Bayerisches Staatsministerium für
Umwelt und Verbraucherschutz

Einkauf und Betrieb von Treppenschrägaufzügen und Plattformaufzügen für Behinderte

Von: Walter Pasker - Regierung von Schwaben - Gewerbeaufsicht

„Sicher die Treppe nach oben“

Treppenschrägaufzüge und Rollstuhlplattformen dienen dazu, dass Personen mit eingeschränkter Beweglichkeit Hindernisse wie Treppen überwinden können. Zum Einsatz kommen diese Produkte im privaten Bereich, aber auch in der Öffentlichkeit wie zum Beispiel in Schulen.

Bei behinderten oder älteren und schwachen Menschen handelt es sich um besonders schutzbedürftige Personengruppen. Besonderes Augenmerk gilt daher der Sicherheit.

Dieser Beitrag soll dazu dienen, vor allem dem Konsumenten und Benutzer im privaten Bereich einige wichtige Sicherheitsaspekte zu vermitteln.

Worauf ist bei Einkauf und Montage zu achten?

Für Treppenschrägaufzüge und Plattformaufzüge gelten für die Hersteller die Bestimmungen der europäischen Maschinenrichtline 2006/42/EG. Der einschlägige Stand der Technik ist in der europäischen Norm DIN EN 81-40 beschrieben.

Achtung: Eine Begutachtung dieser Maschinen bezüglich der Sicherheit durch eine neutrale Prüfstelle (z.B. TÜV) erfolgt mir Regelfall NICHT.
Ein angebrachtes CE-Zeichen ist daher nicht mit einem speziellen Sicherheitszeichen zu verwechseln.
Dies ist im Gegensatz zu "gewöhnlichen" Personenaufzügen zu beachten.

Möchten Sie auf Nummer sicher gehen, erwerben Sie ein Produkt, das nachweisbar von einer unabhängigen Prüfstelle getestet worden ist, z.B. ein Produkt mit einem GS-Zeichen.

Wichtige Aspekte formeller Eigenschaften

Der Hersteller muss nach den Anforderungen der Maschinenrichtlinie folgendes einhalten:

  • Anbringen des CE-Zeichens als äußeres Zeichen der Konformität der Maschine
  • Ausstellen der EG-Konformitätserklärung - Der Kunde muss die Konformitätserklärung erhalten. Aus ihr können Sie entnehmen, ob und welchen Stand der Technik der Hersteller herangezogen hat
  • Aushändigen einer Betriebsanleitung in deutscher Sprache (für den Markt in Deutschland)
  • Anbringen wichtiger Hinweise wie maximale Traglast, Warnhinweise (z.B. Nutzung nur im Sitzen), ebenfalls in deutscher Sprache für den Markt in Deutschland

Von einer Selbstmontage ist abzuraten. Da fundiertes Fachwissen für die mechanischen und elektrotechnischen Tätigkeiten erforderlich ist, sollte der Zusammenbau stets durch eine Fachfirma erfolgen.

Bei Netzversorgung ist ein eigener Stromkreis mit einem Fehlerstromschutzschalter mit max. 30 mA Nennfehlerstrom erforderlich.

Wichtige Aspekte technischer Eigenschaften

  • Die Nutzung darf nur befugten Personen möglich sein, z.B. mit Hilfe eines Schlüsselschalters.
  • Es muss eine Not-Entriegelung bzw. Not-Ablass zur Personenrettung vorhanden sein.
  • Die Geschwindigkeit darf max. 0,15 m/s betragen.
  • Eine Überlastung muss optisch und akustisch angezeigt werden.
  • Die Stellteile dürfen nur bei absichtlicher Betätigung aktiviert werden.
    Kritisch sind daher leicht zugängliche Bedienknüppel (z.B. Joy-Sticks) zu sehen.
  • Die Richtung der Fahrbewegung muss eindeutig angezeigt werden, z.B. durch Pfeile.
  • Der Betrieb darf nur mit Totmannsteuerung möglich sein, d.h. eine Bewegung ist nur möglich, solange das Stellteil gedrückt gehalten wird.
  • Es muss eine Notbefehlseinrichtung (Not-Halt) vorhanden sein.
  • Für den Gefahrfall muss eine Notrufeinrichtung mit gelber Taste und Aufdruck „Alarm“ vorgesehen sein.
  • Das Gerät muss stoppen, wenn es gegen ein Hindernis stößt. Hierzu sind vom Hersteller entsprechende Abschaltleisten vorzusehen.
  • Das Gerät darf keine vom Benutzer bzw. Dritten erreichbaren Quetsch- und Scherstellen aufweisen, z.B. im Bereich des Antriebs und der Führungsschiene, insbesondere wenn durch die Gitterstäbe des Treppengeländers gegriffen werden kann (vgl. Bild "Negativbeispiel").
    Nachträglich können hier Schutzverkleidungen wie z.B. Netze angebracht werden, die einen Zugriff in den Gefahrenbereich verhindern (vgl. Bild "Positivbeispiel").
  • Gegen ein Herunterfallen von Personen sind ein Sicherheitsgurt oder Haltevorrichtung bei Treppenschrägaufzügen vorzusehen.
  • Um ein Abrollen des Rollstuhls zu verhindern, sollten am besten mechanisch verriegelte Rampen an der Plattform vorhanden sein.
  • Gegen einen Absturz von Personen aus der Plattform ist ein Seitenschutz notwendig. Der Seitenschutz muss gegen ein Abrollen des Rollstuhls treppenabwärts auch an der oberen Haltestelle noch aktiviert bleiben.
  • Erfolgt ein Batteriebetrieb, sollte der Ladezustand der Batterie angezeigt werden.
Negaitivbeispiel: Zugängliche Quetschstelle Positivbeispiel: Sicherheitsnetz

Bild links - Negativbeispiel: Zugängliche Quetschstelle
Bild rechts - Positivbeispiel: Mit einem speziellem Sicherheitsnetz abgesicherte Gitterstäbe zum Schutz vor den mechanischen Gefahrstellen

Für bestimmte Anwendungen oder Personengruppen, z.B. kleinwüchsige Menschen, können gegebenfalls trotz Einhalten der Standards Gefahren vorhanden sein.
Stimmen Sie deshalb die Anforderungen für Ihren Einsatzzweck mit dem Hersteller ab.
Er ist verpflichtet, für jeden Einsatzzweck ein sicheres Produkt zu konstruieren. Sowohl für den bestimmungsgemäßen Einsatz wie auch für einen vernünftigerweise vorhersehbaren Fehlgebrauch.

Worauf ist beim Betrieb zu achten?

  • Beachten Sie die Hinweise in der Betriebsanleitung.
  • Schalten Sie kraftbetriebene Lasten wie z.B. Elektrowägen und – Rollstühle ab, während Sie sich auf der Plattform befinden.
  • Fahren Sie erst auf die Plattform oder verlassen Sie diese, wenn die entsprechenden Schutzbügel vollständig geöffnet sind.
  • Fahren Sie nicht im Stehen, es sei denn, der Hersteller sieht dies so vor.
  • Transportieren Sie keine Gegenstände oder Haustiere.
  • Fahren Sie grundsätzlich alleine. Nur, wenn der Hersteller dies so vorsieht, ist eine Begleitperson zulässig.
  • Fahren Sie zum Abschluss der Nutzung wieder in die Parkposition, um z.B. den Rettungsweg nicht einzuengen.
  • Sichern Sie gegen unbefugtes Betreiben nach erfolgter Nutzung.
  • Warten und prüfen Sie das Produkt, selbst wenn es nur für den Privatgebrauch gedacht ist.