
Handschuhe bieten als „zweite Haut“ Schutz gegen vielfältige Verletzungen, wie sie durch Schnitte, Stiche, Quetschungen, Schläge, Abschürfungen, Hitze, Kälte und chemische Einflüsse verursacht werden können.
Dieser Beitrag soll über Schutzhandschuhe informieren, wie sie im Haushalt vor allem bei Garten- und Reinigungsarbeiten benutzt werden.
Dem Leser werden Informationen an die Hand gegeben, mit deren Hilfe er aus der Vielzahl unterschiedlicher Handschuhe und Preissegmente den für seine Tätigkeit geeigneten Handschuh auswählen kann - der schützt und gut passt!
Denn was nützt ein Schutzhandschuh, wenn er nicht getragen wird?
Wenn das Arbeiten mit ihm hinderlich oder unangenehm ist oder er dem Träger sogar Schaden zufügt?
Schutzhandschuhe sollten (gemäß der Norm DIN EN 420) dem Benutzer einen Mindestschutz gegen folgende Gefahren bieten:
Handschuhe, welche einen darüber hinausgehenden Schutz bieten sollen (z.B. gegen Schnitte, Chemikalien, Mikroorganismen, Hitze und Feuer) werden in diesem Artikel nicht betrachtet, da sich deren Verwendung hauptsächlich auf den gewerblichen Bereich beschränkt.
Schutzhandschuhe werden hauptsächlich aus Kunststoffen, Textilfasern, Leder oder aus Kombinationen dieser Werkstoffe hergestellt.
Als Kunststoffe kommen hauptsächlich „Gummi“ (vernetzte Elastomere aus z.B. Kautschuk) oder Thermoplaste (z.B. Polyvinylchlorid, Polyethylen) zum Einsatz.
Die Schutzhandschuhe werden in diesem Fall aus Folie, einem Kunststoff mit textilem Beschichtungsträger (Voll- oder Teilbeschichtung) oder einem Kunststoff ohne Beschichtungsträger hergestellt.
Schutzhandschuhe aus Kunststoff sollen flexibel und widerstandsfähig gegen mechanische Einwirkungen sein. Sie können so verarbeitet sein, dass sie flüssigkeitsdicht und weitgehend beständig sind gegen Öle, Fette, Säuren und Lösemittel. Da das Material von Kunststoff-Schutzhandschuhen unter Wärmeeinwirkung erweichen kann, ist der Kontakt mit heißen Gegenständen zu vermeiden.
Zur Erhöhung der Griffsicherheit eignet sich das Aufbringen eines abriebfesten Granulats oder eine Profilierung mit Noppen oder Rippen.
Gummi ist weitgehend flüssigkeitsdicht und bedingt gasundurchlässig. Durch Gewebeeinlagen wird erhöhte Reißfestigkeit und Widerstandsfähigkeit gegen scharfe und spitze Gegenstände erreicht. Gummi bietet im Allgemeinen guten Schutz gegen reizende oder leicht ätzende anorganische Stoffe (z.B. Zement). Handschuhe mit geringer Materialdicke eignen sich gut für Tätigkeiten, die Tastgefühl erfordern.
Textilfasern bestehen aus textilen Strickgeweben aus Naturfasern bzw. Chemiefasern. Schutzhandschuhe aus reinen Naturfasern wie Baumwolle eignen sich lediglich für trockene Arbeiten, ihr Schutz gegen mechanische und thermische Belastungen ist gering. Durch entsprechende Ausrüstung und Verarbeitung lässt sich insbesondere die Schnittfestigkeit verbessern.
Schutzhandschuhe aus oder mit Chemiefasern (z.B. Polyamid, Polyester oder Aramid), zeichnen sich durch hohe Festigkeit und gute mechanische und thermische Eigenschaften aus.
Textile Flächengebilde werden auch in Kombination mit Leder, Gummi oder Kunststoff zu Schutzhandschuhen verarbeitet.
Der wohl am häufigsten eingesetzte Werkstoff für die Herstellung von Schutzhandschuhen im Heim- und Freizeitbereich ist das Leder.
Vorteile von Leder sind seine mechanische Festigkeit, seine Wasserdampfaufnahme (Körperschweiß), der Transport des aufgenommenen Wasserdampfes nach außen und die gute Isolation gegen Hitze und Kälte.
Die Dicke des Leders muss dem jeweiligen Verwendungszweck angepasst sein: Je dünner das Leder, desto besser das Tastgefühl.
Durch das Verfahren der Gerbung wird die tierische Haut - hauptsächlich vom Schwein, vom Rind oder der Ziege - in ein dreidimensionales Fasergeflecht vernetzt und zu Leder umgewandelt.
Dabei findet eine irreversible chemische Reaktion zwischen den Eiweißmolekülen der Haut und den Gerbstoffen statt.
Das so gewonnene Narben- oder Spaltleder ist geschmeidig und elastisch, es ermöglicht im Falle von Schutzhandschuhen eine gute Fingerbeweglichkeit verbunden mit hohem Tragekomfort bei gleichzeitigem Schutz der Haut und der Hände.
Narbenleder ist durch seine feste und glatte Oberfläche beständig gegen Öle und Fette. Es ist schnittempfindlicher als Spaltleder und wird dort eingesetzt, wo feinfühlig gearbeitet werden muss.
Spaltleder aus dem unteren Hautbereich hat wegen seiner dichteren Faserstruktur gegenüber gleich dickem Narbenleder eine höhere Festigkeit, ist aber nicht so weich. Durch spezielle Zusatzbehandlung, z.B. Beschichtung, lässt sich die Schutzwirkung weiter erhöhen.
Das mit über 90% angewandte und damit wichtigste Gerbverfahren ist die Chromgerbung mit Chrom(III)-Salzen. Es ist das am besten untersuchte und optimierte Verfahren zur Lederherstellung und kann sehr schnell und wirtschaftlich durchgeführt werden.
Die Chromgerbung ermöglicht die Herstellung widerstandsfähiger, reißfester und gleichzeitig sehr weicher Leder – ein bedeutender Vorteil im Tragekomfort von Schutzhandschuhen.
Chromgegerbte Lederschutzhandschuhe werden heute zu etwa 90% aus Drittländern, insbesondere Pakistan, China und Indien, bezogen. Sie lösen immer wieder Diskussionen aus, dass sie Allergien und Hautschäden auslösen bzw. begünstigen.
Chromsalze zeigen abhängig von ihrer Wertigkeitsstufe unterschiedliche Toxizitäten:
Die bei der Chromgerbung verwendeten Chrom(III)-Salze sind für den Menschen unschädlich und können nicht durch die Haut in den Körper gelangen.
Schädlich für den Körper können jedoch die unter gewissen Umständen aus den harmlosen Chrom-III-Salzen entstehenden Chrom-VI-Salze (sechswertiges Chrom, Chromate) sein, die je nach Konzentration Hauterkrankungen hervorrufen können.
Chromate können schon bei der Herstellung oder erst während der Benutzung entstehen. Dabei kann nicht-ledergebundenes überflüssiges Chrom-III, welches sich dauerhaft in Kontakt mit alkalischen Medien oder dem Luftsauerstoff befindet, in Chromat überführt werden. Die Chromgerbung kann daher ein Problem darstellen wenn der Gerbprozess unkontrolliert und unter Nichtbeachtung notwendiger Qualitätskriterien erfolgt, wie dies oft bei Billigprodukten der Fall ist.
DIN Norm EN 420 legt deshalb als Obergrenze 10mg Chrom VI pro Kilogramm Leder fest. Die Einhaltung dieses Grenzwertes ist für den Hersteller verpflichtend und wird von den Marktaufsichtsbehörden stichprobenartig überprüft.
Schutzhandschuhe sind nach den Angaben des Herstellers bestimmungsgemäß zu benutzen. Sie dürfen keinen Einflüssen (z.B. Chemikalien, Hitze) ausgesetzt werden, die ihren sicheren Zustand beeinträchtigen können.
Schutzhandschuhe sind vor jeder Benutzung auf Beschädigungen und Verunreinigungen zu prüfen. Beschädigte oder verunreinigte Schutzhandschuhe sollten über den Hausmüll entsorgt werden Ein Lufttest durch „Aufblasen“ bei Gummihandschuhen kann z.B. eine Undichtigkeit erkennen lassen.
Ein kontaminierter Handschuh oder eine nicht erkannte Undichtigkeit können dazu führen, dass die Haut über einen längeren Zeitraum und oft unbemerkt mit hautschädigenden Stoffen in Kontakt kommt. Das stets feuchtwarme Klima im Handschuhinneren erhöht dabei die Gefahr von Hautreizungen und –schäden.
Beim Tragen von Schutzhandschuhen kann Schweißbildung an den Händen auftreten, die sich kurzfristig durch einen textilen Innenhandschuh mindern lässt. Die Verwendung von Innenhandschuhen geht allerdings zu Lasten des Tastgefühls und kann die Griffsicherheit beeinträchtigen. Zu empfehlen ist daher ein häufiger Wechsel der Handschuhe.
Schutzhandschuhe sollten zum Trocknen auf geeignete Vorrichtungen, z.B. Zapfen aufgesteckt werden und bei Durchlässigkeit sofort ersetzt werden.
Bei Arbeiten mit rotierenden Werkzeugen (z.B. Kreissäge, Bohrmaschine u. ä.) sollten keine Schutzhandschuhe getragen werden: durch den Kontakt des Handschuhs mit dem rotierenden Werkzeug kann in Sekundenbruchteilen die Hand oder gar der Arm eingezogen werden.
Vor allem bei Gartenarbeiten besteht die Gefahr, sich mit dem Tetanus-Erreger zu infizieren, welcher durch kleine Hautverletzungen über die Erde übertragen wird. Hier sollte spätestens nach 10 Jahren der Impfschutz aufgefrischt werden.
In den letzten Jahren hat sich das Verbreitungsgebiet der mit dem FSME-Erreger infizierten Zecken ausgeweitet. Deshalb sollte bei Gartenarbeiten ebenfalls der FSME-Impfschutz überprüft werden.
Schutzhandschuhe können Materialien enthalten, die Allergien verursachen können. Daher sollte diese Gefahr bei empfindlicher Haut durch die Verwendung textiler Unterziehhandschuhe verringert werden.
Zu den bekannten Allergenen gehören zum Beispiel Thiurame, Carbamate, Latex und Handschuhpuder.
Unterziehhandschuhe oder Hautschutzmittel sind auch bei starker Schweißbildung erforderlich, da sonst eine Hautaufweichung erfolgen kann. Zum Schutz der Haut sollten nach der Verwendung von Schutzhandschuhen Hautreinigungs- und Hautpflegemittel eingesetzt werden.
Gepuderte Latex-Einmalhandschuhe sind wegen Allergiegefahr zu meiden.
Zusätzlich muss das CE-Zeichen angebracht sein
Diese Angaben sollen dem Anwender Umfang und Grenzen der Schutzfunktion verdeutlichen und sicherstellen, dass der jeweils geeignete Schutzhandschuh für die ermittelte Beanspruchung gewählt wird.