
Immer mehr Menschen entdecken das Motorrad für sich - oder entdecken es wieder: Die Zulassungszahlen bewegen sich auf Rekordhöhen.
Motorradfahren erfordert eine Menge Know-how; Aspekte wie die richtige Fahrtechnik, Tourenvorbereitung und Fahrzeugtechnik sind wichtig. Vor allem aber die Auswahl der persönlichen Ausrüstung. Der Auswahl eines geeigneten Helms als Schutz der empfindlichsten Körperpartie ist besonders wichtig!
Bild: Hein Gericke
Einen neuen Helm kann man gewöhnlich über mindestens 4 bis 5 Jahre tragen. Die Preise liegen von 250 bis über 500 Euro. Obwohl der Preis oft ein Indiz für Qualität ist, gibt es noch eine Reihe anderer Kriterien, auf die man beim Helmkauf achten sollte.
Motorradfahrer müssen laut Gesetz "geeignete Schutzhelme" tragen. Die Pflicht, einen nach der Europanorm ECE R 22 geprüften Helm zu benutzen, wurde zwar bis auf weiteres ausgesetzt, dennoch bietet die ECE-Norm mehr Sicherheit gegenüber der alten Norm DIN 4848. Sie sollten deshalb bei einem Helmkauf - auch ohne gesetzlichen Zwang - auf die neueste europäische Zulassungsvorschrift ECE R 22.05 achten.
Die Zahlen auf dem ECE-Aufnäher, der meist im Innenfutter oder am Kinnriemen angebracht ist, verraten Ihnen folgendes:
Folgende Prüfbedingungen werden nach ECE R 22.05 an einen Schutzhelm gestellt:

Helme, die nur die alte Norm ECE R 22.04 erfüllen, dürfen noch verkauft werden, doch wurde beispielsweise die Aufschlagprüfung des Kinnteils nicht durchgeführt. Ebenso wurden die Anforderungen an Visiere mittlerweile deutlich erhöht.

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Der Jet-Helm / City-Helm / Policehelm ist in der Gesichtspartie offen, deshalb gehört zu ihm unbedingt eine Motorradbrille zum Schutz der Augen. Bei Regen und Kälte wird der Frischluft-Vorteil allerdings schnell zum Nachteil.
Achtung: Gesicht und Kinnpartie sind bei einem Unfall nicht geschützt!

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Wer auf Nummer Sicher gehen will, schützt sich am bestem mit einem Integralhelm!
Dies belegen auch Unfallstatistiken deutlich: Drei-Viertel aller Motorrad-Unfälle sind Frontal-Kollisionen; der Integralhelm bietet hier den besten Schutz vor Gesichtsverletzungen.
Diese Helmart ist das ganze Jahr hindurch angenehm zu tragen.

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Enduro- oder Crosshelme sind für Fahrer empfehlenswert, die gerne im Gelände fahren. Die große Visieröffnung sorgt für die bei körperlicher Anstrengung wichtige Luftzufuhr.
Trotzdem ist der Gesichtsschutz durch einen stabilen Kinnbügel gewährleistet.
Zum Crosshelm gehört ebenfalls unbedingt eine Motorradbrille. Im Gelände sind zusätzlich Abrissscheiben für klare Sicht erforderlich, die beim Verschmutzen der Brille während der Fahrt abgezogen werden können, ohne anhalten zu müssen.

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Der Klapphelm / Systemhelm ist ein Kompromiss zwischen Jet- und Intergralhelm und der jüngste Helmtyp. Bei diesem Helm lässt sich der "Kinnschutz" mitsamt dem Visier nach oben klappen.
Um den gleichen Schutz wie ein Integral-Helm zu bieten, muss das Kinnteil mit dem Visier während der Fahrt geschlossen sein!
Ohne den Helm abzusetzen, können diverse Tätigkeiten (z.B. trinken, essen, rauchen) ausgeübt werden. Gerade für Brillenträger bietet ein Klapp-Helm hohen Komfort, da er das Auf- und Absetzen sehr erleichtert.

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Eine Motorradbrille zeichnet sich durch bruchfestes Glas, eine gute Abdichtung gegen den Fahrtwind und weiche Ränder aus. Die Passform muss ausprobiert werden.
Motorradbrillen unterliegen der europäischen Richtlinie 89/686/EWG über Persönliche Schutzausrüstungen (PSA) und müssen mit dem CE-Zeichen gekennzeichnet sein, womit der Hersteller die Einhaltung der Richtlinie bestätigt. Vorher muss die so genannte Baumusterprüfung durch eine notifizierte Stelle durchgeführt werden.
Hinweis:
Unter einem Vollvisier können - im Gegensatz zur Motorradbrille - normale Sonnenbrillen aus Kunststoff getragen werden, um bei Unfällen das Verletzungsrisiko gering zu halten.
Die stabile Außenschale schützt vor Stoß- und Stichverletzungen und verteilt die auftretenden Kräfte. Zur Herstellung von Helmschalen werden hauptsächlich duroplastische oder thermoplastische Kunststoffe verwendet:

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Aus diesem Material werden GFK- oder Glasfiberhelmschalen hergestellt, die unempfindlich gegen Lösungsmittel und Witterungseinflüsse, aber leider relativ schwer sind. Werden die Glasfasern durch Kohlefasergewebe ersetzt, so ist der Helm leichter - aber auch wesentlich teurer.
Duroplastische Helmschalen sind sehr alterungsbeständig!
Allerdings lassen die stoßdämpfenden Eigenschaften der Innenpolsterung durch intensiven Gebrauch nach, so dass auch GFK-Helme eine begrenzte Lebensdauer haben.

Bild: Hein Gericke
Die Helmschale wird aus Materialien wie Polycarbonat (PC), Polyamid (PA) oder Acryl-Butadien-Styrol (ABS). gegossen. Die "Naht", die man bei den unlackierten Helmen sehen kann, stammt aus der zweiteiligen Spritzform; der Helm wird nicht etwa aus zwei Hälften zusammengesetzt. Thermoplastische Kunststoffschalen sind leichter und preiswerter als solche aus GFK.
Nachteile des Materials sind die zum Teil geringere Alterungsbeständigkeit sowie die Empfindlichkeit gegenüber Lösungsmitteln. Lacke, Klebstoffe (z.B. von Aufklebern) und organische Lösungsmittel wie Benzin und Spiritus greifen das Material an, ohne dass es äußerlich erkennbar wird.
Zur Reinigung der Helmschale darf daher nur warmes (Seifen-) Wasser verwendet werden.
PA- und ABS-Helmschalen sind zwar weniger empfindlich gegen Chemikalien, verlieren jedoch nach einiger Zeit ihre guten Materialeigenschaften. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass die neueren Thermoplaste alterungsbeständiger geworden sind; trotzdem::
Ein Thermoplasthelm muss nach ca. fünf bis acht Jahren in jedem Fall ersetzt werden!

Wichtig: Vor dem Helmkauf eine mindestens 10-minütige Anprobe!
Der beste Helm nützt wenig, wenn er nicht richtig sitzt und deshalb schon vor einem Aufprall vom Kopf fliegt. Die Helme unterschiedlicher Hersteller passen nicht auf jeden Kopf gleich gut. Außerdem spielt auch der subjektive Eindruck eine Rolle, ob man sich unter einem bestimmten Helm wohl fühlt. Selbst wenn die Helmgröße bekannt ist, ist eine Bestellung nach Katalog oder im Internet nicht ratsam.
In Fachgeschäften wird der Käufer eine große Auswahl und qualifizierte Beratung finden. Auch der Service nach dem Kauf (z. B. Ersatzvisier) ist wichtig. Helme sollten bei der Anprobe mindestens zehn Minuten aufbehalten werden.
Vor dem Kauf müssen folgende Fragen geklärt werden:
Ob ein Helm beim Fahren mit höherem Tempo immer noch gut sitzt oder vielleicht vom Winddruck hochgeschoben wird, lässt sich erst bei einer Probefahrt feststellen. Genauso wichtig ist, dass es nicht durch das Visier zieht und keine unangenehmen Windgeräusche entstehen. Eine Geräuschoptimierung wird zwar von einigen Herstellern im Windkanal betrieben, allerdings ergibt sich das Geräuschverhalten in der Praxis erst aus dem Zusammenspiel von Fahrergröße, Sitzhaltung, Motorrad(-verkleidung) und Helm. Bei Geschwindigkeiten von 150 km/h wurden Lautstärken gemessen, die langfristig Gehörschäden hervorrufen können.
Deshalb sind auf längeren Etappen Gehörstöpsel empfehlenswert, welche das Gehör schützen, den akustischen Stress reduzieren und dadurch die Konzentrationsfähigkeit erhöhen.
Da sie wegen ihrer Dämpfungseigenschaften die Verkehrssicherheit beeinträchtigen können sind allerdings nur bestimmte Gehörschützer für die Benutzung im Straßenverkehr erlaubt. Eine Positivliste der für den Strassenverkehr zugelassenen Gehörschützer finden Sie unter www.ifz.de im Bereich "Tipps und Tricks" unter dem Buchstaben G.
Zum Schließen des Helms gibt es unterschiedliche Systeme: Kinnriemen können z.B. mit Drucktasten oder Ring-Verschlüssen versehen sein. Bei manchen Helmen ist der Kinnriemen an einem schwenkbaren Kinnunterteil befestigt und einige Helme werden mit einer ?Halskrause" geschlossen. Jedes System hat seine Vor- und Nachteile. Sie sollten deshalb das System wählen, mit dem Sie sich am wohlsten fühlen.

Bild: Institut für Zweiradsicherheit
Beachten sollten Sie aber auf jeden Fall, dass der Kinnriemen während der Fahrt fest geschlossen ist und sein Sitz von Zeit zu nachreguliert werden muss.
Vor JEDER Fahrt muss der Kinnriemen geschlossen sein!
Nach einem Unfall muss der Helm von einem Helfer leicht abgenommen werden können. Über die Bedienung des Verschlusssystems informiert den Ersthelfer ein Aufkleber mit helmverträglichem Klebstoff, der beim Institut für Zweiradsicherheit für die gebräuchlichsten Verschlüsse erhältlich ist.
Das Visier sollte oft, aber ausschließlich mit (warmem) Wasser gereinigt werden, dem Sie etwas Seife zusetzen können. Gehen Sie dabei sehr vorsichtig vor, damit keine Kratzer entstehen!
Kratzer können die Sicht - vor allem bei Regen und Dunkelheit - gefährlich beeinträchtigen.
Ganz vorsichtig sollten Sie bei einer beschlaghemmend beschichteten Innenseite vorgehen.
Zur gründlichen Reinigung empfiehlt es sich, das Visier abzubauen und die Mechanik vor dem Zusammenbau mit Vaseline zu schmieren.
Im Fachhandel werden Mittel gegen ein Beschlagen der Visier-Innenseite sowie für leichtes Abperlen der Regentropfen von der Visieroberfläche angeboten. Ebenso für die schnelle Reinigung von Visier und Innenausstattung.

Bild: Institut für Zweiradsicherheit
Neben dem regelmäßigen Visier-Putz ist auch die Innenreinigung des Helmes von Zeit zu Zeit sinnvoll. Neue Modelle haben vielfach ein herausnehmbares, waschbares Futter. Mit normalem Polsterreiniger (Autozubehör) oder speziellem Reinigungs-Schaum kann das Innenfutter älterer Helme gesäubert werden.
Niemals sollte der Helm mit Kraftstoff oder Lösungsmitteln gesäubert werden! Kunststoffe reagieren oft äußerst sensibel auf diese; im schlimmsten Fall lösen sie sich auf.
Zur schonenden Aufbewahrung des Helms - am parkenden Motorrad, im Gepäckkoffer oder bei der Überwinterung im Schrank - ist ein Textilsack empfehlenswert. Einen praktischen Zusatznutzen als Warndreieck bietet die Helmhaube des Instituts für Zweiradsicherheit - IfZ - aus reflektierendem Material mit leuchtendem Signalaufdruck.
Nach einem Unfall oder Sturz muss der Helm ausgewechselt werden! Auch wenn keine äußeren Beschädigungen sichtbar sind. Einige Hersteller bieten eine Begutachtung an, bei welcher der Helm zerlegt wird.
Copyright der Illustration:
Hein - Gericke
Institut für Zweiradsicherheit