Bayerisches Staatsministerium für
Umwelt und Verbraucherschutz

Die E-Nummern auf Lebensmittelverpackungen - Was bedeuten sie?

Von:
Dr. Gabriele Krämer - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
Dr. Ursula Preiß - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Was ist ein Zusatzstoff?

Zusatzstoffe sind Stoffe, die Lebensmitteln zugesetzt werden, um ihre Beschaffenheit zu beeinflussen oder bestimmte Eigenschaften oder Wirkungen zu erzielen.
Das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch - LFGB definiert Zusatzstoffe als
"Stoffe mit und ohne Nährwert, die in der Regel weder selbst als Lebensmittel verzehrt noch als charakteristische Zutat eines Lebensmittels verwendet werden und die einem Lebensmittel aus technologischen Gründen beim Herstellen oder Behandeln zugesetzt werden, wodurch sie selbst oder ihre Abbau- oder Reaktionsprodukte mittelbar oder unmittelbar zu einem Bestandteil des Lebensmittels werden oder werden können."

Den Zusatzstoffen stehen gleich:

  • Mineralstoffe und Spurenelemente sowie deren Verbindungen außer Kochsalz
  • Aminosäuren und deren Derivate
  • Vitamine A und D sowie deren Derivate
  • Zuckeraustauschstoffe, ausgenommen Fruktose
  • Süßstoffe

Als Zusatzstoffe sind nur solche Stoffe erlaubt, die in so genannten "Positivlisten" aufgeführt und damit zugelassen sind. Alle anderen Stoffe sind somit verboten. Zusätzlich wird im allgemeinen festgelegt, welche Stoffe bei welchen Lebensmitteln in welchen Höchstmengen verwendet werden dürfen.
Nicht als Zusatzstoffe definiert sind Genussmittel sowie "natürliche und naturidentische Stoffe, sofern diese vor allem wegen ihres Geruchs- oder Geschmackswertes verwendet werden, wie z.B. die Aromastoffe. Im Februar 1998 ist die "Verordnung zur Neuordnung lebensmittelrechtlicher Vorschriften über Zusatzstoffe" vom 29. Januar 1998 (BGBL. I S.230) in Kraft getreten. Künftig dürfen in Deutschland nur noch die in dieser Verordnung zugelassenen Zusatzstoffe verwendet werden.

Was bedeuten die E-Nummern?

Lebensmittelzusatzstoffen, die in den EG-Richtlinien aufgeführt sind, werden E-Nummern zugeteilt. So hat z.B. der Konservierungsstoff Sorbinsäure die E-Nummer E 200.

  • Das "E" steht für Europa oder auch für Essbar (Edible).
  • Die Nummer 200 ist spezifisch für die Sorbinsäure.

Das "E" in Verbindung mit einer Nummer ist also eine andere Bezeichnung für einen bestimmten Stoff, die ihn unverwechselbar macht und im gesamten gemeinsamen europäischen Markt (EG) gilt. Die E-Nummern sind knapp und klar und in jeder Sprache gleich, anders als die chemischen Bezeichnungen für die einzelnen Stoffe. Auch in Nicht-EU-Ländern, wie zum Beispiel der Schweiz, werden diese E-Nummern zunehmend verwendet.

Wie werden Zusatzstoffe gekennzeichnet?

Nach der Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung müssen auf verpackten Lebensmitteln in der Zutatenliste alle verwendeten Zusatzstoffe angegeben werden. Die Zusatzstoffe sind wegen ihres geringen Anteils stets am Ende der Zutatenliste zu finden und zwar

  • stets mit dem Klassennamen (z.B. Konservierungsstoff) und
  • mit der E-Nummer (z.B. E 200) oder dem Namen des verwendeten Stoffes (z.B. Sorbinsäure).

Die E-Kennzeichnung eines Lebensmittelzusatzstoffes bedeutet daher:

  • Der Stoff wurde auf seine gesundheitliche Unbedenklichkeit hin überprüft.
  • Der Stoff wird im Rahmen der festgestellten gesundheitlichen Unbedenklichkeit und nach Prüfung der technologischen Notwendigkeit zur Zulassung empfohlen.

Die Lebensmittelüberwachung in Bayern kontrolliert, ob Lebensmittel nicht zugelassene Zusatzstoffe enthalten oder ob die zugelassene Menge überschritten wird.

Wann wird ein Zusatzstoff zugelassen?

Um zugelassen zu werden muss ein Zusatzstoff drei Vorraussetzungen erfüllen:

  • er muss gesundheitlich unbedenklich sein
  • er muss technologisch notwendig sein
  • der Verbraucher darf durch die Verwendung des Zusatzstoffes nicht getäuscht werden

Zur Prüfung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit bedient man sich des ADI-Wertes. Der ADI-Wert (acceptable daily intake) stellt die aus toxikologischer Sicht (d.h. im Tierversuch ermittelt) unbedenkliche Dosis eines Zusatzstoffes dar, die täglich und lebenslänglich ohne nachteilige Wirkungen für die Gesundheit, aufgenommen werden kann. Im allgemeinen wird ein Sicherheitsfaktor von 100 verwendet, um die Unsicherheit des Vergleichs Tier-Mensch zu berücksichtigen und um besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen (Kranke, Schwangere, Kleinkinder, Personen mit einseitiger Ernährung) zu schützen.

Die Zulassung der Verwendung von Zusatzstoffen gilt in den meisten Fällen nur für bestimmte Lebensmittel. Auch die Menge (Höchstmenge) und der Reinheitsgrad des zugesetzten Stoffes ist gesetzlich geregelt.

Auf europäischer Ebene wird jeder Zusatzstoff von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA/ EUROPEAN FOOD SAFETY AUTHORITY) geprüft, der sich aus renommierten Wissenschaftlern aus ganz Europa zusammensetzt.

Ist die Verwendung von Zusatzstoffen notwendig?

Zusatzstoffe sind sowohl für den Verbraucher (z.B. Schutz vor Lebensmittelinfektionen durch Konservierungsstoffe), als auch für den Lebensmittelhandel bzw. die Lebensmittelhersteller (z.B. Ausgleich von herstellungsbedingten Farb- bzw. Geschmacksverlust durch Aroma- und Farbstoffe) von Nutzen. Viele Verbraucher wünschen haltbare, einfach zu verarbeitende, gesunde und wohlschmeckende Lebensmittel, die eine abwechslungsreiche und genussvolle Ernährung ermöglichen. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, kommt die moderne Lebensmittelindustrie nicht mehr ohne Zusatzstoffe aus. Es wäre falsch, die Verwendung von Zusatzstoffen undifferenziert abzuqualifizieren. Ihre Verwendung sollte jedoch nur da erfolgen, wo sie notwendig ist nach dem Motto:

"So wenig wie möglich, aber soviel wie nötig!"  

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