Bayerisches Staatsministerium der
Justiz und für Verbraucherschutz

Leiter - richtiger Anstellwinkel, ca. 75 Grad

Leitern - Auswahl und Sicherheit

Von: Stefan Faltermeier - Regierung von Niederbayern - Gewerbeaufsicht

Wer denkt bei seinem Arbeitsvorhaben schon an die Gefahren, die auftreten sobald man sich auf eine andere Arbeitshöhe begibt? - Sie sollten es tun!

Leiterunfälle

Nach Angaben vieler Berufsgenossenschaften zählen Leiterunfälle nach wie vor zu den Spitzenreitern im Unfallgeschehen des gewerblichen Bereiches. Hierbei handelt es sich um "Profis", die tagtäglich mit Leitern und Tritten zu tun haben. Die im fachgerechten Umgang unterwiesen wurden und die regelmäßig geprüfte Leitern mit Betriebsanweisungen verwenden.

Man geht davon aus, dass sich in Deutschland jährlich 180.000 Leiterunfälle ereignen.
Davon etwa 50.000 im Freizeitbereich. Und hier schwerpunktmäßig zur Obsternte.

Immer die richtige Leiter

Ursache der meisten Unfällen ist das Verwenden von ungeeigneten Leitern. Beispielsweise werden Stufenstehleitern als Anlegeleitern verwendet. Stufenstehleitern sind jedoch von den Standflächen so ausgelegt, dass sie nur in aufgeklapptem Zustand sicheren Halt geben; zusammengeklappt bieten sie keine Standsicherheit. Sie neigen dazu, beim Aufsteigen nach hinten weg zu rutschen.

Leiter-FussStandflächen einer Sprossenleiter können mit verstellbaren Spitzen ausgestattet werden, die den Einsatz auf weichen Böden zulassen.

Fachleute benutzen Leitern, die speziell für Gartenarbeiten geschaffen sind (z.B. eine Obstbaumleiter). Für den Hausgarten kann die vorhandene Standard-Leiter mit Zusatzausrüstungen aus dem Fachhandel in eine für den Gartenboden geeignete Leiter verwandelt werden.

Wichtige Aspekte bei der Anschaffung und Verwendung einer Leiter

Vor Kauf und der Verwendung einer Leiter sollten Sie sich Gedanken über Einsatz-Zweck und Einsatz-Dauer machen.

Mittlereile werden Leitern mit vielen Zusatzoptionen angeboten. Wie Ablageschalen für Werkzeug oder Haken, um Eimer befestigen zu können.

Auch Leitern mit Stufen sind erhältlich. Diese bieten nicht nur größere Trittflächen und dadurch mehr Standsicherheit als normale Sprossen, sie ermöglichen auch ein längeres Stehen auf der Leiter. Wie bei allen Leitern ist hier auf Rutschfestigkeit (z.B. durch Riffelung) zu achten.

Generell ist darauf zu achten, dass die Ausstattung den eigenen Bedürfnissen entspricht.

Leitertypen

In der Normung unterscheidet man 14 Leitertypen mit ihren Variationen. An dieser Stelle möchten wir nur die wichtigsten nennen:

  1. Einteilige Sprossenanlegeleitern
  2. Steckleitern
  3. Schiebeleitern
  4. Sprossenstehleitern
  5. Mehrzweckleitern mit und ohne aufgesetzter Schiebeleiter
  6. Stufenanlegeleitern
  7. Einseitig und beidseitig besteigbare Stufenstehleitern

Für den normalen Haushalt reicht meist eine Stufen-Stehleiter mit drei bis vier Stufen aus. So erreichen Sie mit vier Stufen Arbeitshöhen von etwa 2,50 m. Mit jeder weiteren Stufe kommen Sie 25 cm höher.

Wenn Sie mit der Leiter z.B. aufs Dach steigen wollen, benötigen Sie eine Anlegeleiter.
Beim Aufstellen ist darauf zu achten, dass die Leiter noch mindestens einen Meter über den Anlegepunkt hinausragt, um sicher von oder auf die Leiter zu gelangen.

Stehleitern sind ungeeignet fürs Übersteigen und dürfen nicht als Anlegeleiter „missbraucht“ werden. Hier kann es sonst sehr schnell zum Umkippen oder Wegrutschen kommen.

Universeller einsetzbar sind Mehrzweckleitern. Diese kombinieren Schiebe-, Steh- und Anlegeleitern.

Wofür Leitern nicht geeignet sind

Für einige Einsatzfälle gibt es keine geeignete Leiter:

  1. Lang dauernde Arbeiten.
  2. Arbeiten mit schweren Gegenständen.
  3. Arbeiten bei denen beide Hände im Einsatz sind.
    Zum Beispiel Arbeiten mit der Heckenschere, Motor-Kettensäge u. ä.
    (Grundsätzlich gilt: „Eine Hand fürs Gerät – eine für die Leiter!“)
Leiter - Pictogramm

Für solche Einsatzzwecke sollten Sie überlegen, ob nicht der Einsatz eines Fahrgerüstes oder Hubsteigers geeigneter ist.

Sicherer Gebrauch von Leitern

Überprüfen Sie vor jedem Gebrauch, ob Ihre Leiter Sicherheitsmängel (wie z.B. verbogene Sprossen oder Holme, fehllende Gummikappen, ...) ausweist.

Schadhafte Leitern nicht mehr verwenden.

Beachten Sie die Betriebsanweisung.
Diese stellt in Piktogrammform die wichtigsten Regeln auf jeder Leiter dar (vgl. Bild).

Achten Sie bei Stehleitern darauf, daß die Spreizsicherung in Funktion ist.

Überprüfen Sie festen und sicheren Stand der Leiter.
Stellen Sie sich hierzu mit ganzem Gewicht auf jeden Leiterschenkel, so dass die Spitzen voll in das Erdreich eindringen.

Leiter- Richtiger Anstellwinkel, ca. 75 Grad

Anlegeleitern sind im Winkel von ca. 75 ° Schräge aufzustellen (vgl. nebenstehendes Bild).
Steiler aufgestellte Leitern kippen leicht nach hinten.
Flacher aufgestellte werden unzulässig durchgebogen und wippen beim Besteigen.

Nur geeignete Anlegepunkte wählen (keine zu kleinen Äste ...).

An Ästen, Geländern u.ä. anliegende Leitern sind dort mit Hilfe von Einhängehaken oder Spanngurten zu befestigen.
Diese Maßnahme gibt besondere Standfestigkeit.

Lehnen Sie sich während der Arbeit nicht seitlich hinaus (Umsturzgefahr).

Die Grundregel beim Arbeiten auf Leitern lautet:
"Stehe fest mit beiden Beinen und halte dich mit einer Hand fest!"

Stecken Sie benötigtes Werkzeug in einen dafür vorgesehenen Gurt bzw. in eine Werkzeugweste.

Hängen Sie mitgeführte Eimer o.ä. an dafür vorgesehen S-förmige Haken.

Stellen sie keine Leitern in ungesicherten Verkehrswegen auf.

Tragen Sie festes Schuhwerk.

Bildnachweis:
(Foto: Leiter-Anstellwinkel) © FA "Bauliche Einrichtungen" (FABE) beim BGHW
(Grafik: Leiter-Anstellwinkel) © FA "Bauliche Einrichtungen" (FABE) beim BGHW