Bayerisches Staatsministerium der
Justiz und für Verbraucherschutz

Carvingski - Kauf

Ein Thema zwischen Hochglanzprospekt und Realität. Rennbrett , Pistenschaukel oder Allterrain - alles nur eine Frage des Geldbeutels?

Hinweis: Dieser Artikel bezieht sich auf den Erwachsenenskikauf.

Skikauf und Verletzungsrisiko

Laut Statistik verunglückten in den letzten Jahren rund 60.000 Skifahrer jährlich allein in Deutschland. Viele dieser Unfälle hätten nicht passieren müssen, wenn die Betroffenen mit einer individuell abgestimmten, überprüften sowie gepflegten Ausrüstung und der notwendigen konditionellen Vorbereitung Ski gefahren wären.

Skifahren ist eine sehr technische Sportart, daher brauchen sowohl Anfänger als auch Könner eine entsprechend geeignete Ausrüstung. Seit den Anfängen des Skisports hat die Skiausrüstung einen langen Weg zurückgelegt. Inzwischen sind die Hersteller und Skifachhändler strengen Sicherheitsbestimmungen und Normansprüchen unterworfen.

Das Angebot der Ski-Industrie ist enorm und wechselt ständig. Der Kaufwillige ist deshalb auf eine Experten-Beratung angewiesen, die er überall im guten Sportfachhandel findet. Hinweise bieten auch die jährlichen Skitests wie z. B. im Magazin  "aktiv "des Deutschen Skiverbandes. 

Alternative:  Skiverleih

Wer noch nie Ski gefahren ist, sollte mit dem Erwerb einer neuen, teuren Ausrüstung so lange warten, bis er die ersten Fahrversuche hinter sich hat und dann auch weiß, dass er diese Sportart weiter ausüben will. Für die ersten Skiversuche können Sie sich sämtliches Zubehör in Skischulen und Sportgeschäften ausleihen.

Natürlich bietet der Skiverleih auch Modelle für den fortgeschrittenen Skifahrer an, der z. B. im Rahmen eines Skitests vor dem Kauf verschiedene Skier ausprobieren möchte.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Beitrag "Skiverleih". 

Skigeschichte

Die ersten Ski des 19. Jahrhunderts wurden aus massivem, später aus verleimtem Holz gefertigt. Der moderne Ski wird in Verbundbauweise aus Kunststoffen, Metall, Fiberglas oder Holz hergestellt. Dabei wird die Bauart der Ski den Bedürfnissen der Skifahrer (vom Anfänger bis zum Rennläufer) angepasst. 

Fahrkönnen und Zielgruppeneinteilung

Ein falsch ausgewählter Ski führt zu einem erhöhten Sturzrisiko. Nicht nur folgenschwere Unfälle können auftreten; auch der Funfaktor leidet darunter.

Entscheidend für die richtige Skiwahl sind nicht etwa Körpergröße und Körpergewicht, sondern ausschließlich das eigene skifahrerische Können.

Es bietet sich an, sich mit einer der nachfolgend beschriebenen Zielgruppe: - L, S, A - (Leichte Ski-Auswahl) zu  identifizieren; Rennfahrern ist die Zielgruppe R, Individualisten die Zielgruppe I vorbehalten:

L : Lernende und vorsichtige Skifahrer, die sich eher auf flachen und mittelsteilen Pisten wohl fühlen.

A : Allround. Dieser Gruppe gehören die meisten Skifahrer an. Deshalb ist es angebracht hier eine Zweiteilung in die Untergruppen "A 1" und "A 2" zu machen.

A 1: Hier befinden sich Skifahrer, die gemütlich fahren wollen und bei der Schwungeinleitung Stemm- bzw. Rutschhilfen in Anspruch nehmen.

A 2: Zu dieser Kategorie zählen Skifahrer, die zum einen gerne Kurzschwünge fahren, aber im Steilgelände oder auf eisiger Piste ihr Tempo nur mit Mühe kontrollieren können, zum andern Skifahrer die große Kurvenradien lieben und durch Aufkanten (Carven) ohne Rutschphase von Kurve zu Kurve schneiden.

S : Schnellfahrer. Dazu gehören nicht die gemütlichen "Brettlrutscher", sondern Skifahrer, die in schwierigem Gelände und Schnee sowie in jeder Situation auch in höheren Geschwindigkeitsbereichen kontrolliert und elegant fahren können. Zum großen Teil setzt diese Gruppe technische Perfektion in rennsportliche Fahrweise um.

Es gibt noch zwei weitere Zielgruppen, die sich allerdings von den anderen etwas abheben:

R : Rennfahrer, die spezielle Ski für Training und Wettkampf benötigen.

I : Individualisten stellen spezielle Anforderungen an ihre Ski; in diese Gruppe gehören z. B. die reinen Trickskifahrer, Telemarker, Tourengeher etc.

Durch die Zielgruppenorientierung wird das Risiko eines Fehlkaufes deutlich minimiert, was jedoch den Käufer nicht von einer ehrlichen Selbsteinschätzung und den Fachhändler nicht von einer sorgfältigen Beratung entbindet.

Die Zielgruppenbestimmung hat sich auch im "Carving"-Zeitalter nicht geändert! 

Carving-Ski

Ab 1997 setzte sich die Carving-Philosophie, die es eigentlich schon seit Erfindung der Stahlkante gibt, endgültig durch. Die Skiindustrie entwickelte Ski, die auf Grund ihrer Bauweise (Geometrie) bereits einen bestimmten Kurvenradius vorgaben und zwar über die Taillierung.

Die Carvingwelle löste eine revolutionäre Entwicklung aus, die sich nicht nur im Skibau, sondern auch in der Skilehre und im Skirennlauf niederschlug. Diese stark taillierten Ski haben sich in breiter Front durchgesetzt.  

Terminologie und Skitypen

Unterschied man früher nur Slalom, Riesenslalom und Abfahrtsski, so hat sich heute eine stark gefächerte Spezialisierung von Skibezeichnungen entwickelt; die nachstehende Tabelle versucht die Vielfalt zu katalogisieren:

Skityp

Zielgruppe

Einsatzgebiet

Easy-Carver

L

All-Terrain

Lifestile-Carver

L

All-Terrain

Allround-Carver

A1

All-Terrain

Race-Carver

  • Slalom

  • Riesenslalom

A2, S

nur präparierte (Renn)Piste

Freeride-Carver

I

abseits der Piste, freies Gelände

AllMountainski

A, S

abseits der Piste, All-Terrain

Crosscountry-Carver

I

abseits der Piste, freies Gelände

Fun-Carver

I

breite griffige Piste (ideal: separate Carving-Piste), Fun-Parks

Snowblades, Skiboards (Shorties)

I

Fun-Bereich, Einstieg zum Erlernen der Carving-Technik

Die nachstehende Grafik zeigt nochmals eine Verdeutlichung:

grafische Aufstellung der Skilängen und -typen

Vor- und Nachteile des Carving-Ski

Welche Vorteile aber haben die Carver tatsächlich?
Spaß, Beweglichkeit, guter Kantengriff und der Wegfall der psychischen Barriere vor zu langen Skiern sowie das Carving-Feeling stehen auf der Habenseite. Bei guten Pisten- und Schneeverhältnissen alles kein Problem. 

Langski oder Kurzski

Diese Diskussion über die Länge der Ski wird nicht erst seit den Tagen des Carvingskis geführt,  zu allen Zeiten prallten hier die Meinungen aufeinander.

Längere Modelle bieten Vorteile in der Laufruhe und beim Komfort. Es werden Stöße und Schläge in Richtung der Körperlängsachse durch die größere Auflagefläche besser absorbiert.

Kürzere Modelle ermöglichen durch die stärkere Taillierung leichter eine engere Kurvenfahrt. In der Buckelpiste, bei Sprüngen (Air&Style) sowie im Fun-Park überzeugen diese Ski durch ihre Wendigkeit.

Allerdings erfordern diese Ski durch ihre kürzere Auflagefläche eine erhöhte Gleichgewichts- und Koordinationsfähigkeit des Skiläufers - insbesondere im steilen, eisigen Gelände. Wobei die kürzeren Stahlkanten Ursache für einen manchmal unharmonischen Kurvenverlauf und erhöhten Kraftaufwand sein können. 

Skilängenempfehlung

Wichtigstes Auswahlkriterium für die Skilänge ist die eigene Geschwindigkeit.

Die nachstehende Grafik soll in Abhängigkeit zum Skityp einen Näherungswert aufzeigen:

Skityp

Ziel-
gruppe

Fahrkönnen<

Tempo

Zielsetzung

Skilänge
(in cm)

Lifestyle- oder
Easycarver

L

Anfänger, Stemmbogen

gering

schnell, freudvoll, lernen

150 - 170

Allroundcarver
-moderat-

A1

paralleles Schwingen auf präparierten Pisten

meist mittel

Genuss-Skifahren

160 - 180

Allroundcarver
-classic-

A2

paralleles Schwingen auch auf harter, steiler Piste

mittel bis schnell

dynamisches Skifahren mit geringen Ruschanteilen

170 - 185

Racecarver

S

Rennbasistechnik

meist hoch

sportliches Skifahren - schneidende Kurvensteuerung

RS 180 - 190
SL 155 - 180

RS: Riesenslalom
SL: Slalom

Die Spielräume innerhalb eines Skityps können individuell um bis zu 10 cm variiert werden.

Spielraum nach unten (minus 10 cm)

Vorteil

Nachteil

größere Wendigkeit
niedrigeres Gewicht

geringer Fahrkomfort
geringere Führung
größere Verschneidungsgefahr (bei flach geführtem Ski)
 

Spielraum nach oben (plus 10 cm)

Vorteil

Nachteil

mehr Fahrkomfort
mehr Führung
weniger Haltearbeit
 

geringere Wendigkeit
höheres Gewicht

Allgemeine Tipps:

Sollten Sie ein komplettes Equipment (Ski, Bindung und Schuhe) benötigen, gehen Sie bitte in folgender Reihenfolge vor:

  1. Skischuhe
  2. Skibindung
  3. Auswahl der Skí

Beim Kauf neuer Ski sollten Sie immer darauf achten, dass die Produktionsnummern beider Ski, die jeweils in die Seitenwangen gestanzt sind, übereinstimmen.

Prüfen Sie außerdem, ob die Stahlkanten bei zusammengestellten Laufflächen hörbar gegeneinander reiben. Wenn ja, ist die Lauffläche hohl, was zu einem ständigen Fehlverhalten der Ski (Verschneiden) führt. Lassen Sie sich in so einem Fall die Kanten begradigen oder greifen Sie zu einem anderen Paar.

Leider kommt es immer wieder vor, dass ein Ski durch äußere Einwirkungen zerstört (Skibruch) wird; die Skidiebstahlsrate gerade von neuen, z. T. sehr teueren Geräten ist ständig ansteigend. Erwägen Sie deshalb schon beim Kauf den Abschluss einer entsprechenden Versicherung. 

Kinderskikauf

Zwar unterscheidet sich ein Kinderski nicht gravierend von dem eines Erwachsenen, immerhin jedoch so stark, dass wir für Sie diese Aspekte in einem separaten Beitrag Kinderskiausrüstung zusammengestellt haben.

Fazit

Sicher ist der Skikauf nicht nur eine Frage des Geldbeutels.

Entscheidend kommt es darauf an, ganz individuell für jeden Skifahrer das für seine

  • Könnensstufe,
  • Neigungen und
  • Präferenzen

passende Gerät zu finden.

Wichtig ist dabei, dass der Erwerb eines "Rennbrettes" für einen Anfänger nicht nur eine tüchtige Einbuße hinsichtlich des "Funfaktors" bedeutet, sondern neben einer Stagnierung seines Lernfortschrittes auch zu einer erheblichen Gefährdung sowohl für die eigene Gesundheit als auch für die der anderen Skifahrer führen kann! 

Wir danken dem DSV für die Zurverfügungstellung der Grafiken: