Bayerisches Staatsministerium der
Justiz und für Verbraucherschutz

Inline - Skating: Kauf und Pflege der Skates

Von: Michael Stelter - Regierung von Oberbayern - Gewerbeaufsicht

Inline-Skating ist gemeinsam mit dem Nordic Walking die Sportart mit den größten Zuwachsraten der letzten Jahre.

1993 gab es rund 370.000 Skater in der Bundesrepublik, heute sind es laut Marktforschungsinstitut GFK  "mindestens 10.000.000 Menschen, die ein oder mehr Paar Skates besitzen".
Der Trend ist ungebrochen. Auch dieses Jahr werden vermutlich wieder drei bis vier Millionen Paar Skates neu verkauft.

Die Zahlen beweisen, dass sich diese Sportart in Deutschland in den letzten Jahren etabliert hat. Gleichzeitig hat sie ihre Struktur verändert. Immer öfter sind die Einsteiger erwachsene Menschen; gleichzeitig steigt der Anspruch an die Qualität der Schuhe.

Die Eigenschaften der im Handel erhältlichen Skates beeinflussen erheblich die Sicherheit beim Skaten.
Auf den nachfolgenden Seiten haben wir für Sie Informationen zu folgenden Fragen zusammengestellt:

  • Was ist bei der Auswahl von Inline-Skates zu beachten?
  • Wie können die Risiken beim Skaten durch entsprechende Umsicht  minimiert werden?

Die Skates

Schuhmodelle

Die Schuhmodelle sind sehr unterschiedlich, um den Ansprüchen der einzelnen Disziplinen zu genügen. Wählen Sie also ein Modell für den von Ihnen bevorzugten Einsatzzweck. Es gibt:

  • Modelle mit Hartschale und Innenschuh
  • sowie Modelle, die einen Weichschuh haben.

Die Weichschuh-Modelle werden beim Fitness-Skaten bevorzugt, weil sie bequem sind und dennoch einen guten Halt bieten. Der Markt hierfür ist am größten und so findet sich auch ein unüberschaubares Angebot im Handel.

Verschlusssysteme

Als Verschlusssysteme dienen Schnallen oder Schnürung, auch eine Kombination von beiden ist möglich. Achten Sie bei der Anprobe darauf, ob Sie mit dem System einfach zurechtkommen.

Kauftipps

Nehmen Sie sich zur Anprobe möglichst viel Zeit und vermeiden Sie Stoßzeiten. So bekommen Sie im Fachhandel leichter eine fachkundige Beratung. Der Schuh muss von Anfang an passen.

Dabei ist zu bedenken, dass im aufrechten Stand die Zehen in aller Regel etwas nach vorne rutschen können, was dazu führen kann, dass bei optimaler Schuhgröße der Zwischenraum zwischen längstem Zeh und Schuh sehr klein wird, in der normalen Laufposition mit angewinkeltem Knie aber vollkommen ausreichend ist.

Ziehen Sie zur Anprobe am besten dünne Socken an, so spüren Sie potenzielle Druckstellen am leichtesten. Größenangaben bieten nur eine grobe Orientierung. Im Zweifel lieber eine Nummer größer wählen.

Wichtige weitere Aspekte beim Schuhkauf sind die Rollen und die Kugellager.

Die Rollen

Durchmesser

Beim Freizeit- und Fitness-Skating sind größere Rollen (76 - 82 mm) besser als kleine, da der Rollwiderstand geringer ist. Ein, zwei oder gar vier Millimeter im Durchmesser bewirken in der Regel schon einen deutlichen Geschwindigkeitszuwachs! So gesehen können aber auch kleine Rollen gut sein, da der Trainingseffekt durch die kleineren Rollen größer wird...

Im Speedbereich wurden bisher überwiegend 80-mm-Rollen verwendet, allerdings kommen mittlerweile auch noch größere mit bis zu 100 mm zum Einsatz.
Die Rollen mit 100 mm Durchmesser setzen sich am Markt aber offensichtlich nicht durch, für schnelle Skates scheinen sich 90 mm als Standard zu etablieren. Und Marathonzeiten (42,195 km) von deutlich unter 1,5 Stunden sind ohne weiteres damit möglich.

Rollen mit sehr kleinem Durchmesser eignen sich insbesondere für Tricks und Stunts, da sie wendiger sind und sich leichter kontrollieren lassen. Außerdem haben sie Vorteile beim Beschleunigen, sind aber in der Endgeschwindigkeit deutlich langsamer als große Rollen.

Empfehlungen:

  • Speed: 90 (100) mm
  • Fitness (Fortgeschrittene) 76 - 82 mm
  • Fitness (Anfänger): 72 - 76 mm

Material

Die Laufflächen von Inlineskate-Rollen bestehen regelmäßig aus Polyurethan (PU).

Es sind auch Vollgummirollen erhältlich, die besseren Nässegriff bieten, aber auch schneller verschleißen. Wer immer wieder mal mit Regenbedingungen konfrontiert wird, kann hier zugreifen.

Härte

Die Härte der Rollen beeinflusst die Fahreigenschaften, die Haltbarkeit und die Haftung.
Der Zahlenwert der Härte wird auf der Rolle angegeben, in Kombination mit einem "A".

Je höher der Wert vor dem "A" ist, umso härter ist die jeweilige Mischung.

  • Weiche Rollen bieten in der Regel komfortablere Laufeigenschaften und eine bessere Haftung, sind aber oft schneller verbraucht.
  • Härtere Rollen halten länger, rollen meistens schneller, können aber bei glatter Fahrbahn und Feuchtigkeit problematisch sein.

Auch die geringere Vibrationsdämpfung harter Mischungen sollte bedacht werden.

Empfehlungen:

  • Speed: 80A - 88A
  • Fitness (Fortgeschrittene) 78A - 84A
  • Fitness (Anfänger): 78A - 80A

Die Lager

Bei einer Ersatzteilbeschaffung ist auf die Abmessungen der Komponenten zu achten. Marktüblich bei den Kugellagern ist das so genannte Standardlager (Bezeichnung "608").
Es gibt aber auch Microlager (Bezeichnung "688"), die wesentlich kleiner und leichter sind. Man kann die kleinen Microlager mittels Adapter aber auch in Rollen mit großen Lageraufnahmen einsetzen.

ABEC-Norm

Die Kennziffer nach der ABEC-Norm gibt Toleranzen für Maß- und Laufgenauigkeit an. Weitere Informationen bietet sie nicht. So gibt sie keine Auskunft über die Qualität der Werkstoffe, das Lagerspiel, die Schmierung oder gar Reibungsverluste. Für das Inline-Skating hat die Kennziffer damit eine untergeordnete (!) Bedeutung.
Üblich sind ABEC 1 bis 9, wobei die Kategorie 9 ihre Präzision bei Inline-Skates gar nicht ausspielen kann. Die meisten angebotenen Lager sind aus der Kategorie 1, 3 oder 5. Diese sind für den Fitnessbereich absolut ausreichend. Die 7er sieht man auf dem Markt mittlerweile häufiger, wahrscheinlich sind sie ein gutes Verkaufsargument, weil viele wissen, dass die höhere Kategorie auch bessere Lager bedeutet.

Der Profi kann mit ABEC 1 Lagern ohne weiteres ein Rennen gewinnen, ob er dann allerdings noch ein weiteres Mal mit diesen Lagern laufen möchte, ist sehr fraglich.

 

Und da sind wir beim Kern des Problems:
die Lager verschleißen relativ schnell, und zwar durch eindringende Feuchtigkeit und durch Staub.
Beides greift das Material der Kugeln und Laufflächen an und erzeugt einen mehr oder weniger starken Verschleiß und höhere Reibungsverluste.
Schönwetter-Skater haben damit weniger Probleme, ebenso wie die Besitzer von Rollen der Kategorie 5.

Austausch oder Reinigung

Nun kann man die Lager reinigen, um die Lebensdauer zu verlängern. Das Reinigen ist aber nicht ganz einfach, insbesondere wenn Dichtscheiben verwendet werden. Wenn man die sündteuren Toplager verwendet, mag sich das lohnen. Allerdings sind auch die ABEC 5 Lager mittlerweile Massenartikel, so dass auch ein Austausch von Lagern interessant sein kann, wenn diese entweder geräuschvoll laufen oder sich nur noch schwer drehen lassen.

Für die Allwetter-Skater gibt es in den Abmessungen der Standardlager auch Kugellager entweder mit Keramikkugeln oder aber in Vollkeramikbauweise. Der Vorteil diese Keramiklager ist eine lange Lebensdauer - auch unter erschwerten Bedingungen; der Nachteil der  hohe Preis (Vollkeramik um 30 € pro Lager).
Die Zusatzbezeichnung "ZZ" bedeutet, dass das Lager beidseitig mit nicht schleifenden Metallkappen (Deckscheiben) geschützt ist. Steht dort ein "RS", so handelt es sich um schleifende Dichtscheiben. Diese laufen in einem Gummiring und haben einen etwas höheren Widerstand, sind aber besser vor Staub und Feuchtigkeit geschützt.

Die Lebensmitteldiscounter führen in ihrem Nebensortiment vielfach ganze Austauschsätze, da sind oft Rollen, Lager, Washer, Spacer und sogar das benötigte Werkzeug enthalten.

Vorsicht:

Wenn Sie diese Austauschsätze verwenden möchten, achten Sie bitte unbedingt darauf, dass die Abmessungen der Washer und Spacer genau stimmen. Bei Abweichungen ist Ihre Sicherheit beim Skaten erheblich gefährdet, da die Fahreigenschaften der Skates nicht mehr gewährleistet sind!

Fahrtipps

Gerade Einsteiger geraten immer wieder in Schwierigkeiten wenn sie steile Brückenabfahrten, Straßenbahngleise und Gullydeckel bewältigen müssen. Dazu kommen Gefahrstellen, die es selbst erfahrenen Fahren sehr schwer machen, auszuweichen.
Um für diese Fälle gewappnet zu sein, empfehlen wir die Teilnahme an einem Kurs, in dem Sie gezielt lernen, diese Problemfälle zu meistern.

  • Prüfen Sie vor Antritt der Fahrt die Rollen und den Bremsgummi auf Funktionsfähigkeit.
  • Bekleidung mit Reflektoren erhöht die Sicherheit, wenn Sie auch in der Dämmerung bzw. im Dunkeln unterwegs sein möchten. Eine Stirnlampe erweist ebenfalls gute Dienste.
  • Essen und Trinken Sie nicht während des Bladens; legen Sie lieber eine kleine Pause ein und genießen Sie Ihren Snack in Ruhe.
  • Telefonieren und Bladen ist "uncool" und "sturzträchtig".

Eine Privathaftpflicht ist ein Muss. Sie kommt für Schäden und Verletzungen Dritter auf. Bei Unfällen im Verkehr sind Skater rechtlich oft im Nachteil. 

Ausrüstungs-Check

Überprüfen Sie bitte vor jeder Fahrt, ob Ihre Protektoren fest sitzen, damit sie im Falle eines Falles nicht verrutschen können.

Dies gilt natürlich insbesondere auch für den Helm. Als Schutz vor Insekten, Staub und Steinen ist eine Sport(sonnen)brille (ggf. mit Korrekturgläsern?) empfehlenswert. 

Unfallvermeidung

Vorausschauendes Fahren ist für Inline-Skater ebenso wichtig wie ein angemessenes Repertoire von Verhaltensweisen zur Gefahrenabwendung.

Insbesondere an Gefällstrecken muss jeder Inline-Skater Geschwindigkeit und Verhalten (Rücksicht auch auf Fußgänger nehmen) seinem Können, den Geländeverhältnissen, der Verkehrsdichte und der Sichtweite anpassen. 

Trainingsstrecken

Die Straßenverkehrsordnung (StVO) sieht Inline-Skates nicht als Verkehrmittel an; demzufolge werden Nordic Blader wie auch die Inline-Skater mit Fußgängern gleichgesetzt.

Begegnungen mit motorisiertem Verkehr und Fußgängern sollten durch die Auswahl der benutzten Flächen und Wege auf ein Minimum reduziert werden. Flächen und Wege sind zusätzlich auf mögliche Gefahren sowie auf Nutzungseinschränkungen hin (z.B. durch private Eigentümer) zu überprüfen. 

Bremstechnik

Die beste Bremstechnik, die durchwegs brauchbare Verzögerungswerte ergibt, ist der "Heel-Stop" mit dem angebauten Gummi-Stopper.
Dabei ist die Gewichtsverlagerung entscheidend für die möglichen Verzögerungswerte. Je mehr Gewicht auf den Stopper kommt, desto besser ist die Bremswirkung.

Das zu belastende "Bremsbein" ist bei der Einleitung des Bremsvorgangs unbedingt nach vorne zu führen (annähernd durchgestreckt), um das entstehende Bremsmoment abfangen zu können. Das entlastete Bein wird entsprechend gebeugt. 

Sturztechnik

Der richtige Einsatz der Bremstechnik muss erlernt werden. Eine zentrale Rolle hat dabei das Erlernen und Beherrschen der Falltechnik.

Achtung:

Vorher unbedingt die Protektoren festziehen! 

Die empfehlenswerteste Falltechnik ist das "Double-Kneeing". Dabei lässt sich der Läufer auf die Knieprotektoren und dann weiter nach vorne fallen und geht nach dem Aufsetzen der Ellenbogenprotektoren ins Gleiten über.

Die Ellenbogenprotektoren sollten dabei möglichst schulterbreit aufgesetzt werden.

Erforderlichenfalls können auch die geschützten Hände zu Hilfe genommen werden und dienen dem behelmten Kopf als zusätzlichen Aufprallschutz.