Bayerisches Staatsministerium für
Umwelt und Verbraucherschutz

Phthalate

Von: Dr. Bettina Grings-Pillin, Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit

Was sind Phthalate?

Phthalate sind Industriechemikalien. Sie werden als Weichmacher Kunststoffen, insbesondere PVC zugesetzt, um sie elastisch und flexibel zu machen.

In welchen Produkten sind Phthalate enthalten?

Anwendungsbereiche sind beispielsweise Kunststoffmatten, PVC-Bodenbeläge, Vinyltapeten, Einrichtungsgegenstände, Plastikschuhe und Regenbekleidung. Sie können aber auch in Lebensmittelverpackungen, Farben oder kosmetischen Mittteln enthalten sein.

Wie gelangen Phthalate in die Umwelt und den menschlichen Körper?

Phthalate sind nicht fest in die Kunststoffe eingebunden und können daher entweder bei Kontakt mit Flüssigkeit herausgelöst werden oder in die Umgebungsluft entweichen. Da sie in sehr vielen Bereichen eingesetzt werden, können sie in praktisch allen Umweltmedien nachgewiesen werden.
Eine Aufnahme dieser Phthalat-Weichmacher erfolgt überwiegend über die Nahrung. Weitere Aufnahmepfade sind die Lunge, beispielsweise beim Ausgasen von Weichmachern aus Fußböden oder kunststoffbeschichteten Einrichtungsgegenständen und die Haut beim Tragen von belasteten Textilien.

Wie gefährlich sind Phthalate für den Menschen?

Nicht alle Weichmacher haben eine gesundheitsschädliche Wirkung. Die Phthalate DEHP (Diethylhexylphthalat), BBP (Benzylbutylphthalat), DBP (Dibutylphthalat) und DIBP (Diisobutylphthalat) sind als fortpflanzungsgefährdend eingestuft. Bei Versuchstieren konnte eine Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit durch diese vier Phthalate festgestellt werden, wenn die Tiere langfristig oder wiederholt diesen Weichmachern ausgesetzt waren.
Seit einigen Jahren wird DEHP in Produkten zunehmend ersetzt. Dies zeigt ein deutlicher Rückgang des Produktionsvolumens in den letzten Jahren.

Welche Maßnahmen wurden ergriffen, um die Verwendung von Phthalaten einzuschränken?

In Deutschland gibt es bereits viele Verbote für Phthalate, die auch EU-weit gelten. So dürfen die Weichmacher DEHP, DBP und BBP nach der EU-Chemikalienverordnung REACH in einer Konzentration von über 0,1 Massenprozent nicht in Spielzeug und Babyartikeln vorhanden sein. Weitere Phthalate sind in Spielzeug und Babyartikeln verboten, die von Kindern in den Mund genommen werden. Weiterhin dürfen einige Phthalat-Weichmacher nicht in Gemischen für den privaten Endverbraucher oder in kosmetischen Mitteln enthalten sein. Die Verwendung von Phthalaten in Kunststoffen für Lebensmittelverpackungen wurde EU-weit eingeschränkt.
Schließlich dürfen Firmen die Phthalate DEHP, BBP, DBP und DIBP aufgrund von Regelungen in REACH ab dem 21.02.2015 nur noch nach einer schwierig zu erlangenden Ausnahmegenehmigung (Zulassung) herstellen oder verwendenn.
Die Bayerische Staatsregierung hat sich im Rahmen einer Gesetzesinitiative Dänemarks aus Vorsorgegründen für eine EU-weite Ausweitung der Verbote gesundheitsschädlicher Weichmacher eingesetzt. Davon wären viele Alltagsgegenstände zur Verwendung in Innenräumen betroffen, die möglicherweise durch eine kombinierte Freisetzung bestimmter Phthalate zu einer Belastung der Raumluft oder des Hausstaubs führen könnten. Nach eingehender Prüfung hält der auf EU-Ebene zuständige Ausschuss für Risikobewertung von Chemikalien die vorgeschlagenen Beschränkungen jedoch aus wissenschaftlicher Sicht für nicht erforderlich und damit nicht gerechtfertigt. Die endgültige Entscheidung wird die Europäische Kommission voraussichtlich im Jahr 2013 treffen.

Was kann der Verbraucher tun?

1. Wahlmöglichkeiten beim Neukauf nutzen

Bei der Neuanschaffung hat der Verbraucher die Wahl. Viele Alltagsgegenstände werden nicht nur aus Plastik sondern auch aus anderen Materialien wie Holz oder anderen Naturmaterialien angeboten. Aber nicht immer kann oder will man auf Plastik verzichten. Hier gilt die Empfehlung: Vor allem Gegenstände aus Weich-Polyvinylchlorid (Weich-PVC) vermeiden, da diese besonders hoch mit Weichmachern belastet sein können. Auch ein starker "Plastikgeruch" kann ein Indiz für das Vorhandensein von Weichmachern sein.
Produkte aus Kunststoffen wie Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP) hingegen sind weichmacherfrei. Die Art des Kunststoffs kann man am Recyclingsymbol mit der darunter befindlichen Kurzbezeichnung erkennen.

Beispiele:

Ebenso können Gütesiegel wie beispielsweise der "blaue Engel" helfen, schadstoffarme Produkte zu erkennen.

2. Informationsmöglichkeiten nutzen

Neben den zuvor aufgeführten Erkennungsmöglichkeiten kann sich der Verbraucher zusätzlich konkret informieren, ob ein Produkt besonders besorgniserregende Stoffe wie beispielsweise einige der Weichmacher aus der Gruppe der Phthalate enthält. Die Europäische Chemikalienverordnung REACH verpflichtet den Hersteller oder Händler Auskunft zu erteilen, ob sein Produkt die als besonders besorgniserregend eingestuften Stoffe aus der Gruppe der Phthalat-Weichmacher in Mengen von mehr als 0,1 Prozent enthält. Auf Anfrage durch den Verbraucher muss innerhalb von 45 Tagen eine Antwort erfolgen. Die Auskunft ist für den Verbraucher kostenlos. Werden diese Auskünfte bei der Kaufentscheidung genutzt, hat dies sogar einen direkten Einfluss auf den Markt und seine Entwicklung. Denn gerade heimische Hersteller arbeiten mit Nachdruck daran, gefährliche Stoffe in ihren Produkten zu ersetzen.

3. Räume regelmäßig lüften und säubern

Durch regelmäßiges und häufiges Reinigen und Lüften von Räumen kann die Belastung der Innenraumluft mit Schadstoffen generell gesenkt werden.