Bayerisches Staatsministerium für
Umwelt und Verbraucherschutz

Abzocke im Todesfall - Das Geschäft mit dem Tod

Von: Referat 36 - Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz

Angehörige von Verstorbenen werden wiederholt Opfer unseriöser Machenschaften bei Bestattungen. Es gibt Menschen, die selbst aus dem Tod eines anderen Kapital schlagen wollen. Vorzugsweise kurz nachdem eine Todesanzeige veröffentlicht wird, ist deshalb besondere Wachsamkeit erforderlich. Wichtig ist für Betroffene, sich zu informieren und selbst in dieser Situation Ruhe zu bewahren. Aber auch zu Lebzeiten kann man bereits vorsorgliche Maßnahmen treffen, um die eigenen Hinterbliebenen vor Betrugsversuchen zu schützen.

Worin besteht die Gefahr?

Mit unterschiedlichsten Tricks wird versucht, trauernden Hinterbliebenen Geld zu entlocken. Diese denken häufig bei der Bestattung nicht daran, sich einen Kostenvoranschlag machen zu lassen bzw. überprüfen die aufgeführten Summen nicht. Sie vergleichen auch in der Regel nicht die Preise verschiedener Unternehmen. So können unseriöse Bestatter ihre Preise praktisch nach Belieben festlegen und nicht nachvollziehbare Extrakosten verlangen. Daneben wird oft in betrügerischer Weise versucht, die Unwissenheit von Angehörigen auszunutzen, weil diese den Verstorbenen nicht mehr nach der Berechtigung von Forderungen befragen können oder sich im Unklaren über ihre (vermeintlichen) Pflichten, z.B. bzgl. Anzeige, Veröffentlichung, sind.

Varianten und Beispiele

  • Hinterbliebene erhalten Offerten bzw. Rechnungen über den „Bundesanzeiger für Bestattungen“ mit entsprechendem Briefkopf inklusive "Bundesadler" aus Berlin. Darin werden Forderungen für eine angebliche Eintragung auf einer Internetseite geltend gemacht.

  • Es flattern Rechnungen ins Haus, die zweifelhaft sind, deren Rechtsgrund aber nicht nachgeforscht wird. So erhalten z.B. Witwen ab und an Rechnungen für den Kauf von Sexartikeln oder Pornoheften an (verstorbene) Ehemänner, die nie bestellt oder geliefert worden sind. Aus Scham werden solche Rechnungen oft beglichen.

  • Es werden Mahnbriefe angeblicher Genlabore für einen vermeintlich durchgeführten DNA-Test an gerade verstorbene Menschen gerichtet und bei Nichtbezahlung mit gerichtlichen Schritten gedroht. Hinterbliebene als vermeintlich Zahlungspflichtige sollen so eingeschüchtert und zur Zahlung bewegt werden.

  • Eine Firma "AfM - Agentur für Meldepflicht" verschickt unaufgefordert an Hinterbliebene ein "Angebot", um in deren Auftrag bei Kreditsicherungsunternehmen und Kreditsicherungszentralen (SCHUFA, Creditreform etc.) entsprechende Einträge zu löschen.

  • Methoden unseriöser Bestattungsinstitute:

    Billige Pauschalangebote von Discount-Bestattern erweisen sich oft als Mogelpackung. Selbstverständlichkeiten müssen als Extraleistung teuer bezahlt werden.

    Unternehmen bieten, um den Umsatz zu steigern, den Hinterbliebenen Extras an, die diese eigentlich gar nicht wollen (wie z. B. besondere Sargeinlagen oder teure Totenhemden). Dabei versuchen sie emotionalen Druck aufzubauen: "Das sollte Ihnen der Verstorbene schon wert sein."

    Betrügerische Bestattungsunternehmen gehen sogar so weit, dass die Hinterbliebenen einen teuren Sarg aus hochwertigem Holz bestellen und bezahlen, aber einen minderwertigen Sarg geliefert bekommen, der dem teuren Modell ähnelt.

Tipps

Dubiose Rechungen über angebliche Leistungen an den Verstorbenen

  • Nicht durch kurze Fristsetzungen unter Druck setzen lassen, sondern Nachforschungen anstellen

  • Zweifelhafte Rechnungen zunächst nicht zahlen und vom Rechnungssteller eine Vertragskopie und Lieferungsbestätigung verlangen

  • Anzeige bei der Polizei erstatten, wenn sich ein Betrugsversuch herausstellt

Vermeidung von "Mogelpackungen" unseröser Bestatter

  • Sich über Bestattungsunternehmen informieren (der Bundesverband Deutscher Bestatter e.V. vergibt an qualifizierte, seriöse Bestatter Gütesiegel)

  • Schriftliche Kostenvoranschläge von mehreren Anbietern einholen und Preise vergleichen (auch bei seriösen Bestattern gibt es enorme Preisunterschiede), sich aufschlüsseln lassen, welche Dienstleistungen in welchem Betrag enthalten sind

  • Undurchsichtige Pauschalangebote meiden

  • Klären, was Hinterbliebene/Angehörige selbst erledigen können und deshalb sich nicht "einkaufen" müssen

  • Nach Vertragsschluss Auftragsbestätigung geben lassen

  • Es ist immer sinnvoll, eine neutrale Person, die nicht direkt von der Trauer betroffen ist, zu den Beratungsgesprächen mitzunehmen. Diese kann einerseits dabei helfen, die Seriosität und die Angebote des Bestatters zu bewerten, andererseits kann sie im Nachhinein als Zeuge dienen, falls Absprachen nicht eingehalten wurden.

Eigene Vorsorge zu Lebzeiten

  • Bei Sterbegeldversicherungen die Vertragsbedingungen überprüfen. Monatliche Prämien sind in der Regel niedrig, auf der anderen Seite sind aber auch die Auszahlungen oft gering. Immer wieder zahlen Versicherungsnehmer Beträge ein, die über der Versicherungssumme liegen!

  • Vorsicht vor dubiosen Vorsorgeverträgen von unseriösen Bestattern, insbesondere in Pflegeheimen! Bei Abschluss von Vorsorgeverträgen darauf achten, dass ggf. fällige Vorauszahlungen auf ein Sparbuch mit Sperrvermerk oder ein Treuhandkonto angelegt werden (Schutz vor Auflösung oder Konkurs des Bestatters). Verträge können von Kunden, aber auch deren Erben gekündigt werden; in diesen Fällen wird oft eine pauschalierte Schadenersatzsumme fällig!

  • Häufig ist es sinnvoller, selbst rechtzeitig Geld für Beerdigungskosten auf einem eigenen Konto anzusparen

  • Sich mit Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Patientenverfügung auseinandersetzen, den eigenen Wünschen entsprechend ausfüllen und sicher verwahren

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