In der gemütlichen Stubenzeit haben Kerzen Hochkonjunktur. An rauen Herbst- und Wintertagen bringt der Glanz des Lichts eine behagliche Stimmung ins Zuhause. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: Immer wieder gerieten Kerzen in der Vergangenheit aufgrund ihrer Rohstoffe, Schadstoffe, Duftstoffe oder unkontrollierter Flammenentwicklung in die Kritik. Wer ein paar Regeln beachtet, muss sich allerdings keine Sorgen machen, wenn die Stimmungsmacher brennen.
Die allermeisten Kerzen bestehen aus Paraffin, das aus fossilem und damit nur begrenzt zur Verfügung stehendem Erdöl gewonnen wird. Paraffin ist ein preiswerter Rohstoff und brennt aufgrund seines niedrigen Schmelzpunkts rasch ab. Weil das Material leicht verbiegt, wird hochwertigeren Paraffinkerzen natürliches Stearin mit einem höheren Schmelzpunkt beigefügt.
Stearin ist deutlich teurer als Paraffin und wird aus nachwachsenden Rohstoffen pflanzlichen oder tierischen Ursprungs gewonnen. Ausgangsmaterialien sind häufig Palm- und Kokosfette, seltener Rindertalg und sonstige Fette. Das edel schimmernde Wachs brennt länger, rußt besonders wenig und tropft nicht. Kerzen, die als Stearinkerzen gekennzeichnet sind, müssen zu mindestens 90 Prozent aus Stearin bestehen. Um ein Bröckeln der stabilen Kerzen zu vermeiden, wird häufig etwas Paraffin beigemischt.
Bienenwachs stammt aus den Waben der Honigbienen und ist mit Abstand das teuerste Kerzenmaterial. Besonders geschätzt werden der feine Duft, die Honigfarbe und die lange Brenndauer. Nur wenn die Brennmasse aus Bienenwachs ohne jegliche Beimischung besteht, dürfen Kerzen als Bienenwachskerzen bezeichnet werden.
Wer beim Kauf von Wachslichtern auf die Umwelt achtet, kann lediglich den Ursprung des Rohstoffs als Kriterium heranziehen. Danach sind Kerzen aus Paraffin weniger empfehlenswert, weil sie aus einem nicht nachwachsenden Rohstoff bestehen. Umgekehrt sammeln Kerzen aus Stearin und Bienenwachs Pluspunkte, denn die natürlichen Rohstoffe wachsen nach.
Ganz ungetrübt ist die Empfehlung allerdings nicht: Für die Gewinnung von Palmöl werden aus wirtschaftlichen Interessen wertvolle Urwälder gerodet. Ob der Rohstoff für Stearinkerzen aus Raubbau oder nachhaltigem Anbau stammt, können Verbraucher beim Kauf von Kerzen nicht erkennen. Bienenwachs steht nur begrenzt zur Verfügung, deshalb ist auch der Marktanteil von Bienenwachskerzen mit ein bis zwei Prozent sehr klein. Während sich das kostbare Material für Vielkonsumierer eher weniger eignet, kommen sparsame Kerzenverwender damit voll auf ihre Kosten.
Aber nicht nur der Rohstoff ist entscheidend bei der Kerzenwahl, auch die Qualität und der Preis müssen stimmen. Unter diesem Blickwinkel können auch hochwertige Paraffinkerzen kritischen Verbraucherfragen Stand halten.
Das Abbrennen von Kerzen verschlechtert die Qualität der Raumluft. Wie bei jeder unvollständigen Verbrennung entstehen dabei verschiedene Schadstoffe. Die feinen Partikel steigen mit der heißen Luft nach oben, werden zu Bestandteilen des Schwebstaubs und können eingeatmet werden. Allerdings ist die Schadstoffbelastung aus Kerzenwachsen – egal ob Paraffin-, Stearin- oder Bienenwachs – sehr gering. Entscheidend ist vielmehr der richtige Umgang mit den Produkten.
Wichtig ist, vor und nach der Benutzung von Kerzen die Raumluft durch gründliches Lüften auszutauschen. Beim Abbrennen kommt es darauf an, die Entstehung von Ruß zu vermeiden. Je mehr die Flamme zum Beispiel durch Zugluft flackert, desto unvollständiger verbrennt das Wachs und umso mehr Schadstoffe entstehen.
Tipps zur Reduzierung von Ruß finden Sie bei Tipps zum Umgang mit Kerzen.
Auch Kerzenfarben und Lacküberzüge gaben in der Vergangenheit Anlass zu Beschwerden. Um gute Qualität und ein hohes Maß an Sicherheit zu garantieren, hat die Kerzenindustrie mit dem „RAL-Gütezeichen Kerzen“ einen Gütestandard festgelegt. Danach dürfen bedenkliche Stoffe nicht oder nur in begrenzten Mengen in Kerzen vorkommen. Auch die Brennmasse und der Docht müssen definierte Anforderungen erfüllen. Kerzen mit dem „RAL-Gütezeichen Kerzen“ sind auf jeden Fall eine gute Wahl.
Duftkerzen sind betörend, aber auch belastend, denn Duftstoffe verträgt nicht jeder. Einige können Allergien hervorrufen, die Haut reizen oder bei Asthmatikern Bronchialkrämpfe auslösen. Bei Menschen, die auf Chemikalien empfindlich reagieren, kann es zu Kopfschmerzen, tränenden Augen und Übelkeit kommen.
Deshalb sollten Menschen mit einem erhöhten Risiko auf duftende Kerzen verzichten. Das gilt für Allergiker, Asthmapatienten und vorsorglich auch für Schwangere, Kleinkinder und Menschen mit allgemeiner Chemikalienempfindlichkeit. Aber auch gesunde Menschen sollten Duftkerzen sparsam und nicht ständig verwenden und vor allem nach dem sinnlichen Erlebnis das Fenster öffnen.
Bevor Sie Kerzen anzünden, am besten kurz frische Luft ins Zimmer lassen. Nach dem Lichtritual auf jeden Fall gründlich lüften.
Vermeiden Sie die Bildung von Ruß und Rauch, indem Sie
Je dicker die Kerze ist, desto länger sollte sie brennen. Mindestens so lange, bis der ganze Kerzenteller flüssig geworden ist. Schmilzt nämlich nur das Wachs in Dochtnähe, bildet sich in der Mitte ein Krater. Der tiefstehende Docht führt im weiteren Gebrauch dazu, dass die Flamme flackert, rußt und schließlich verkümmert.
Die besondere Note im Zimmer ist nicht jedermanns Sache. Zünden Sie Duftkerzen nur an, wenn anwesende Freunde, Gäste und die Familie einverstanden sind.
Lassen Sie brennende Kerzen nie unbeobachtet im Raum zurück.
Stellen Sie Kerzen nicht in der Nähe leicht brennbarer Gegenstände auf.