Bayerisches Staatsministerium für
Umwelt und Verbraucherschutz

Sicherheitstechnische Anforderungen an Feuerzeuge

Von: Kuno Seiler - Regierung von Mittelfranken, Gewerbeaufsicht

Seit mehr als 15 Jahren haben die Staaten USA, Kanada, Australien und Neuseeland Anforderungen an die Kindersicherheit gestellt. Durch die Einführung von Kindersicherheitsanforderungen bei Feuerzeugen ist die Zahl der Unfälle in den USA um 60% gesunken. In Europa selbst ereigneten sich schätzungsweise 1220 Brände, 260 Unfälle mit Verletzungen und 20 Unfälle mit Todesfolge, die durch mit Feuerzeugen hantierende Kinder entstanden sind.

Feuerzeuge, die wegen fehlender Kindersicherung in den letzten Jahren durch die Marktüberwachungsbehörden auf dem europäischen Markt aufgefunden wurden, waren Anlass zu vermehrten Meldungen über das Schnellinformationssystem RAPEX.
Die wichtigsten sicherheitstechnischen Anforderungen an Feuerzeuge sind nachfolgend erläutert.

Definition Feuerzeug

Bei einem Feuerzeug kann mittels manuell betätigten Zündmechanismus (Reibrad, Piezozündung) ein Brennstoff (Benzin oder Gas) entzündet werden. Mit der erzeugten Flamme können Gegenstände, wie Tabakwaren oder auch anderes, wie Papier, Kerzen usw. angezündet werden.
Mehrzweckfeuerzeuge (Utility Lighter) sind Feuerzeuge, deren Hauptzweck das Entzünden von Gasherden und Grills ist. Für sie gelten besondere Bestimmungen.
Neben diesen Feuerzeugen gibt es noch Luntenfeuerzeuge, bei denen ein imprägnierter Baumwolldocht mittels Reibstein zum Glimmen gebracht wird.

Gefahren durch Feuerzeuge

  1. Wenn das Feuerzeug selbst nicht stabil genug ist bzw. wenn ungewollt Brennstoff austritt, der sich an einer Zündquelle entzünden kann, können Brandverletzungen die Folge sein.
  2. Wenn Feuerzeuge in Kinderhände gelangen oder missbräuchlich benutzt werden können Brandverletzungen bzw. aus Unkenntnis der Gefahren - Brände entstehen.

Gesetzliche Grundlagen

Feuerzeuge fallen in den Geltungsbereich der Feuerzeugverordnung (Verordnung über die Bereitstellung kindergesicherter Feuerzeuge auf dem Markt). Sofern dort keine konkreten Regelungen getroffen sind, ist das Gesetz über die Bereitstellung von Produkten auf dem Markt (Produktsicherheitsgesetz – ProdSG) gültig.

Mit der Feuerzeugverordnung vom 03.04.2007 wurde die Entscheidung der Europäischen Union von 2006 (2006/502/EG), dass nur noch kindergesicherte Feuerzeuge bereit gestellt werden dürfen bzw. das Bereitstellen von „Feuerzeugen mit Unterhaltungseffekt = Novelty Lighter“ untersagt wird, in nationales Recht umgesetzt. Damit dürfen die vorgenannten Feuerzeuge seit dem 11.03.2008 nicht mehr in den Handel gelangen.

Die Geltungsdauer der Entscheidung 2006/502/EG wurde zwischenzeitlich mehrfach verlängert (zuletzt mit Beschluss 2014/61/EU bis Mai 2015), da noch immer nicht kindergesicherte Feuerzeuge bzw. Feuerzeuge mit Unterhaltungseffekt auf dem europäischen Markt angeboten werden. Die Marktüberwachung wird darin aufgefordert in Form von gezielten Probenahmen und restriktiver Maßnahmen verstärkt tätig zu werden. Gezielte Aktionen wurden hierzu in einigen Bundesländern bereits durchgeführt.

Technische Regeln

Für Feuerzeuge sind 3 Technische Regeln einschlägig:

  • DIN EN ISO 9994 „Feuerzeuge –
    Festlegungen für die Sicherheit“
  • ISO 22702 „Utility Lighters –
    General consumer-safety requirements
  • DIN EN 13869 “Kindergesicherte Feuerzeuge –
    Sicherheitsanforderungen und Prüfverfahren“

Die ISO 9994 gilt sowohl für Benzin- als auch Gasfeuerzeuge und stellt sicherheitstechnische Anforderungen hinsichtlich:

  • der Betätigung,
  • der Flammenhöhe- auch bei einstellbaren Feuerzeugen,
  • dem Erlöschen der Flamme
    (z.B. max. 2 sec bzw. 5 sec nach Loslassen des Betätigungsknopfes muss die Flamme erlöschen)
  • der Widerstandfähigkeit
    • bei Fall (Fallprüfung aus 1,5 m Höhe),
    • bei erhöhter Temperatur (Test bei 65 °C)
    • gegen Innendruck (Prüfung mit 2-fachen Dampfdruck bei 55°C für den vorgesehenen Brennstoff) sowie Brenndauer (ausgelegt auf 20 sec)
  • der Kennzeichnung (Logo oder Namen des Herstellers/Lieferanten)
    sowie Gebrauchs- und Sicherheitshinweise.
    • Gebrauchshinweise sind z.B. erforderlich für nachfüllbare Feuerzeuge. Sie können in Form eines Textes oder in Form von Sicherheitskennzeichen dem Feuerzeug beigefügt sein.
    • Die Sicherheitshinweise müssen auf dem Feuerzeug selbst angebracht oder in einer separaten Broschüre oder Zettel dem Feuerzeug beigepackt sein oder auf der Produktverpackung für den Verbraucher, wie sie am Verkaufspunkt ausgelegt wird, angebracht sein.

Bei Einwegfeuerzeugen ist die Angabe von Sicherheitshinweisen in Textform bzw. in Piktogrammform ausreichend:

  • Allgemeines WarnzeichenAllgemeines Warnzeichen
  • Von Kindern fernhalten oder für Kinder unerreichbar aufbewahrenWarnzeichen: Von Kindern fernhalten
  • Das Feuerzeug enthält entzündliches Gas unter Druck
    Warnzeichen "Das Feuerzeug enthält entzündliches Gas unter Druck"
  • Nicht einer Erwärmung über 50 °C oder längerer Sonneneinstrahlung aussetzenWarnzeichen "Keiner Erwärmung über 50 Grad aussetzen"
  • Niemals einstechen oder ins Feuer legen.
  • Beim Zünden von Gesicht und Kleidung fernhalten

ISO 22702 "Utility Lighter – Mehrzweckfeuerzeuge":

Diese Norm gilt für Mehrzweckfeuerzeuge, die primär dazu bestimmt sind Kerzen, Grills, Laternen, Gasherde zu entzünden.

  • Es muss eine Gesamtlänge von 100 mm oder mehr aufweisen.
  • Die Anforderungen entsprechen weitgehend den Anforderungen der ISO 9994 wobei hier größere Flammenhöhen zulässig sind.
  • Die Flamme selbst muss nach 3 sec nach dem Loslassen des Betätigungsknopfes erlöschen.
  • Mehrzweckfeuerzeuge müssen für eine ununterbrochene Brennzeit von 2 min gebaut sein.
Mehrzweckfeuerzeug
Mehrzweckfeuerzeug

DIN EN 13869 „Kindergesicherte Feuerzeuge“:

Die Norm legt die Anforderungen für die Kindersicherheit von Feuerzeugen fest. Hier werden Kriterien aufgestellt, wann ein Feuerzeug für Kinder als ansprechend gilt (früher: Feuerzeuge mit Unterhaltungseffekt).

Die Feuerzeugverordnung verlangt von allen Feuerzeugen eine Kindersicherung!
Ausgenommen sind nur „Luxusfeuerzeuge“ (§1 Abs. 2 Feuerzeugverordnung).
Bei diesen kann auf die Kindersicherung verzichtet werden, wenn sie

  • in Hinblick auf die zu erwartende Lebensdauer von mind. 5 Jahren (einschließlich Reparatur) entwickelt, hergestellt und verkauft werden,
  • sie während ihrer gesamten Lebensdauer sicher nachfüllbar und reparaturfähig sind
  • eine Herstellergarantie von mindestens zwei Jahren gewährt wird und
  • es gewährleistet ist, dass sie nach Ablauf der Garantie von einer vom Hersteller zugelassenen oder spezialisierten Kundendiensteinrichtung mit Sitz im europäischen Wirtschaftsraum ersetzt oder repariert werden können.

Die Kindersicherung wird durch die Hersteller in verschiedener Weise sicher gestellt.
So gibt es z. B. Feuerzeuge,

  • die nur mit erhöhter Betätigungskraft gezündet werden können oder
  • bei denen ein mechanischer Schutz überwunden werden muss, um das Feuerzeug zu zünden.

Die Kindersicherheit muss vom Hersteller vor dem Inverkehrbringen durch ein Prüfverfahren (Ziffer 5 der EN 13869) oder nach US – Sicherheitsnorm nachgewiesen sein.

Im Rahmen der Prüfung der Kindersicherheit dürfen von 100 Kindern 85 Kinder das Feuerzeug nicht erfolgreich betätigen können.

Symbol für kindergesicherte Feuerzeuge

Kindergesicherte Feuerzeuge werden mit folgendem Symbol gekennzeichnet:

Der Produzent des Feuerzeuges muss jeder Versandeinheit eine Übereinstimmungserklärung beilegen, in der u. a. bestätigt wird, dass die Anforderungen der Norm EN 13869 eingehalten sind.

Verbot des Inverkehrbringens von Kinder ansprechenden Feuerzeugen mit Unterhaltungseffekt

Die zweite Zielrichtung der Feuerzeugverordnung ist das Verbot von Feuerzeugen mit Unterhaltungseffekt.

Feuerzeuge mit Unterhaltungseffekt sind Feuerzeuge, die für Kleinkinder wie Spielzeug aussehen oder von denen akustische Effekte oder Animationsbilder ausgehen. Hierzu gehören beispielsweise Feuerzeuge oder deren Halter, die Cartoonfiguren, Spielzeuge, Schusswaffen, Uhren, Telefone, Musikinstrumente, Fahrzeuge, Tiere, Nahrungsmittel oder Getränken ähneln. Oder solche die Melodien spielen oder Lichteffekte aufweisen.

Feuerzeuge mit Unterhaltungseffekt
Feuerzeuge mit Unterhaltungseffekt

Tipps für Verbraucher:

  • Als verantwortungsbewusster Nutzer von Feuerzeugen sollte man generell mit der Anwesenheit von Kindern rechnen. Daher Feuerzeuge nicht frei herumliegen lassen!
  • Bedenken Sie, dass Einmalfeuerzeuge eine Ressourcenverschwendung bedeuten!
  • Nutzen Sie Feuerzeuge entsprechend ihrem Bestimmungszweck (z.B. zum Anzünden von Laternen eignen sich nur Mehrzweckfeuerzeuge).
  • Lassen Sie Feuerzeuge nicht offen im Auto liegen. Bei Temperaturen von über 50°C kann Gas austreten und eine explosive Atmosphäre bilden.
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