Bayerisches Staatsministerium für
Umwelt und Verbraucherschutz

Motorsäge

Von: Meinrad Fußeder, LSV Niederbayern/Oberpfalz und Schwaben

Die Motorsäge ist ein gefährliches Arbeitsgerät. Insbesondere dann, wenn Sicherheitsregeln missachtet, falsche Arbeitstechniken angewandt werden oder der Motorsägenführer körperlich nicht geeignet ist.
Gefahr besteht sowohl für den Sägenführer selbst, als auch für umstehende Personen. Der folgende Artikel gibt Hinweise für den sicheren Umgang mit der Motorsäge sowie einen Überblick über die sicherheitstechnischen Einrichtungen einer Kettensäge.

Um sicher und gesundheitsschonend arbeiten zu können, ist neben einer geeigneten Kettensäge auch die richtige Handhabung der Motorsäge entscheidend.

Anforderungen an den Motorsägenführer

Körperliche und geistige Eignung

Motorsägenführer müssen körperlich, geistig und fachlich geeignet sein!

Körperliche Eignung:

Zur körperlichen Eignung zählt das Mindestalter. Motorsägenführer müssen grundsätzlich mindestens 18 Jahre alt sein. Für Auszubildende in Land- und Forstwirtschaft sowie im Gartenbau gelten Ausnahmeregelungen. Die zuständige Berufsgenossenschaft gibt dazu Auskunft. Werden Personen ständig mit Motorsägen beschäftigt, so ist für diesen Personenkreis vor Aufnahme der Tätigkeit und dann in regelmäßig wiederkehrenden Abständen, eine arbeitsmedizinische Untersuchung erforderlich.

Fachliche Eignung:

Neben der körperlichen Eignung ist die fachliche Eignung eine wesentliche Grundlage.
Motorsägenführer müssen ausreichend Kenntnisse und Fertigkeiten für den jeweiligen Einsatzzweck besitzen. So stellt das Fällen von Bäumen ganz andere Anforderungen an das Können, als dies zum Beispiel bei Arbeiten am bereits liegenden Stamm erforderlich ist.
Jeder Motorsägenführer muss sich fragen: Bin ich gut genug ausgebildet, um die Arbeiten gefahrlos für mich und meine Helfer durchführen zu können. Der Motorsägenführer ist für Unfälle und Sachschäden verantwortlich.

Er reduziert Risiken und Haftungsansprüche, wenn er nachfolgende Arbeiten Profis überlässt:

  • Bäume fällen
  • Schadereignisse aufarbeiten (z.B. Windwurf, Schneebruch)
  • Baumpflege in der Baumkrone

Die Profis haben ihr Handwerk gelernt und setzen die entsprechende Technik ein.

Bild 1: Hoch-Entaster nur mit Schutzhelm einsetzen!

Baumpflegemaßnahmen führen speziell ausgebildete Fachleute mit geeigneten Hubsteigern durch. Für Arbeiten an niedrigen Bäumen bieten sich Hoch-Entaster an. Dies sind Hand- oder motorgetriebene Sägemaschinen mit Teleskopverlängerung. Mit diesen Geräten können an stehenden Bäumen vom Boden aus Äste abgesägt werden (vgl. Bild 1).

Für Arbeiten am liegenden Holz und den Motorsägeneinsatz zur Brennholzbereitung bieten diverse Ausbildungseinrichtungen Kompaktkurse an. In diesen Lehrgängen werden die Handhabung der Kettensäge, sichere und gesundheitsschonende Arbeits- und Schnitttechniken sowie Grundlagen der Motorsägentechnik gelehrt. Die Kurzkurse ersetzen keine klassische Waldarbeiterausbildung, die für das Fällen von Bäumen erforderlich ist. Um für dieses komplexe Arbeitsgebiet gerüstet zu sein, ist eine weitergehende Ausbildung erforderlich.

Ausbildungslehrgänge für Motorsägenführer bietet zum Beispiel die staatliche Walbauernschule in Goldberg bei Kehlheim an (www.waldbauernschule.de).

Handhabung der Motorsäge

Grundsätzlich sind folgende Anwendungstipps beim Einsatz einer Motorsäge zu beachten:

  • Vor Beginn der Arbeiten Arbeitsschritte planen.Bild 2: Fachgerechtes Starten der Motorsäge
  • Zum Starten die Motorsäge auf ebenen Boden stellen und mit der rechten Fußspitze im hinteren Handgriff fixieren.
    Sowie Kettenbremse einlegen (vgl. Bild 2) - bzw. Bedienungsanleitung des Herstellers beachten.
  • Beim Sägen ist die Kettensäge fest mit sicherem Griff und beiden Händen zu halten.
  • Auf sicheren Stand achten.
  • Nicht über Schulterhöhe sägen.
  • Beim Entasten und Ablängen eines liegenden Stammes auf Spannungen im Holz achten (je nach Lage des liegenden Stammes oder Wuchsrichtung der Äste, kann das Holz ausschlagen oder das Sägenschwert einklemmen).
  • "Stechschnitt" nur dann durchführen, wenn man mit dieser Arbeitstechnik vertraut ist.
  • Nicht mit dem oberen Viertel der Schienenspitze sägen - das Sägenschwert kann hochschlagen.
  • Im Schwenkbereich der Motorsäge dürfen sich keine weiteren Personen aufhalten.

Motorsägentechnik

Auf dem Markt werden heute vielfältige Modelle unterschiedlicher Größe, Leistung, Gewicht und Preisklasse angeboten.
Die nachfolgenden Hinweise helfen, für jeden Einsatzzweck die richtige Säge auszuwählen.

  • Sollen Arbeiten in geringerem Umfang im Hausgarten und zur Brennholzbereitung durchgeführt werden, so kann eine elektrisch getriebene Säge eine Alternative sein. Diese sind deutlich leiser als benzingetriebene Sägen, was in Wohngebieten von Vorteil sein kann.
  • Benzingetriebene Sägen bieten neben kabelunabhängigem Arbeiten mehr Leistung und ein höheres Drehmoment.
  • Motorleistung und Gewicht der Motorsäge richten sich nach der Schwertlänge. Für den universellen Einsatz reichen mittlere Schwertlängen aus.
  • Im Winter ermöglicht eine Griffheizung einen sicheren Halt der Säge und bietet einen höheren Arbeitskomfort.
  • Abgaskatalysatoren dienen der Gesundheit: Es werden weniger schädliche Dämpfe ausgestoßen.
Bild 3: Schwertschutz zum Schutz der Sägenkette

Sicherheitstechnik an der Motorsäge

Achten Sie beim Kauf einer Kettensäge auf folgende Sicherheitstechniken:

  • Schwertschutz (schützt die Sägenkette bei Lagerung und Transport; vgl. Bild 3).
  • Kettenbremse (stoppt die Sägenkette beim Hochschlagen der Säge).
  • Handschutz am vorderen und hinteren Handgriff (schützt die Hände, um die Säge jederzeit sicher zu halten).
  • Kettenfangbolzen (verhindert das Herumschlagen einer abgerissenen Sägenkette).Bild 4: Gashebelsperre am hinteren Handgriff
  • Krallenanschlag (ermöglicht ein sicheres Ansetzen und Führen der Motorsäge am Baumstamm).
  • Gashebelsperre (verhindert ein unabsichtliches Gasgeben; vgl. Bild4 ).
  • Rückschlagarme Sägenkette (reduziert das Hochschlagen der Motorsäge).
  • Antivibrationssystem (reduziert die Überleitung von Schwingungen von der Säge auf die Hände des Motorsägenführers; vgl. Bild 5).
  • Aufpuffabschirmung (schützt vor Verbrennungen).
Bild 5: Antrivibrationssystem an der Motorsäge

Jede Motorsäge muss den einschlägigen europäischen Bestimmungen entsprechen. Dies bescheinigt der Hersteller durch Anbringen eines sogenannten CE-Zeichens an der Säge und Beifügen einer EG-Konformitätserklärung. Achten Sie beim Kauf darauf (vgl. Bild 6).

Bild 6: Prüfzeichen an der Motorsäge

Zudem muss eine Bedienungsanleitung in deutscher Sprache mitgeliefert werden. Darin sind Informationen über den sicheren Einsatz und die Wartung der Säge enthalten. Zudem werden Arbeitstechniken beschrieben und die erforderliche Schutzkleidung aufgelistet.

Kraftstoff

Benzingetriebene Motorsägen sind in aller Regel mit Zweitaktmotoren ausgestattet. Diese benötigen als Kraftstoff ein Benzin-Öl Gemisch. Beim Verbrennen dieses Treibstoffes im Motor entstehen gesundheitsschädliche Abgase, insbesondere durch den Benzolanteil im herkömmlichen Superbenzin.
Bild 7: Benzolarmer Sonderkraftstoff für die Motorsäge Deshalb verwenden Profis sogenannte benzolarme Sonderkraftstoffe für die Motorsäge. Sonderkraftstoffe sind Fertigmischungen. Sie bitten neben Schutz der Gesundheit eine höhere Startfreudigkeit der Motorsäge und können verschleiß mindernd wirken (vgl. Bild 7).

Schutzkleidung

Es ist unerlässlich, bei jedem Einsatz einer Motorkettensäge komplette Schutzkleidung zu tragen. Diese besteht aus einem Schutzhelm mit Gesichts- und Gehörschutz, einer Schnittschutzhose und Schnittschutzstiefel oder Schnittschutzschuhe.

Der Forsthelm schützt vor herabfallenden Ästen, Todholz und dergleichen. Wegfliegende Späne oder Baumteile können die Augen oder das Gesicht verletzen.
Bild 8: Herstelldatum Oktober 2009, unterhalb des Gesichtsschirms eines ForsthelmsDavor bewahrt der Gesichtsschutz am Forsthelm. Der hohe Schalldruck der Motorsäge kann das Gehör dauerhaft schädigen. Deshalb ist bei benzingetriebenen Motorsägen unbedingt ein Gehörschutz zu tragen. Forsthelme unterliegen einem Alterungsprozess. Sie sind regelmäßig zu erneuern auch dann, wenn sie augenscheinlich noch in Ordnung sind. In der Regel sollten sie alle 5 Jahre ausgetauscht werden. Das Herstelldatum ist im Helm unterhalb des Gesichtsschirms einge-prägt (vgl. Bild 8).

Bild 9: Motorsägenwappen als Prüfzeichen auf der Schnitthose

Die Schnittschutzhose kann durch ihre Kunststofffäden im vorderen Beinbereich vor schweren Schnittverletzungen schützen. Zum Beispiel wenn der Motorsägenführer ausrutscht oder die Säge unkontrolliert herumschlägt. Beschädigte Schnittschutzhosen, bei denen die Schnittschutzeinlage herausgezogen wurde, sind unverzüglich zu ersetzen. Achten Sie beim Kauf einer neuen Schnittschutzhose auf das aufgedruckte Motorsägenwappen. Nur dann können Sie davon ausgehen, dass es sich um eine geprüfte Schnittschutzhose handelt (vgl.Bild 9).

Zusätzlich zur Schnittschutzhose benötigt der Motorsägenführer Stiefel oder Schuhe mit Schnittschutzeinlage.
Bild 10: Schnittschutzschuh mit Schnittschutzeinlage und Prüfzeichen Hierbei ist eine Kevlareinlage im Fußrist eingenäht. Die Kevlareinlage kann das Eindringen der Sägenkette in den Fußrist wirksam verhindern. Zudem sind Schnittschutzschuhe- oder Stiefel mit Stahlkappe und griffiger Sohle ausgestattet (vgl. Bild 10).

Forstjacken in Signalfarben lassen Waldarbeiter bereits von Weiten erkennen. Insbesondere bei schlechter Sicht ist das ein deutliches Plus an Sicherheit.

Bedenken Sie jedoch: Keine Schutzkleidung kann absoluten Schutz vor Verletzungen bieten, deshalb sind die richtigen Schnitttechniken umsichtiger und ein besonnener Umgang mit der Motorsäge und ein gesundes Maß an Selbsteinschätzung Garanten für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. Nur wer ausreichend geschult und ausgebildet ist, kann sicher und effektiv mit der Motorsäge arbeiten.

Bildnachweis: © LBG Niederbayern/Oberpfalz und Schwaben