Bayerisches Staatsministerium für
Umwelt und Verbraucherschutz

Kennzeichnungsregeln für gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel

Von: Dr. Sabine Estendorfer-Rinner - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Welche Produkte müssen gekennzeichnet werden?

Bei der Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebens- und Futtermitteln wurde das Nachweisprinzip aufgegeben zu Gunsten des Anwendungsprinzips. Nun spielt es für die Kennzeichnung keine Rolle mehr, ob die jeweilige gentechnische Veränderung im Produkt nachweisbar ist. Kennzeichnungspflichtig sind alle Lebensmittel, die GVO enthalten, aus solchen bestehen oder aus solchen hergestellt wurden.

Basis für die Kennzeichnung:

Kennzeichnungspflichtig sind alle Produkte, die einen GVO enthalten oder aus einem GVO hergestellt werden, unabhängig von der Nachweisbarkeit im Endprodukt.

Eine so umfassende Kennzeichnung ist nur möglich, wenn geeignete Systeme zur Rückverfolgbarkeit und eine lückenlose, den Warenstrom begleitende Dokumentation etabliert sind. Die EU-Verordnungen verpflichten damit alle an der Lebensmittelkette Beteiligten, die Rohstoffe aus GVO erzeugen oder mit ihnen handeln, Informationen über in einem Lebensmittel oder Rohstoff vorhandene GVO an die nachfolgende Verarbeitungsstufe weiterzuleiten.

Wie wird gekennzeichnet?

Die Kennzeichnungspflicht gilt grundsätzlich für alle Lebensmittel, unabhängig von der Angebotsform. Jede Zutat wird einzeln gekennzeichnet, auch zusammengesetzte Zutaten.

Lebensmittel-EtikettKennzeichnung bei vorgefertigten oder verpackten Lebensmitteln

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  • Bei Lebensmitteln mit Zutatenliste: Zusatz "genetisch verändert" oder "aus genetisch verändertem ... hergestellt" unmittelbar nach der Zutat;

  • Bei Zutaten mit dem Namen einer Kategorie: Zusatz "enthält genetisch veränderten ..." oder "enthält aus genetisch verändertem ... hergestellte(n) ..." im Verzeichnis der Zutaten.

  • Diese Angaben sind auch als Fußnote zum Zutatenverzeichnis in gleicher Schriftgröße möglich.

  • Bei Lebensmitteln ohne Zutatenliste: Hinweis "genetisch verändert" oder "aus genetisch verändertem ... hergestellt" in deutlicher Form auf dem Etikett.

Kennzeichnung bei unverpackten Lebensmitteln oder sehr kleinen Packungsgrößen:

  • Hinweis "genetisch verändert" oder "aus genetisch verändertem ... hergestellt" in der Auslage oder in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Produkt oder auf der Verpackung in dauerhafter und sichtbarer Form sowie in gut lesbarer Schriftgröße.

Besondere Hinweise auf neue oder veränderte Produkteigenschaften sind erforderlich bei

  • Lebensmitteln mit neuer stofflicher Zusammensetzung, verändertem Nährwert oder ernährungsbezogener Wirkung;

  • genetischen Veränderungen, die Auswirkungen auf die Gesundheit bestimmter Bevölkerungsgruppen haben könnten;

  • Lebensmitteln, gegen die ethnische oder religiöse Bedenken bestehen könnten.

Schwellenwerte

Wie in der Vergangenheit gibt es auch mit den neuen Verordnungen Schwellenwerte für tolerierbare GVO-Kontaminationen, für die keine Kennzeichnung erforderlich ist. Voraussetzung ist, dass sie zufällig in das Produkt gelangt oder technisch unvermeidbar sind.

Der Schwellenwert bezieht sich auf die jeweilige Zutat und liegt für in der EU zugelassene GVO bei 0,9 %.

Maismehl kann aus Mais hergestellt sein, der zufällig bis zu 0,9 % zugelassenen GVO-Mais enthält.

Kennzeichnungsregelungen bei Futtermitteln

Für Futtermittel und Futtermittelzusatzstoffe gelten die gleichen Kennzeichnungsvorschriften wie für Lebensmittel:

  • Futtermittel und Futtermittelzusatzstoffe müssen gekennzeichnet werden, wenn sie aus GVO-Rohstoffen bestehen, daraus hergestellt wurden oder diese enthalten.

  • Es gelten die gleichen Schwellenwerte wie für Lebensmittel.

  • Die Kennzeichnung richtet sich an die Endabnehmer (Landwirte).

Lebensmittel von Tieren, die GVO-Futtermittel erhalten haben, sind weiterhin kennzeichnungsfrei.

Beispiele für die Kennzeichnung (Lebens- und Futtermittel)

GVO-Typ Produkt Kennzeichnung früher Kennzeichnung heute
GVO-Pflanzen Tomate (bisher nicht zugelassen), Maiskorn, Raps ja ja
GVO-Lebensmittel Maismehl (nachweisbar) ja ja
aus GVO hergestellte Lebensmittel Raffiniertes Öl aus Raps, Mais, Soja, Glucosesirup aus Maisstärke (nicht nachweisbar) nein ja
aus GVO hergestelle Zusatzstoffe, Aromen Hochreines Lecithin in Schokolade nein ja
mit Hilfe von GVO hergestellte Enzyme (technische Hilfsstoffe) Käse (Chymosin) nein nein
Lebensmittel von Tieren, die mit GVO-Futtermitteln gefüttert wurden Fleisch, Eier, Milch nein nein
GVO-Futtermittel, aus GVO hergestellte Futtermittel Mais, Maiskleber, Sojaschrot nein ja

Kennzeichnung "Ohne Gentechnik"

Die neue Kennzeichnung „ohne Gentechnik“ ist seit 1. Mai 2008 in Kraft. Die Voraussetzungen für diese Auslobung sind im neu aufgenommenen § 3a des EG-Gentechnik-Durchführungsgesetzes-EGGenTDurchfG) vom 1. April 2008 festgelegt. Bisher waren die Bedingungen für eine Kennzeichnung „ohne Gentechnik“ im § 4 Neuartige Lebensmittel- und Lebensmittelzutaten-Verordnung-NLV geregelt.

Es handelt sich um eine freiwillige Kennzeichnung und es darf nur die Angabe „ohne Gentechnik“ verwendet werden. Die Art und Weise und der Ort der Kennzeichnung auf der Verpackung sind frei wählbar. Seit August 2009 gibt es ein einheitliches Logo, bereitgestellt vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Mehr dazu finden Sie hier.

Nicht erlaubt sind:

  • Lebensmittel und Lebensmittelzutaten, die gentechnisch veränderte Organismen (GVO) enthalten, aus GVO bestehen oder hergestellt werden.
  • Zusatzstoffe, Vitamine, Aminosäuren, Aromen oder Enzyme, die mit Hilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt werden
  • Zufällige oder technisch unvermeidbare Beimengungen von gentechnisch veränderten Bestandteilen (kein Schwellenwert)

Für Lebensmittel tierischer Herkunft gilt darüber hinaus:

  • Die Lebensmittel müssen von Tieren gewonnen werden, die nicht mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert wurden bzw. vor der Gewinnung eine Wartefrist eingehalten wird, in der die Verfütterung von gentechnisch veränderten Futtermittel nicht zulässig ist. (Schwellenwert für gv Bestandteile in Futtermitteln: 0,9%)
  • Der Einsatz von Futtermittelzusatzstoffen und Tierarzneimitteln, einschließlich Impfstoffen, die mit Hilfe gentechnischer Verfahren im geschlossenen System hergestellt worden sind, ist erlaubt.

Eine Übersicht zu den Wartefristen finden Sie hier:

Die Gesetzesänderungen betreffen in erster Linie Lebensmittel tierischer Herkunft. Die früheren, strengeren Regelungen für die Kennzeichnung „ohne Gentechnik“ führten dazu, dass so gut wie keine tierischen Lebensmittel mit der Auslobung „ohne Gentechnik“ auf dem Markt zu finden waren. Es bleibt abzuwarten, ob die nun teilweise gelockerten Kriterien zu einer verstärkten Kennzeichnung „ohne Gentechnik“ insbesondere tierischer Lebensmittel führen werden.