
Moderne Motorräder faszinieren und bieten ein hohes Maß an Zuverlässigkeit; für jeden Geschmack und jeden Einsatzzweck existiert das passende Motorrad. Trotzdem passieren jedes Jahr schwere Verkehrsunfälle, bei denen als eindeutige Unfallursache technische oder wartungsbedingte Mängel festgestellt werden.
Bei Motorrädern handelt es sich um technisch komplexe Fahrzeuge, die gewissenhafte Wartung erfordern. Deshalb sollte jeder Motorradfahrer im eigenen Interesse sein Verhalten bei der Wartung seiner Maschine kritisch überprüfen!
Bild: Hein Gericke
Die meisten schwerwiegenden Defekte kündigen sich ganz harmlos und treten während der Fahrt kaum in Erscheinung. Kleine Veränderungen an den einzelnen Bauteilen oder an deren Funktion sind oft durch einfache Sicht- bzw. Funktionsüberprüfungen erkennbar.
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Das Versagen des Bremssystems ist eine der häufigsten technischen Unfallursachen. Besonders gefährlich wird es, wenn die Stopper nicht richtig "greifen".
Sehr wichtig ist auch die
Bei vielen Motorrädern wird die Zündung unterbrochen, wenn bei ausgeklapptem Seitenständer und laufendem Motor die Kupplung betätigt oder ein Gang eingelegt wird. Dies soll verhindern, dass mit ausgeklapptem Seitenständer losgefahren wird, was zu schwersten Unfällen führen kann.
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Eine zu große Kettenspannung führt zu extremer Belastung des ritzelseitigen Getriebelagers mit der Folge, dass dieses zerstört wird. Im ungünstigsten Fall kann ein Blockieren des Hinterrades auftreten.
Zu großes Kettenspiel kann zum "Schlagen" der Kette, ungünstigstenfalls zum Überspringen oder zum Blockieren der Kette am Getriebegehäuse führen. Ein Sturz kann auch hier die Folge sein.
Faustregel: Die Kette sollte sich rund zwei Finger breit auf und ab bewegen lassen.
Warten Sie nicht mit dem Umschalten auf Reserve warten, bis der Motor "ruckelt", denn wenn dies während eines Überholvorganges - wenn im Angesicht des herannahenden Gegenverkehrs womöglich die volle Motorleistung benötigt wird - passiert, kann es schnell "brenzlig" werden!.
Tritt ein Schmierölmangel ein, kann sich der Motor "festfressen"; eine Folge hiervon ist ein Blockieren des Hinterrades und ein wahrscheinlicher Sturz.
Die notwendigen Wartungstätigkeiten und -intervalle werden für die jeweiligen Fahrzeugtypen von den Fahrzeugherstellern vorgegeben und stehen im Bedienungshandbuch. An diese Wartungsempfehlungen sollten Sie sich halten! Jeder sollte sich selbstkritisch überlegen, welche Wartungsschritte er selbst durchführen kann und ob er neben dem dazu notwendigen Know-how auch über das entsprechende Werkzeug verfügt.
Die folgenden Arbeiten sind der Regel selbst durchführbar.
Das Nachspannen der Kette ist abhängig von deren Bauart (mit/ohne 0-Ringe), dem Einsatz und der Schmierung. Wichtig ist hier die exakte Einhaltung der Herstellervorgaben über den korrekten Durchhang der Kette. Auch auf die korrekte Spur des Hinterrades muss geachtet werden, d. h. die Kettenspanner auf beiden Seiten der Schwinge müssen um jeweils das gleiche Maß nachgezogen werden.
Am einfachsten ist es, das Motorrad auf den Hauptständer ohne Bodenkontakt aufzubocken. Anschließend kann das Rad von Hand gedreht und das Kettenspray auf die Innenseiten der Kettenglieder gesprüht werden, wo es sich durch die Drehbewegung von selbst verteilt.
Das Rad nicht im Leerlauf mitdrehen lassen, es besteht Unfallgefahr!
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Bitte befolgen Sie die Wechselintervalle des Herstellers und verwenden Sie nur die vorgeschriebene Menge Öl in der vom Hersteller vorgegebenen Qualitätsklasse.
Vergessen Sie den Ölfilter-Austausch nicht.
Ziehen Sie die Ablassschraube mit dem vorgegebenen Drehmoment an und verwenden Sie - falls erforderlich - einen neuen Dichtring.
Der Luftfilter sollte nach Herstellerangaben regelmäßig gereinigt bzw. gewechselt werden; das Fahren ohne Luftfilter kann zu schweren Motorschäden wegen eines zu magerem Treibstoff-Gemisches führen. Ein stark verschmutzter Luftfilter führt zur Gemischanreicherung, zu ungünstigem Abgasverhalten und schlechter Motorleistung.
Wichtig ist die regelmäßige Kontrolle des Säurestandes; bei einem Absinken unter die Minimalmarkierung muss der Flüssigkeitspegel mit destilliertem Wasser nachgefüllt werden.
Arbeiten, die ebenfalls in Profihände gehören, sind
Motorradreifen sind in extremem Maße sicherheitsrelevante Bauteile, da sie erhebliche Kräfte beim Beschleunigen, Bremsen und gleichzeitigem Kurvenfahren zuverlässig auf die Fahrbahn übertragen müssen. Deshalb verdienen die Pneus besondere Aufmerksamkeit.
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Das Einhalten des korrekten Reifendruckes in Abhängigkeit von den Betriebsbedingungen ist lebensnotwendig. Je nach Zuladung (mit/ohne Sozius, mit/ohne Gepäck) sollte immer nach Herstellervorgaben der Reifendruck entsprechend eingestellt werden.
Grundsätzlich gilt:
Fahren mit zu hohem Druck ist weniger kritisch, als das Fahren mit zu niedrigem Druck.
Fahren mit zu niedrigem Druck führt wegen der größeren "Einfederung" des Reifens im Bereich der Aufstandsfläche zu einer erhöhten inneren Reibung im Reifengummi. Dies kann zur Überhitzung und dem Ablösen der Lauffläche von der Karkasse führen, der Reifen platzt schlagartig und macht das Fahrzeug unkontrollierbar.
Die Frage nach der Mindestprofiltiefe des Reifens ist nicht ganz einfach zu beantworten. Zwar sind Motorradreifen prinzipiell weniger aquaplaning-gefährdet als Pkw-Reifen, dennoch können beim Durchfahren von Wasserpfützen auch Motorradreifen aufschwimmen.
Aus diesem Grund empfiehlt es sich, den für die Stabilität des Fahrzeuges besonders wichtigen Vorderreifen schon beim Erreichen einer Profiltiefe von 3 - 2 mm auszutauschen.
Der Hinterreifen des Motorrades ist weniger aquaplaninggefährdet, weil er in der bereits vom Vorderrad entwässerten Spur läuft und in der Regel die höhere Flächenpressung aufbaut. Aus diesem Grund kann die Profiltiefe am Hinterreifen etwas mehr ausgenützt werden. Keinesfalls sollte jedoch die gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 mm unterschritten werden!
Die häufigste Ursache für Reifenschäden als Unfallursache sind unsachgemäße Montage bzw. laienhaftes Flicken des Reifenschlauches. Weil darüber hinaus die Reifentechnik insgesamt komplizierter wurde, gehört der Reifenwechsel generell in die Hand des Fachmannes.
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Das Alter eines Reifens kann über die DOT-Nummer herausgefunden werden.
Diese befindet sich auf der Reifenflanke, erkennbar an den drei Buchstaben DOT und einer nachfolgenden längeren Buchstaben- und Ziffernfolge. Bis zum 31.12.1999 war diese Nummer dreistellig, danach ist sie vierstellig.
Bei einer dreistelligen DOT-Nummer weisen die ersten beiden Zahlen auf die Kalenderwoche, die letzte Zahl auf das Kalenderjahr hin. Damit man noch das Jahrzehnt erkennen kann, befindet sich bei Reifen, die zwischen 1990 und 1999 produziert wurden, nach der letzten Zahl noch ein Dreieck.
Steht dort also 115 mit einem Dreieck, wurde der Reifen in der 11. Woche des Jahres 1995 hergestellt. Fehlt das Dreieck, war es die 11. Woche des Jahres 1985.
Bei einer vierstelligen DOT-Nummer stehen die ersten beiden Zahlen ebenfalls für die Woche, die letzten beiden Zahlen weisen auf das Jahr hin.
Die Zahlenfolge 2103 bedeutet also, dass der Reifen in der 21. Woche des Jahres 2003 hergestellt wurde.
Pfeilsymbole für die vorzusehende Montagerichtung sind unbedingt einzuhalten. Da Vorderräder beim Motorrad keine Antriebskräfte übertragen müssen, werden für Reifen, die sowohl für Vorderrad- als auch für Hinterradmontage geeignet sind, häufig entgegengesetzte Montagerichtungsvorschriften gegeben.
Da Fahrzeughersteller ihre Fahrzeuge oft gemeinsam mit Reifenherstellern entwickeln, stellt die in den Fahrzeugpapieren enthaltene Reifenhersteller- bzw. Typvorgabe zusammen mit einer Größenangabe eine günstige Kombination dar. Für den Fall, dass andere Reifenhersteller bzw. -typen, die in den Fahrzeugpapieren nicht genannt werden, auch Reifen für dieses Fahrzeug anbieten und hierfür eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Herstellers vorweisen können, kann guten Gewissens diese Reifenkombination montiert werden.
Versäumen Sie es aber nicht, dies in Ihre Papiere eintragen zu lassen!
Copyright der Illustration: Hein - Gericke