen.
Aktuelles
15.01.2021
Wiederverwendung von FFP2-Masken
14.01.2021
Kostenlose Vortragsreihe zum Thema Ernährung
12.01.2021
Welche Versicherung schützt bei Eis und Schnee?
07.01.2021
Solarstrom: Pflicht zur Eintragung privater Anlagen
05.01.2021
Kohl - essen mit Köpfchen
22.12.2020
BIOZIDE: Neue Regelung für die Verwendung von Mitteln zur Nagetierbekämpfung
22.12.2020
Keine Maklerprovision bei fehlender Verbraucherbelehrung
17.12.2020
Nachhaltige Last-Minute Geschenkideen
16.12.2020
Ethanolkamine – besinnlich, aber auch brandgefährlich!
14.12.2020
Verbraucherberatung trotz Lockdown

