Bayerisches Staatsministerium der
Justiz und für Verbraucherschutz

Apfelessig - ein Gesundheitselixier?

Von: Gerlinde Bergmann - Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Insitut für Ernährung und Markt (IEM)

Die Bereitung von Essig aus vergorenen alkoholischen Getränken, insbesondere Wein, war bereits im Altertum bekannt. Bis zum frühen Mittelalter wurde Essig haushaltsmäßig durch stehen lassen von Wein oder Bier in offenen Gefäßen hergestellt. Er wurde beim Würzen und Konservieren von Speisen, aber auch als Erfrischungsgetränk sehr geschätzt.

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Zugeschriebene Wirkungen

Essig erlebt nun ein Comeback. Vor allem über Obst- und Apfelessig wird häufig berichtet. So soll er innerlich und/oder äußerlich angewendet helfen, eine Vielzahl von Beschwerden (Asthma, erhöhte Blutfettwerte, Hämorrhoiden, Fußpilz usw.) zu lindern oder gar zu beseitigen. Selbst bei Übergewicht soll der gewünschte Gewichtsverlust herbeigeführt werden. Ein Glas Wasser mit zwei Teelöffel Apfelessig und zwei Teelöffel Honig, täglich getrunken, sollen für diese Effekte sorgen.
Als Grund für diese positiven Wirkungen, wird der "hohe" Gehalt an bestimmten Inhaltsstoffen (z. B. Kalium, Calcium, ß-Carotin, Pektine usw.) im Apfelessig angegeben.

Folgende Tabelle gibt einen Überblick über den Nährstoffgehalt einer Tagesration ausgewählter Essigsorten verglichen mit einer Tagesration Äpfel (230 g):

Lebensmittel Kalium [mg] Calcium [mg] ß-Carotin [µg] Vitamin C [mg] Ballaststoffe [g]
Apfelessig pro 10 g (2 Teelöffel) 10 1 1 0 0
Branntweinessig pro 10 g (2 Teelöffel) 9 2 1 0 0
Apfel pro 230 g (2 Stück) 331 16 104 28 5
Quelle: Bundeslebensmittelschlüssel, II. 3. Berlin 1999, Werte gerundet

Bewertung

  • Wie obige Übersicht zeigt, ist Apfelessig im Vergleich zu Äpfeln sehr nährstoffarm. Der ihm nachgesagte hohe Gehalt an Wirkstoffen entbehrt daher jeder Grundlage.
  • Auch die positiven Wirkungen bei bestimmten Beschwerden sind wissenschaftlich nicht belegt.
  • Die Annahme, Apfelessig könne Übergewicht abbauen, kann nicht bestätigt werden. Dies wird in der Regel durch eine energiereduzierte Mischkost und körperliche Aktivität erreicht.
  • Als Säureerzeugnis wirkt Essig jedoch schon in geringer Konzentration anregend auf Geschmacks- und Geruchsnerven und damit auch auf die Sekretion der Verdauungsdrüsen ein.
  • Aufgrund seiner antibakteriellen Wirkung kann er im Haushalt als Reinigungs- und Konservierungsmittel voll zum Tragen kommen.