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Justiz und für Verbraucherschutz

AllMountain-Skifahrer verursacht Kollisionsunfall auf abgesicherter Piste; Fiktion oder Wirklichkeit?

AllMountain-Ski ein Alleskönner? Geht endlich ein langgehegter Wunsch vieler Skifahrer in Erfüllung? Wenn man der einschlägigen Literatur und den Werbeschriften der Skifirmen Glauben schenken will, ja.

Zielgruppe

Es ist ein Ski entwickelt worden, der sowohl auf der Piste - bei allen Verhältnissen -, als auch im freien Gelände - in allen Schneearten - beste Ergebnisse erzielt. Ein Breitbandgerät also, das in gleicher Weise den Buckelpistenfreak, den Tiefschneespezialisten und den rennambitionierten Carver anspricht. 

Perpetuum Mobile im Schnee?

Es scheint den Skikonstrukteuren gelungen zu sein eine Art "perpetuum mobile" im Schnee erfunden zu haben. Wenn man jedoch die Ergebnisse von Skitests genauer durchliest, wird man merken, dass die von den Skifirmen angebotenen AllMountain-Modelle unterschiedliche Vorzüge und Orientierungen haben. 

Eignungsschwerpunkte

Manche Ausführungen sind mehr pistenorientiert und weisen dafür weniger Geländetauglichkeit auf, andere dagegen sind eher tiefschneetauglich und weniger für höhere Geschwindigkeiten geeignet. Eine "eierlegende Wollmilchsau" scheint es also auch hier nicht zu geben. Die Physik hat nun mal ihre Grenzen.

Während ein Ski im höheren Geschwindigkeitsbereich auf harter Piste eine entsprechende Torsionssteifigkeit für guten Kantengriff braucht, ist dies Gift für einen anderen Ski, der im Tiefschnee möglichst leicht aufschwimmen soll. Umgekehrt kann man davon ausgehen, dass ein Ski, der im Tiefschnee einen guten Auftrieb gewährleistet, sicherlich nicht als Slalomcarver beeindruckt. 

Gefahrenpotentiale

Trotzdem überdeckt die Philosophie des AllMountain-Ski diese Tatsachen und birgt dadurch ein gewisses Gefahrenpotential in sich, das zu Tage treten kann, wenn beispielsweise

  • ein Skifahrer mit seinem AllMountain-Ski vom Tiefschnee - wo er von seinem Ski absolut begeistert war
  • auf eine hartgefrorene Piste wechselt und - überzeugt von den ihm suggerierten Eigenschaften seines Ski's - im Steilgelände Kurzschwünge oder mittlere bis große Radien im oberen Geschwindigkeitsbereich fährt
  • Ihm nun wegen fehlender Torsionssteifigkeit der Ski ausbricht.

Es muss nicht immer gleich ein Sturz die Folge sein, aber gewisse Unsicherheiten fallen sofort auf! Und eines ist klar: Die Sicherheit ist nach dem Spaßfaktor immer noch das Hauptkriterium, das an den Ski zu stellen ist. 

Konstruktive Auswirkungen

Grundsätzlich kann man feststellen, dass mit zunehmender Skimittenbreite (Taillierung)  im gleichen Maße die Wendigkeit und Agilität verloren geht, also die Umkantphase  länger dauert. Dies ist in erster Linie auf der Piste zu bemerken. 

Fahrmerkmale

AllMountain-Ski mit Taillierungen von 67 mm bis 75 mm sind noch sehr pistenorientierte "Allrounder". Bei Taillierungen von 75 mm und darüber, insbesondere bei mehr als 80 mm, treten dann schon starke Einbußen im Pistenverhalten auf. Trägheit und fehlende Wendigkeit sind schnell spürbar.
Die Skiindustrie hat zwar versucht durch die Entwicklung adäquater Skibindungen, die breiter als die herkömmlichen gebaut sind, diese unliebsamen Begleiterscheinungen zu neutralisieren, allerdings scheint dies jedoch nicht vollständig gelungen zu sein. Besonders auf harten und / oder steilen Pisten wird dies bemerkt.
Erfahrungsgemäß liegt die Tiefschneetauglichkeit im Gegensatz zur Pistentauglichkeit bei Taillierungen über 80 mm auch bei 80 % und mehr.

Resümee

Es schadet auf keinen Fall, der sicherlich verständlichen Werbeeuphorie eine etwas defensivere Haltung entgegen zu bringen, wobei resümierend anzuerkennen ist, dass mit der Entwicklung des AllMountain-Ski im Alpin-Ski-Bereich eine Breitbandigkeit erreicht ist, die nicht nur ein weiteres Marktsegment ausfüllt, sondern den Spaßfaktor für den Skifahrer erheblich steigern kann.

Dennoch: Je nach Eignungsschwerpunkt können bei bestimmten Einsatzgebieten - z.B. auf harter, steilerer Piste in etwas höheren Geschwindigkeitsbereichen - bauartbedingte Schwächen auftreten die den Skifahrer unversehens in eine unsichere Fahr-Situation bringen können.

Tipp: Testen, Testen, Testen!

Daher ist alles in allem dringend zu empfehlen, vor dem Kauf das ausgesuchte Produkt intensiv zu testen. Die Möglichkeit dazu bieten die in fast allen Skiorten anzutreffenden Skiverleihe.

Hinweis: Probieren Sie nach Möglichkeit mehrere Modelle aus, um besser vergleichen zu können. Ein eigenes Testprotokoll könnte Ihnen bei der Endauswahl eine gute Entscheidungshilfe sein. 

Testprotokoll

Im Rahmen der Entwicklung dieses Beitrages wurde im Dezember 2010 unter Gletscherbedingungen ein neutraler AllMountainski-Test mit folgendem Ergebnis durchgeführt:

Getestet: AllMountain-Modell 2010/2011
Skilänge: 1,77 m
Eignungsschwerpunkt lt. Hersteller: 50 % Piste, 50 % freies Gelände 

Zusammenfassung

Die lt. Tenor der Herstellerfirma vorhandene Breitbandigkeit dieses Skimodells konnte in unserem Test nicht ganz nachvollzogen werden. 

Detailergebnisse

Der Ski zeigte sich als gut geeignet für kurze und lange Schwünge im Pistenbereich - allerdings nur im unteren Geschwindigkeitssegment und im flachen bis mittelsteilen Gelände. Die gleichen Kurvenradien erforderten im Steilgelände besondere Aufmerksamkeit, insbesondere bei harter oder vereister Piste . Dies ist als Ausfluss der größeren Skibreite und damit verbundenen zeitlich relativ langen Umkantphase zu werten.

Es ist deutlich geworden, dass der Ski aufgrund dieser Vorgaben ohne vermehrten Kraftaufwand nicht gleitend auf der Kante zu führen war; eine frühere Ermüdung der Haltemuskulatur ist dann zwangsläufig. Im mittleren bis höheren Geschwindigkeitsbereich war ein "Rattern" kaum abzustellen. Faktoren die zu einem erhöhten Sturz- bzw. Verletzungsrisiko führen können.

Positiv zu werten ist die Spurstabilität bei Geradeausfahrten; selbst bei sehr hohen Geschwindigkeiten kam es nicht zum gefürchteten "Scheibenwischereffekt".

Abseits der Piste zeigten sich die Stärken dieses Skis; selbst in ca. 30-40 cm feuchtem Neuschnee war ein deutlicher Aufschwimmeffekt spürbar, der die Tendenz zu guter Tiefschneeeignung erkennen ließ.

Zielgruppenempfehlung: Allroundfahrer der Gruppen A1 bis max. A3; besonders empfehlenswert für Skifahrer, die freies, auch ungespurtes Gelände bevorzugen. 

Anmerkung

Für die freundliche Unterstützung und Bereitstellung des Testmaterials danken wir der Firma Sport Gürteler, Kirchseeon.