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Cyber-Mobbing

Von: Martin Falenski, Initiative D21 e.V.

Das Phänomen „Cyber-Mobbing“ beherrscht mehr und mehr die Medien. Mit dem Begriff des „Cyber-Mobbing“ (oder auch „Cyber-Stalking“ oder „Cyber-Bullying“) werden verschiedene Möglichkeiten der Belästigung, Bedrängung oder Nötigung anderer Personen unter Zuhilfenahme der neuen Medien bezeichnet. Das kann von einfacher Belästigung via elektronischer Nachrichten bis hin zur Beleidigung oder übler Nachrede in Foren, Chatrooms oder Netzwerken gehen. Traurige Berühmtheit erlangte dabei binnen kürzester Zeit eine Internetseite, die selbst aktiv damit wirbt, dass niemand die Spuren der Autoren der dort zu findenden Beiträge aufspüren kann. Unter dem Mantel der freien Meinungsäußerung wird daher auf diesem Portal gelästert, gemobbt und denunziert. Natürlich findet Mobbing aber auch in anderen Portalen, wie den bekannten Social Networks statt.

Das Bild zeigt drei tuschelnde junge Frauen und eine ausgegrenzte Frau

Lästern und Ausgrenzen gab es schon immer...

Virtuelle Lästereien mit realen Folgen

Oftmals sind Kinder oder Jugendliche sowohl Täter als auch Opfer und in nahezu 80 % der Fälle kennen sich Täter und Opfer auch aus der realen Welt. Die Online-Mobbingszenarien sind daher in vielen Fällen nur die Fortsetzung des Schulhofmobbings. Die Täter sind dabei fast zu gleichen Teilen Jungen und Mädchen.

In einer Studie aus dem Jahr 2008 hat jeder sechste der Befragten angegeben, selbst Mobbing via Internet betrieben zu haben. Fast die Hälfte von ihnen hätte dies jedoch nur als Scherz verstanden (Quelle: „Virtuelle Belästigung mit realen Folgen“ – Hintergrundbeitrag Deutschlandfunk). Ein Scherz mit ungeahnten und oft dramatischen Auswirkungen für das Opfer. Die Folgen reichen von der sozialen Isolierung, massivem Stress und psychischen Problemen bis hin zum Selbstmord. Denn anders als das „normale“ Schulhofmobbing endet die Schikane nicht nach Schulschluss.

Phänomen Cyber-Mobbing

Um das Phänomen Cyber-Mobbing zu verstehen, muss man sich vor Augen führen, dass mittlerweile fast jeder Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren online ist. Und schon mit 13 Jahren ist so gut wie jeder Jugendliche bereits täglich im Netz unterwegs (Quelle: „Jugend 2.0“-Studie des BITKOM, PDF 4,5 MB). Das bedeutet, das Leben der Jugendlichen wird zu einem Großteil durch die Online-Aktivitäten bestimmt. Wer beispielsweise keine coolen Bilder von der letzten Party auf seiner Facebook-Seite zeigt, ist nicht „up to date“. Es wird alles ins Netz gestellt: Bilder, Videos, Hobbies, Freunde, Vorlieben, etc. Die Inszenierung des eigenen „Ichs“ wird über alles gestellt. Da ist es ein Leichtes, sich Angriffspunkte und vermeintliche Schwachstellen potentieller Mobbingopfer herauszusuchen und diese öffentlich zu brandmarken.
Die Formen des Mobbings im Netz sind vielfältig. So können Täter Fotos mit Beleidigungen versehen oder es kommt sogar zur Bildung regelrechter Hassgruppen gegen das Opfer. Oftmals werden auch eigens Fotomontagen oder bloßstellende
(Handy-)Videos angefertigt, mit denen die Opfer verunglimpft werden. Das Bild zeigt Hände, die auf zwei Laptops tippen

... neu sind die Möglichkeiten der massenhaften Verbreitung und der Anonymität

Es ist dabei festzustellen, dass durch die (vermeintliche) Anonymität der virtuellen Welt und die damit einhergehende fehlende soziale Kontrolle bei den Nutzern eine weitreichende Enthemmung eintritt (sog. „Online Disinhibition Effect“). In einer Umfrage aus dem Jahr 2010 berichten bereits 25 % der Nutzer eines soziales Netzwerks von Beleidigungen und Bedrohungen, derer sie sich ausgesetzt sahen (Quelle: „Virtuelle Belästigung mit realen Folgen“ – Hintergrundbeitrag Deutschlandfunk).

Hilfestellung

Cyber-Mobbing im Netz lässt sich nie ganz unterbinden. Das Netz ist schnell – sehr viel schneller als die menschliche Reaktion darauf. Ein einmal veröffentlichtes entwürdigendes Video wird binnen kürzester Zeit tausendfach angeschaut und heruntergeladen. Und das Netz vergisst nicht. Es ist so gut wie unmöglich, alle Zeugnisse des Mobbingaktes endgültig zu beseitigen. Aber es gibt Verhaltensregeln oder auch Warnhinweise, die man beachten sollte (s. Mehr zum Thema).

Fest steht, dass die Auslöser für die Beleidigungen oder die Hetzkampagnen ihren Ursprung letztlich in der realen Welt haben. Und genau wie in der realen Welt ist auch in der Online-Welt leider oft keine Unterstützung aus der „Community“ zu erfahren.

Um zu wissen, was im Netz kursiert, sollte man sich regelmäßig selbst „googeln“, um herauszufinden, wo und vor allem in welchem Zusammenhang der eigene Name im Internet auftaucht. Und wichtig ist natürlich, dass man sparsam mit seinen Daten umgeht und nicht zu viel von sich preisgibt. Wer Vieles offenbart, bietet umso mehr Angriffsflächen.

Anstrengungen von Politik und Wirtschaft

Viele Bundesländer haben mittlerweile reagiert und Kampagnen initiiert, die Cyber-Mobbing bekämpfen oder den Opfern mit Rat und Tat zur Seite stehen. Denn anders als in anderen Bereichen, ist es beim Cyber-Mobbing oftmals so, dass Eltern dem Thema in der Regel noch hilfloser gegenüber stehen als die Kinder und Jugendlichen selbst. Insofern sind viele Länder dazu übergegangen, den Opfern jugendliche Scouts, die von psychologischen, juristischen und medienpädagogischen Experten ausgebildet werden, zur Seite zu stellen. Diese geben Ratschläge, wie mit dem Problem am besten umzugehen ist. Andere Initiativen setzen direkt beim Schulunterricht an; der Umgang mit Belästigung im Netz ist hier ein wesentlicher Bestandteil. Auch einige der seriösen Netzwerke haben mittlerweile reagiert: Hier können sich Nutzer, die sich belästigt fühlen, auf einen Button auf ihrer Profilseite klicken. Der Vorgang wird dann unmittelbar dem Netzwerkbetreiber zur Prüfung übermittelt.

Erste Hilfe:

  • Informieren des Netzwerkbetreibers und Beantragung der Löschung des diffamierenden Beitrags

  • Öffentlichkeit herstellen, wenn möglich zum Beispiel auch die Lehrer/Schulleitung informieren

  • Bewusstseinschaffung und –förderung bei Kindern und Jugendlichen

Strafbarkeit des Cyber-Mobbing

Cyber-Mobbing an sich ist nicht strafbar. Je nach Konstellation und Ausmaß der Attacke kommen aber Tatbestände wie Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung oder Bedrohung in Betracht.

Eine „Beleidigung“ (§ 185 StGB) liegt dabei zum Beispiel vor, wenn die persönliche Ehre des Opfers durch eine Äußerung (oder eine Geste) beeinträchtigt wird und der Adressat dies als kränkend empfindet. Die „üble Nachrede“ (§ 186 StGB) ist dann einschlägig, wenn die Äußerung eine ehrverletzende Tatsachenbehauptung ist, die sich nicht als „erweislich wahr“ herausstellt. Die „Verleumdung“ (§ 187 StGB) kommt dann in Betracht, wenn diese Tatsachenbehauptung wider besseren Wissens geschieht.

Darüber hinaus kommen auch persönlichkeitsrechtsverletzende Tatbestände in Betracht, so etwa die „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“ nach § 201a StGB, der einen Schutz vor unerlaubten Bildaufnahmen in gewissen Konstellationen bietet.
Weiterhin kann zum Beispiel das Zeigen oder die Verbreitung von Gewaltvideos via Mobiltelefon unter bestimmten Voraussetzungen durch den § 131 StGB („Gewaltdarstellungen“) sanktioniert werden und der erst im Jahr 2007 in Kraft getretene § 238 StGB („Nachstellung“) stellt auch die Nachstellung via elektronische Kommunikationsmittel unter Strafe.

Da man als Laie oftmals die genauen Abgrenzungen zwischen den einzelnen Delikten nicht einschätzen kann, empfiehlt es sich, die Mobbingattacke gezielt zu dokumentieren, Beweise zu sichern und gegebenenfalls auch Zeugen hinzuzuziehen. Wichtig ist, dass ab einer bestimmten "Qualität" der Hetzkampagne die Strafverfolgungsbehörden involviert werden sollten. Hier ist zu beachten, dass für bestimmte Delikte – die sogenannten Antragsdelikte - ein Strafantrag notwendig ist, da ansonsten die Strafverfolgungsbehörden nicht tätig werden können.




Bildnachweis: (Frauen) © Andreas Wolf - Fotolia.com, (Laptops) © Gerhard Seybert - Fotolia.com

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