Bayerisches Staatsministerium der
Justiz und für Verbraucherschutz

Dialer-Programme

 

Von: Verbraucherzentrale Bayern e.V.

Kaum ein Thema hat die Verbraucherzentrale im Telekommunikationsbereich in den letzten Jahren so sehr beschäftigt wie Dialer-Programme. Sogar fünfstellige Telefonrechungen waren bei betroffenen Verbrauchern anzutreffen. Im Jahre 2002 war eine Version eines Dialers auf dem Markt, wo für eine einzige Einwahl Kosten in Höhe von 900 Euro verursacht wurde. Im Jahr 2003 hat der Gesetzgeber reagiert und den Versuch unternommen, mit dem Gesetz zur Bekämpfung des Missbrauch von 0190- und 0900-Nummern auch das Problem der Dialer in den Griff zu bekommen. Nachfolgend Wissenswertes rund um das Thema Dialer .
Siehe auch: Tipps für Dialer-Geschädigte

Begriff

Dialer (von engl. to dial = wählen) sind kleine Anwählprogramme, die über den Computer eine Verbindung zu einer Mehrwertdiensterufnummer aufbauen.
Nach dem Start des Programms wird der aktuelle Internetzugang getrennt und eine neue (und teure) Verbindung über den Service 0900 aufgebaut. Die Abrechnung erfolgt über die Telefonrechnung. Über die erhöhten Verbindungskosten bezahlt der Verbraucher für Dienstleistungen im Internet.

Rufnummerngasse

Zum Schutz vor Missbrauch und zur besseren Erkennbarkeit dürfen kostenpflichtige Dialer seit dem 14.12.2003 nur noch die Rufnummerngasse 0900-9 nutzen. Dialer in anderen Rufnummerngassen sind rechtswidrig und müssen nicht bezahlt werden.

Preisobergrenzen

Wird zeitbezogen abgerechnet, darf der Preis für einen Dialer pro Minute maximal 2 Euro aus dem deutschen Festnetz betragen und nach einer Stunde muss die Verbindung automatisch getrennt werden. Wird pauschal pro Verbindungsaufbau abgerechnet, beträgt der maximale Preis 30 Euro pro Aufbau.

Registrierung

Es dürfen nur noch Dialer eingesetzt werden, die vorher bei der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) registriert wurden und die bestimmte festgelegte Mindestanforderungen erfüllen. Für den zur Registrierung vorgesehenen Dialer und auch für jede neue Version des Dialers müssen unter anderem folgende Angaben gemacht werden:

  • die vom Anbieter gewählte Bezeichnung des Dialers,
  • die Versionskennung des Dialers,
  • die im Dialer verankerte 09009-Nummer,
  • die Art des Mehrwertdienstes,
  • in jedem Fall der Name und die ladungsfähige Anschrift des Anbieters des Mehrwertdienstes,
  • der Identifikationswert des Dialers (Hashwert),
  • eine Beschreibung der Verhaltensweise des Dialers bezüglich seiner Einwirkung auf die vom Nutzer individuell gewählten oder dort vorhandenen PC-Systemeinstellungen,
  • die schriftliche Versicherung, dass die Mindestanforderungen für Anwählprogramme erfüllt sind ( Erklärung der Rechtsverbindlichkeit).

Nicht registrierte Dialer oder nicht die Mindestforderungen erfüllende Dialer dürfen nicht mehr eingesetzt werden und müssen auch nicht bezahlt werden. Ebenso muss nicht bezahlt werden, wenn der Einmalbetrag mehr als 30 Euro beträgt oder pro Minute mehr als 2 Euro abgerechnet wird.

Datenbank

Damit man erkennen kann, ob der Dialer, mit dem Mehrwertdienste abgerechnet werden, auch tatsächlich registriert ist, kann man von einem gesetzlichen Auskunftsanspruch Gebrauch machen und über die RegTP diese Informationen anfordern. Dort wurde inzwischen eine Datenbank aufgebaut, die man auch auf den  Internetseiten der RegTP einsehen kann.

Gefahren

Trotz dieser neuen Maßnahmen zum Schutz vor unseriösen Dialern, kann allerdings derjenige, der beim Surfen nicht gut aufpasst, sich schnell einen unseriösen Dialer "einfangen". Denn unseriöse Dialer informieren vor dem Herunterladen nicht oder nur verschleiert über ihre Wirkungsweise und ihre Kosten.
Häufig bieten sie sich beim Aufrufen einer Webseite automatisch zum kostenlosen Download oder als kostenloses Zugangstool an. Kostenlos ist dabei aber nur das Herunterladen des Anwahlprogramms. Der Dialer selbst produziert dann aber erhebliche Verbindungskosten. Teilweise tragen sich die kleinen Anwahlprogramme auch klammheimlich als Standardverbindung ins DFÜ-Netzwerk (unter Windows) ein. Das ist ebenso wenig akzeptabel wie ein Dialer, der bei Verlassen der kostenpflichtigen Seite nicht automatisch die teure Verbindung beendet. Dialer nutzen auch die ActiveX-Funktionen des Microsoft Internet-Explorers. Dadurch werden automatische Installationen und Downloads ermöglicht, ohne dass sich das bekannte Downloadfenster öffnet, mit dem das Herunterladen zuvor bestätigt werden muss.
Andere Browser wie Netscape, Opera oder Mozilla ignorieren ActiveX und können deswegen eine sinnvolle Alternative darstellen (auch wenn manche Webseiten dann nicht mehr richtig funktionieren).

Besonders gemein sind CAPI- oder TAPI-Dialer für ISDN-Anlagen. Sie greifen direkt auf die für die Einwahl ins Telefonnetz zuständige Software-Schnittstelle einer ISDN-Karte zu und sind deswegen kaum noch erkennbar.
Nur wer die ISDN-Kanäle ständig auf Einwahlen überprüft, kann sie feststellen.

Schutz vor Dialern

Ein 100%-iger Schutz ist kaum zu realisieren, weil immer wieder neue unseriöse Dialer auftauchen, die teilweise auch mit kriminellen Methoden arbeiten.

DSL-Anschluss

Nutzer von DSL können von 0900-Dialern derzeit nur betroffen sein, falls sie zusätzlich eine ISDN-Karte oder ein Analog-Modem parallel noch aktiviert haben, bzw. für Fax und Telefon ein "Kombikarte" verwenden. Wer die Verbindung zur Telefonbuchse unterbricht, ist geschützt.

Rufnummern- und Anschlusssperre

Wer von vornherein auf die Nutzung von Dialern verzichten möchte, kann speziell die für Dialer eingerichtete Rufnummerngasse 0900-9 sperren lassen.

Dialer-Blocker

Mittlerweile sind auch Dialer-Blocker auf dem Markt. Hierbei handelt es sich um eine Hardware-Lösung. Mit einem Gerät, das zwischen Modem und Telefondose installiert wird, wird nur die Anwahl von Nummern zugelassen, die vorher eingegeben wurden. Falls der PC eine andere Nummer wählt, bricht der Blocker den Vorgang ab und meldet dies mit einem Warnsignal.

Telefonanlage umprogrammieren

Viele Telefonanlagen, insbesondere ISDN-Anlagen können so eingestellt werden, dass Verbindungen zu 0190/0900- Nummern und anderen Rufnummern nicht möglich sind. Näheres erfahren Sie aus der Bedienungsanleitung. Doch ist Vorsicht geboten, denn manche Anlagen lassen sich ziemlich leicht übertölpeln, in dem die Netzbetreiberkennzahl (010xx) der teuren Rufnummer vorangestellt wird.

Vorsicht bei spam e-mails

E-Mails von unbekannten Absendern oder mit unbekannten Anhängen (Spam) sollten nie geöffnet, sondern unmittelbar und endgültig gelöscht werden. Auf keinen Fall sollte man auf irgendwelche links in so einer Mail klicken. Häufig führen Sie direkt zu einem Dialer.

Pop-Up-Fenster

Gehen beim Surfen plötzlich Fenster auf, so handelt es sich dabei häufig um direkte Verbindungen zu Dialern. Solche Fenster sollte man nie über das "x" am Fenster schließen, sondern ausschließlich über den Taskmanager(die Tasten Strg-AltGr -Entf gleichzeitig drücken) oder über die Tastenkombination ALT-F4.
Wenn der Verdacht besteht, dass sich eine Datei ungewollt auf Ihren Rechner lädt, sollte man den Ladevorgang abbrechen. Notfalls hilft nur das Ziehen des Netzsteckers. Dieser sollte deswegen gut zugänglich sein.

Dialer-Schutzprogramme

Dialer-Schutzprogramme weisen auf eine Verbindung zu einem Mehrwertdienst hin und werden im Internet - häufig sogar kostenfrei - angeboten. Wichtig ist, dass man die Programme regelmäßig aktualisiert. Die Programme können zwar keinen 100%igen Schutz gewährleisten. Sie können aber in Ergänzung mit den weiteren Schutzmaßnahmen die Gefahr begrenzen.

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