Bayerisches Staatsministerium für
Umwelt und Verbraucherschutz

Bestrahlung von Lebensmitteln - wirksam aber ungeliebt

Von: Gisela Horlemann, VerbraucherService Bayern e.V.

Bei der Bestrahlung von Lebensmitteln gehen die Ansichten der Verbraucher weit auseinander. Manche schätzen es, dass Lebensmittel anschließend frei von Mikroorganismen wie Salmonellen, Schimmelpilzen oder EHEC sind. Andere wiederum fürchten Vitaminverluste und dass diese Technik als Vorwand für eine unsaubere Produktionsweise dienen könnte.

Warum werden Lebensmittel bestrahlt

Lebensmittel werden bestrahlt, um gesundheitsschädliche Mikroorganismen abzutöten und die Haltbarkeit zu verlängern. Sie dürfen jedoch nicht bestrahlt werden, um eine schlampige unhygienische Arbeitsweise zu verdecken.

Was bedeutet „Lebensmittelbestrahlung“

Lebensmittelbestrahlung ist eine gezielte physikalische Behandlung von Lebensmitteln mit einer genau dosierten Strahlungsenergie. Diese bezeichnet man als ionisierende Strahlung. Ionisierende Strahlen besitzen eine sehr schwache Strahlung beziehungsweise geringe Energien. Sie dringen nicht bis zum Kern des Moleküls vor und erzeugen daher auch keine Radioaktivität. Je nach Dosis sind sie aber kräftig genug, um die Erbsubstanz von Mikroorganismen oder Pflanzenteilen zu schädigen oder Reifungsprozesse zu verzögern. Dann können sich Bakterien und Vorratsschädlinge nicht mehr vermehren, aber auch Pflanzenzellen nicht mehr teilen.

Das verhindert beispielsweise:

  • das Wachstum von Krankheitserregern wie Salmonellen und Mikroorganismen die den Verderb beschleunigen
  • das Auskeimen von Kartoffeln und Zwiebeln
  • den Befall von Vorräten durch Käfer etc.
  • das schnelle Reifen von Bananen

Kohlenhydrate, Eiweiß, Fett und Vitamine können durch die Bestrahlung teilweise zerstört werden. Die Verluste bewegen sich im selben Rahmen wie bei anderen Methoden der Konservierung.

Das Lebensmittel selbst wird bei der Bestrahlung nicht radioaktiv. Denn ionisierende Strahlen sind nicht mit Radioaktivität vergleichbar. Radioaktivität entsteht, wenn instabile Atome zerfallen und Energie frei wird.

Was darf bestrahlt werden

In Deutschland

In Deutschland dürfen nur Kräuter und Gewürze bestrahlt und in den Verkehr gebracht werden. Dies regelt die Lebensmittel-Bestrahlungsverordnung (LMBestrV).

Bestrahlte Kräuter und Gewürze dürfen auch verkauft werden, wenn sie beispielsweise in Fertigsuppen oder in Frischkäse eingesetzt werden.

Für bestrahlte Lebensmittel, die in Deutschland oder in anderen Ländern der EU verkauft werden sollen, muss immer erst eine Zulassung, beziehungsweise eine Ausnahmeregelung beantragt werden.

So sind beispielsweise Frischkäse mit bestrahlten Kräutern seit 1999 und mit Ausnahmegenehmigung bestrahlte Froschschenkel seit 2006 zum Verkauf in Deutschland freigegeben.

In der Europäischen Union

Innerhalb der EU besteht eine Übereinstimmung, dass alle Länder, die eine zugelassene Bestrahlungsanlage besitzen, ebenfalls Kräuter und Gewürze bestrahlen und verkaufen dürfen. In vielen Ländern ist aber noch weit mehr erlaubt. So dürfen beispielsweise Zwiebeln, Knoblauch, Getreideflocken für Milchprodukte, Geflügel oder gefrorene Garnelen bestrahlt werden.

Im Amtsblatt der Europäischen Union werden regelmäßig Listen veröffentlicht, aus denen zu ersehen ist, welche Lebensmittel in welchen Mitgliedstaaten bestrahlt werden dürfen (derzeit letzte Veröffentlichung im Amtsblatt C 283 vom 24.11.2009, S. 5).

Was tatsächlich bestrahlt wird, veröffentlich die EU in regelmäßigen Berichten. Der Neueste Bericht der Kommission betrifft das Jahr 2010.

Insgesamt wurden 9263,4 Tonnen von Erzeugnissen in den Mitgliedstaaten mit ionisierender Strahlung behandelt.

Davon wurden 88,55 Prozent in drei Mitgliedstaaten bestrahlt,

  • Belgien (63,11 %),
  • Niederlande (16,63 %)
  • Frankreich (11,06 %).

Die drei am häufigsten bestrahlten Lebensmittelgruppen sind:

  • Froschschenkel (47,67 %),
  • Geflügel (22,50 %)
  • Kräuter und Gewürze (15,86 %).

In anderen Ländern

In anderen Ländern, die nicht zur EU gehören, wird ebenfalls bestrahlt. So ist beispielsweise in China die Bestrahlung getrockneter Speisepilze, Nahrungsergänzungsmittel oder getrockneter Pilze erlaubt und in der Türkei werden unter anderem Trockensuppen bestrahlt.

In den USA dürfen Fleisch, Fleischprodukte und Innereien bestrahlt werden. Hierbei handelt es sich vor allem um die Bekämpfung von Kolibakterien die bis zu Todesfällen führen können. Auch die Bestrahlung von Schalentieren (Austern, Muscheln, u.a.) wurde 2005 erlaubt, um gesundheitsschädliche Bakterien auszuschalten.

Welche Kennzeichnung gibt es

Bestrahlte Lebensmittel dürfen nur verkauft werden, wenn sie korrekt gekennzeichnet sind. Jedes bestrahlte Lebensmittel, das eine oder mehrere bestrahlte Zutaten enthält, ist mit den Worten „bestrahlt“ oder „mit ionisierender Strahlung behandelt“ zu kennzeichnen.

Laut Gesetz müssen die Angaben gut lesbar und folgendermaßen angebracht sein:

  • bei loser Abgabe der Lebensmittel auf einem Anschlag oder einem Schild über oder neben dem Behältnis, in dem sich das betreffende Lebensmittel befindet,
  • bei verpackten Produkten direkt auf der Verpackung.

Die Kennzeichnungspflicht gilt auch, wenn bestrahlte Lebensmittel in Gaststätten oder Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung verwendet werden. Im Versandhandel muss ebenfalls darauf hingewiesen werden.

Kontrollen und Kontrollergebnisse

Kontrollen

Die Bestrahlung kann durch verschiedene EU-weit standardisierte Verfahren überprüft und nachgewiesen werden.

Dabei gibt es 2 Hauptprobleme:

  • Es wird zu wenig kontrolliert um alle „schwarzen Schafe zu entdecken“
  • Wenn nur wenige bestrahlte Zutaten verarbeitet werden, können diese nicht oder nur schwer entdeckt werden. Beispiel: bestrahlte Kräuter in einem Fertiggericht.

Kontrollergebnisse Bayern

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat im seinen Jahresbericht 2012 veröffentlicht. Darin stehen auch die Ergebnisse der Untersuchungen zum Thema Bestrahlung.

Zitat: „Fazit:Die Beanstandungsquote für nicht korrekt gekennzeichnete bestrahlte Lebensmittel oder unzulässig bestrahlte Proben von unter 1% entspricht der Situation der Vorjahre. Zitat Ende. Beanstandet wurden vorwiegend Nahrungsergänzungsmittel, Instantgerichte und Kräuter.

Kontrollergebnisse Europäische Union

Dem Bericht der Europäischen Kommission für das Jahr 2010 kann folgendes entnommen werden: Zitat: “ 24 Mitgliedstaaten haben insgesamt 6244 Proben entnommen; davon entfielen 69,17 % auf drei Mitgliedstaaten (Deutschland 52,16 %, Niederlande 10,47 % und Vereinigtes Königreich 6,53 %). 6052 Proben (96,92 %) erfüllten die Vorschriften der Richtlinien. 144 Proben (2,3 %) waren nicht vorschriftsmäßig. Dies war häufig wegen nicht korrekter Kennzeichnung und Bestrahlung von Lebensmittelgruppen der Fall, die nicht bestrahlt werden dürfen. 48 Proben (0,77 %) ergaben keine eindeutigen Ergebnisse.“ Zitat Ende.

Fazit

Der Verbraucher kann durch die Kennzeichnungspflicht bestrahlte Lebensmittel erkennen und gegebenenfalls vermeiden. Zudem sind nur wenige Lebensmittel in Deutschland zugelassen, die Beanstandungsquote ist gering und das Verfahren gilt als sicher und ungefährlich.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz hält die Nährstoffverluste für unwesentlich. “Bei der Bestrahlung werden Inhaltsstoffe wie Kohlenhydrate, Proteine Fettsäuren Vitamine in geringem Umfang abgebaut. Dies ist zwar messbar, hat aber keine wichtige Bedeutung für den Gehalt an Nährstoffen. Lediglich Mineralstoffe bleiben völlig unbeeinflusst“.

Die World Health Organisation WHO empfiehlt die Bestrahlung von Lebensmitteln aus hygienischen Gründen zum Beispiel für Geflügelfleisch.

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Quellen und weiterführende Links

Wenn Sie individuelle Auskünfte im Bereich Ernährung und Lebensmittelsicherheit wünschen, finden Sie hier eine Liste an Anlaufstellen.