Bayerisches Staatsministerium für
Umwelt und Verbraucherschutz

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Strompreise
...warum kostet was wieviel?

Von: Referat 32 - Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz

SeStromzähler mit Geldscheinen, copyright Kathrin39 - Fotolia.comit dem Jahr 1998 sind für Endverbraucher die Strompreise einer Analyse des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. zufolge bis Mai 2013 um rund 68 % gestiegen. Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher stellen sich vor diesem Hintegrund die Frage, wie sich der Strompreis zusammensetzt.

Was verbirgt sich also hinter dem Preis für Strom?


Wie setzt sich der Strompreis für Haushaltskunden zusammen?

Über die Zusammensetzung des Strompreises gibt der in regelmäßigen Abständen erscheinende Monitoringbericht der Bundesnetzagentur rückblickend Auskunft.

Quelle: Monitoringbericht der Bundesnetzagentur für das Jahr 2012.

Energiebeschaffung und Vertrieb

Stromanbieter sind entweder Eigenerzeuger, oder sie kaufen den von ihnen vertriebenen Strom über Großhandelsmärkte wie die Strombörse EEX in Leipzig, über Broker (also Vermittler) oder direkt beim Erzeuger. Dem Einkauf liegen unternehmensspezifische Beschaffungsstrategien zugrunde. Die Preise am Großhandelsmarkt bilden sich im Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Wesentliche Einflussfaktoren sind u. a. die Brennstoffpreise, verfügbare Kraftwerkskapazitäten, die Witterung, das Priesniveau im Emissionshandel sowie die Erwartungen über die zukünftigen Entwicklungen

Die Vertriebskosten umfassen jene Kosten, die bei dem Energieversorgungsunternehmen im Rahmen der Belieferung mit Strom anfallen; also für Kundenservice und Werbung, Verwaltung oder Rechnungswesen.

Nettonetzentgelt

Im Entgelt für die Netznutzung sind die Kosten enthalten, die im Zusammenhang mit der Leitung von Strom vom Erzeuger bis zum Endverbraucher entstehen. Durchleitungsentgelte finanzieren den Ausbau, Unterhalt und laufenden Betrieb durch den Netzbetreiber.

Messstellenbetrieb, Messung und Abrechung

Der Versorger ist gesetzlich verpflichtet, die Entgelte für den Messstellenbetrieb und die Messung gesondert auf der Stromrechnung auszuweisen. Die Höhe der Entgelte wird durch die Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen reguliert.

Konzessionsabgabe

Als Gegenleistung für die Nutzung öffentlicher Straßen und Wege für die Verlegung und zum Betrieb von Stromleitungen zahlen die Stromnetzbetreiber ein Nutzungsentgelt, die Konzessionsabgabe an die Kommunen. Zulässigkeit und Bemessung regelt die Konzessionsabgabenverordnung (KAV).

Umlage nach EEG

Das Erneuerbare - Energien - Gesetz (EEG) regelt die Abnahmeverpflichtung der Stromnetzbetreiber zur Einspeisung regenerativer Energien. Die Umlage dient zur Förderung von Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen und finanziert gesetzlich garantierte Vergütungssätze für Anlagenbetreiber.

Umlage nach KWKG

Mit dem Gesetz für die Erhaltung, Modernisierung und den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung (KWKG) werden Anlagen gefördert, die die Technologie der Kraft-Wärme-Kopplung nutzen. Die Förderung wird durch eine Umlage auf den Strompreis finanziert.

Umlage nach § 19 StromNEV

Die Verordnung über die Entgelte für den Zugang zu Elektrizitätsversorgungsnetzen regelt unter anderem die Vereinbarung vergünstigter Netzentgelte für Großverbraucher. Die entgangenen Einnahmen werden durch eine Umlage auf den Strompreis finanziert.

Steuern (Strom- und Umsatzsteuer)

Die Stromsteuer wird als Mengensteuer auf den Energieverbrauch erhoben. Sie beträgt nach § 3 des Stromsteuergesetzes 20,50 € pro Megawattstunde. Unabhängig von der Stromstreuer werden auf Umsätze aus der Lieferung von Strom 19 % Umsatzsteuer erhoben.

In Zahlen wirken sich die einzelnen Preisbestandteile wie folgt aus:

Haushaltskunden
1. April 2012
(Angaben in ct/kWh)
über alle Tarife
mengengewichteter
Mittelwert
Anteil am
Gesamtpreis
in Prozent
Nettonetzentgelt 5,38 20,6
Entgelt für Abrechnung 0,33 1,3
Entgelte für Messung 0,08 0,3
Entgelte für Messstellenbetrieb 0,24 0,9
Energiebeschaffung 6,28 24,1
Vertrieb (inkl. Marge) 2,11 8,1
Konzessionsabgab 1,68 6,4
Umlage nach EEG 3,59 13,8
Umlage nach KWKG 0,00 0,0
Umlage nach § 19 StromNEV 0,15 0,6
Stromsteuer 2,05 7,9
Umsatzsteuer 4,16 16,0
Gesamtpreis 26,06 100

Quelle: Monitoringbericht der Bundesnetzagentur für das Jahr 2012.

Warum sind Strompreise von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich?

Verbraucherverbände wie auch die Politik empfehlen zur Ankurbelung des Wettbewerbs auf dem Energiemarkt, aber auch schlichtweg um Geld zu sparen, den Wechsel zwischen unterschiedlichen Anbietern. Mit einem Wechsel könne man mehrere hundert Euro pro Jahr einsparen, so berichten unterschiedliche Quellen. Preisunterschiede zwischen den Anbietern am gleichen Ort kommen vor allem dadurch zustande, dass sich die Anteile der Kosten für Beschaffung und Vertrieb voneinander unterscheiden. Auch die Unternehmenspolitik spielt eine bedeutende Rolle. Es gibt aber nicht nur Unterschiede zwischen den Anbietern, sondern auch bei gleichem Anbieter von Ort zu Ort. Hauptursache dafür sind lokale Unterschiede bei Nettonetzentgelten oder Konzessionsabgaben. So kostet auf dem Land der Strom oft mehr als in der Stadt.

Wie können Haushaltskunden auf den Strompreis einwirken?

Konkurrenz belebt das Geschäft. Aufgrund der Liberalisierung der Strommärkte kann der Haushaltskunde unter mehreren Anbietern auswählen, vergleichbar mit der Auswahl der Tankstelle oder des Flüssiggas- oder Heizölhändlers. Je mehr Haushaltskunden zu einem günstigeren Anbieter wechseln, umso größer wird der Druck auf die Vertriebsmargen, umso günstiger werden die Preise.

Bildnachweis: Kathrin39 - Fotolia.com