Bayerisches Staatsministerium der
Justiz und für Verbraucherschutz

Adipositas bei Kindern und Jugendlichen: Ist Gewicht (m)ein  Problem?

Von:
Christine Mitschek - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
Patricia Ehrensperger-Reeh - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Übergewicht und Adipositas (Fettsucht) stellen in unserer Gesellschaft eines der größten Gesundheitsrisiken dar. Eine ganze Reihe von Erkrankungen, vor allem die sogenannten Zivilisationskrankheiten, sind mindestens zum Teil auf diese Ursachen zurückzuführen (z.B. Zuckerkrankheit, Gicht, Herzinfarkt, Bluthochdruck, Arterienverkalkung, Krampfadern, Gallensteine, Gelenkentzündungen) bzw. werden durch Übergewicht und Adipositas begünstigt.

Body Mass Index

Übergewicht ist definiert als eine pathologische (krankhafte) Erhöhung der Körperfettmasse. Zur Einteilung von Übergewicht und Adipositas wird meist der BMI ( Body Mass Index) verwendet.

Dieser berechnet sich wie folgt

Körpergewicht (kg) dividiert durch das Quadrat der Körpergröße (m2)

Die Formel lautet:

BMI = Körpergewicht in kg : (Körpergröße in m) 2

Die Einheit des BMI ist demnach kg/m2.

Beispiel für die Berechnung des BMI: eine Person mit einer Körpergröße von 160 cm und einem Körpergewicht von 60 kg hat einen BMI von 23,4 (60:(1,6m)2 = 23,4)

Der "wünschenswerte"BMI ist altersabhängig. Die folgende Tabelle zeigt BMI-Werte für die verschiedenen Altersgruppen:

Alter
Wünschenswerter BMI
19-24 Jahre 19-24
25-34 Jahre 20-25
35-44 Jahre 21-26
45-54 Jahre 22-27
55-64 Jahre 23-28
>64 Jahre 24-29

Übergewicht ist definiert als BMI ≥ 25 kg/m2, Adipositas als BMI ≥ 30 kg/m2 (WHO, 2000 EK IV).
Siehe hierzu auch die BMI-Klassifikation (nach DGE, Ernährungsbericht 1992):

Klassifikation m w
Untergewicht < 20 <19
Normalgewicht 20-25 19-24
Übergewicht      25-30 24-30
Adipositas   30-40 30-40
massive Adipositas >40 >40

Oder die Gewichtsklassifikation bei Erwachsenen anhand des BMI (nach WHO, 2000 EK IV)

Kategorie BMI in kg/m2 Risiko für Begleiterkrankungen des Übergewichts
Untergewicht < 18,5 niedrig
Normalgewicht 18,5 - 24,9 durchschnittlich
Übergewicht  

Präadipositas
Adipositas Grad I
Adipositas Grad II
Adipositas Grad III
≥25,0

25-29,9
30-34,9
35-39,9
≥40


gering erhöht
erhöht
hoch
sehr hoch

Adipositas wird deshalb von der WHO als das Public-Health-Problem bezeichnet, das am meisten vernachlässigt wird und das mittlerweile weltweit epidemieartige Ausmaße annimmt.
Dies bezieht sich schon lange nicht mehr nur auf Erwachsene, von denen in Bayern nach Untersuchungen der TU- München-Weihenstephan bereits fast jeder zweite zu dick ist.

Angaben der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter zufolge sind bereits je nach Definition 10-20% aller Schulkinder und Jugendlichen in Deutschland übergewichtig. So heißt es in deren Leitlinien. Insbesondere ist zu beobachten, dass das Ausmaß der Adipositas und damit die Anzahl extrem Adipöser deutlich ansteigt. Diese Entwicklung zeigt sich auch in den Ergebnissen des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS), wonach 15 % der Kinder in Deutschland übergewichtig und 6,3 % adipös sind.

Was tun?

Es ist richtig, dass die "Veranlagung" (=genetische Faktoren) einen Einfluss haben kann. Mindestens genauso bedeutsam sind aber eine ungesunde Lebensführung, zu wenig Bewegung und falsche Ernährung.

Ursachen von Adipositas bei Kindern und Jugendlichen:

  • Genetische Ursachen, familiäre Disposition
  • Moderner Lebensstil (falsche Ernährung, Bewegungsmangel usw.)
  • Endokrine Erkrankungen (z.B. Hypothyreose)
  • Einnahme von Medikamenten (Kortison, Neuroleptika usw.)
  • Essstörungen (z.B. Binge-Eating)
  • Andere Ursachen

Risiken für den Einzelnen und die Folgen für die Gesellschaft:

  • Übergewicht in der Kindheit bedeutet in vielen Fällen auch Übergewicht im Erwachsenenalter
  • Übergewicht in der Kindheit bedeutet oft einen Risikofaktor für Bewegungs- und Koordinationsstörungen und beeinträchtigt so die kindliche Entwicklung
  • Übergewicht in der Kindheit bedeutet oft "Gehänseltwerden" bis hin zum Außenseiter -Sein
  • Übergewicht in der Kindheit bedeutet eine höhere Wahrscheinlichkeit für Folgeerkrankungen, z. B. Erkrankungen des Bewegungsapparates, des Herz-Kreislaufsystems, des Stoffwechsels, z. B. Diabetes mellitus

Präventionsaspekte:

  • gesundheitsfördernde Ernährung ( z.B. weniger energiereiches Fast Food, Süßigkeiten, Knabberartikel und Soft Drinks, mehr Obst und Gemüse, energiearme Getränke)
  • mehr Bewegung und Sport
  • Gesünderer Lebensstil (z.B. regelmäßige, auch gemeinsame Mahlzeiten, weniger Zeit vor dem Fernseher, gemeinsame Unternehmungen)

Mehr zum Thema

Literatur/Veröffentlichungen

  • Bundesgesundheitsblatt: Volume 50, Nummer 11/2007; A.Moß et al.:
    Prävalenz von Übergewicht und Adipositas bei deutschen Einschulkindern, Springer Verlag Berlin/Heidelberg
  • Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Bayern e.V. (Hrsg.): ProJugend 3/2005: Kinder, die durch dick und dünn gehen. Ansätze zur Prävention von Ess-Störungen und Adipositas. München 2005.

Weitere VIS-Beiträge

Links

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