Bayerisches Staatsministerium für
Umwelt und Verbraucherschutz

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Was steckt drin in der Geflügelwurst?
Informationen zur Kennzeichnung

Von: Dr. Tanja Grünewald - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Damit Verbraucher verlässlich wissen, was bei der Kennzeichnung von Geflügelerzeugnissen angegeben sein muss, hat das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) die wichtigsten Informationen zusammengestellt. Dies ist insbesondere auch dann wichtig, wenn jemand aus Gründen von Unverträglichkeiten, Allergien oder religiöser Zugehörigkeit Geflügelwurst kaufen möchte, die ausschließlich Geflügel enthält.

Hier sollte er das Zutatenverzeichnis genau studieren oder auf Produkte mit der Auslobung "rein Geflügel“ oder „100% Geflügel" zurückgreifen.

Laut den Leitsätzen für Fleisch und Fleischerzeugnisse des Deutschen Lebensmittelbuches ist bei Geflügelerzeugnissen nur die ausschließliche oder teilweise Verwendung anderer Tierarten als Rind (Kalb) und Schwein in der Verkehrsbezeichnung zu nennen. Das heißt, Rind (Kalb) und Schwein sind nicht explizit zu nennen, wenn sie nur zusätzlich zu anderen Tierarten Verwendung finden.

Bei Geflügelwürsten muss zwischen drei Varianten unterschieden werden:

  1. Sind "charakterbestimmende" Anteile an einer unüblichen Tierart (d.h. alles außer Rind (Kalb) und Schwein, z. B. Huhn, Pute, Lamm, Pferd, Reh, Hirsch, Kaninchen etc.) enthalten, darf das Fleischerzeugnis nach dieser Tierart benannt werden (z. B. Putensalami, Geflügelfleischwurst oder Wildmortadella).
    Was "charakterbestimmend" ist, muss im Einzelfall entschieden werden. Bei Geflügelprodukten geht die Überwachung aber üblicherweise von einem Geflügelanteil von über 50 % aus.
  2. Sind die Anteile der unüblichen Tierart „nicht charakterbestimmend“, wird zur Vermeidung einer Irreführung nur ergänzend auf die Mitverarbeitung hingewiesen (z.B. Salami mit Putenfleisch oder Mortadella mit Wildfleisch).
  3. Nur ein als "rein Geflügel" deklariertes oder mit der Auslobung "100 % Geflügel" versehenes Fleischerzeugnis muss auch zu 100 % aus Geflügel bestehen (Leitsatz-Ziffer. 2.11).

Falls dies nicht der Fall ist, darf ein derartiges Erzeugnis nur "Geflügelwurst" (charakterbest. Mengen Geflügelfleisch) oder "Wurst mit Geflügel/Huhn/Pute" (nicht charakterbestimmende Mengen) heißen.

Übrigens weist der Begriff „Geflügel...“ stets darauf hin, dass unterschiedliche Geflügelarten Verwendung fanden. So können dies Pute, Huhn, Gans, Ente, Fasan, Wachtel o. ä. sein, genaueres muss aber wiederum aus dem Zutatenverzeichnis hervorgehen.

Ist eine Auslobung lediglich als „Geflügelwurst“ erfolgt und befinden sich entgegen der Vorgaben keine charakterbestimmenden Mengen Geflügelfleisch im Produkt, so ist jedoch ein Täuschungstatbestand nicht erfüllt, wenn Schweine-/Rindfleisch im Zutatenverzeichnis aufgeführt ist. Hierbei wird allerdings gegen § 4 der Lebensmittelkennzeichnungs-Verordnung verstoßen, das heißt, die Verkehrsbezeichnung entspricht nicht den gesetzlichen Vorgaben - zu solchen Fällen liegen bereits Oberverwaltungsgerichtsurteile sowie Urteile des Europäischen Gerichtshofs vor, die auf einen „mündigen Verbraucher“ verweisen, der stets das Zutatenverzeichnis liest.

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