Bayerisches Staatsministerium für
Umwelt und Verbraucherschutz

Sodbrennen – nicht ignorieren, sondern ernst nehmen!

Von: Veronique Germscheid - VerbraucherService Bayern

"Ich habe so schreckliches Sodbrennen!" – "Mir stößt dasTeller mit Gyros und Pommes Essen sauer auf!" Diese Aussagen hört man immer wieder, besonders nach einem recht fetten Essen oder nach übermäßigem Alkoholgenuss. Zusätzlich zum brennenden bzw. stechenden Gefühl hinter dem Brustbein können Beschwerden wie Magendruck oder Magenschmerzen auftreten. Sodbrennen tritt viel häufiger als angenommen auf. Etwa ein Drittel der deutschen erwachsenen Bevölkerung leidet darunter. Häufiges Sodbrennen kann jedoch ohne Behandlung zu weiteren Erkrankungen führen. Deshalb sollte man wissen, wie man vorbeugen kann und wie Sodbrennen entsteht.

Wie kommt es zum Sodbrennen, wo entsteht es?

Die Speiseröhre steht im Mittelpunkt der Beschwerden. Normalerweise ist sie zum Magen hin durch einen Schließmuskel verschlossen. Dieser Muskel verhindert, dass der saure Mageninhalt zurückfließen kann, da die Speiseröhre im Gegensatz zum Magen keinen Schutz gegen die Magensäure besitzt. Steigt nun aufgrund einer unzureichenden Verschlusstätigkeit die Magensäure in die Speiseröhre hoch (=Reflux), greift diese aggressive Säure das empfindliche Gewebe der Speiseröhre an. Auch wenn der Kontakt meist nur kurz ist, reicht dies doch aus, um ein unangenehmes Gefühl zu verursachen – das Sodbrennen.

So macht sich Sodbrennen bemerkbar – typische Symptome

Unter „Sodbrennen“ versteht man einen brennenden, stechenden Schmerz, welcher sich vom Oberbauch aus, hinter dem Brustbein, bis hoch zum Hals ziehen kann. Saures Aufstoßen, Magendruck oder Magenschmerzen können zusätzlich auftreten. Zu den Symptomen zählen auch Brechreiz und Übelkeit und solche, die die Speiseröhre selbst nicht betreffen, wie z.B. chronischer Husten und Heiserkeit, chronische Kehlkopfentzündung, Asthma und Zahnerosionen. Halten diese Symptome über einen längeren Zeitraum an, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Ursachen für die Entstehung von Sodbrennen

Wichtig bei der Behandlung von Sodbrennen ist es, die Ursachen dafür zu erkennen. Oft hängen diese mit einer falschen Ernährung oder Lebensweise zusammen und könnten somit relativ einfach angegangen werden. Sodbrennen in der Schwangerschaft ist vorübergehend. Zum Reflux kann es aber auch bei Erkrankungen und durch Medikamente, die als eine Nebenwirkung den Schließmuskel zur Speiseröhre erschlaffen lassen, kommen.

Sodbrennen durch eine falsche Wahl der Lebensmittel?

Auch wenn die Verträglichkeit der einzelnen Lebensmittel individuell ist, so ist dennoch bekannt, dass insbesondere säure-, fett- oder zuckerreiche Lebensmittel Sodbrennen hervorrufen können. Aber auch stark koffein- oder kohlensäurehaltige Getränke sollten vermieden werden.

Tab. 1: Vorsicht beim Umgang mit folgenden Lebensmitteln und Getränken:

Lebensmittel Getränke
Frittierte, fettreiche Kost Kaffee
Scharf gewürzte Speisen Fruchtsäfte
Schokolade Pfefferminztee
Zitrusfrüchte Cola und weitere coffeinhaltige Getränke
Schwer verdauliche Lebensmittel wie z.B. Kohl, Hülsenfrüchte Stark kohlensäurehaltige Getränke
Sehr süße Lebensmittel Kalte Getränke
Pfefferminzkaugummi Alkohol
Frisches Brot

Besser vertragen werden eiweißreiche und fettarme Lebensmittel wie z.B. Magermilchprodukte, mageres Fleisch oder Fisch. Auch die meisten pflanzlichen Lebensmittel, schonend zubereitet, lösen keine Beschwerden aus.

Kontrollieren Sie Ihre Ernährung!

Sinnvoll ist es, die individuelle Ernährung zu überprüfen, um Lebensmittel, die Beschwerden auslösen, zu meiden. Am einfachsten geht dies, indem man ein Tagebuch führt. Darin sollte stehen was man zu welcher Tageszeit gegessen oder getrunken hat, wie die Begleitumstände (z.B. Stress) waren und welche Symptome aufgetreten sind. Stellt sich so z.B. heraus, dass sich abends nach dem Verzehr von einer Orange in der Nacht wiederholt Sodbrennen einstellt, sollte diese Obstsorte abends nicht mehr gegessen werden.
Nicht nur die verschiedenen Lebensmittel können zu Beschwerden führen. Auch zu schnelles, hastiges Essen ruft gerne Sodbrennen hervor! Sich Zeit nehmen für die einzelnen Mahlzeiten – wenigstens 20 Minuten – gut kauen und die richtige Temperatur des Essens, weder zu heiß noch zur kalt, könnten weitere Lösungsansätze sein.

Achten Sie auf Mahlzeitengröße und Mahlzeitenverteilung

Leichte Mahlzeit mit Gemüse und Fisch Viele Betroffene klagen besonders nach großen, volumenreichen Mahlzeiten über Sodbrennen. Zum einen ist danach aufgrund der großen Magenfüllmenge der Druck auf den Schließmuskel bedeutend höher, zum anderen produziert der Magen zur Verdauung besonders viel Säure. Der saure Magensaft fließt unter diesen Bedingungen leichter in die Speiseröhre zurück. Sinnvoll erscheint es, die gewohnten drei großen Mahlzeiten auf mehrere Mahlzeiten am Tag aufzuteilen. Kleine, leichte Mahlzeiten belasten den Magen weniger. Gerade das Abendessen sollte nicht nur klein und leichtverdaulich sein, zwischen der letzten Mahlzeit und dem Zubettgehen sollten auch wenigstens 3 Stunden liegen. Als nützlich hat es sich auch erwiesen, das Kopfende des Bettes hochzustellen, um so den Oberkörper beim Schlafen hoch zu lagern. Und für untertags gilt: Statt sich nach dem Essen hinzulegen, lieber ein kleiner Spaziergang!

Sodbrennen durch Alkohol und Nikotin?

Gläser mit Wein, Sekt, Bier und Schnaps Nicht nur Alkohol, sondern auch Nikotin wirkt auf den Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen entspannend. Zusätzlich wird die Säureproduktion im Magen angeregt. Alkoholische Getränke mit viel Gerbsäure, z.B. Rotwein, oder Kohlensäure, z.B. Sekt, verstärken den Reflux.
Als Getränke eignen sich Kräutertees oder stilles, nicht zu kaltes Mineralwasser. Auch für Menschen, die unter Sodbrennen leiden, gilt: „Nehmen Sie täglich ca. 2 Liter Flüssigkeit zu sich!“
Und wer das Rauchen gar nicht aufgeben kann, sollte die Zigarette nach dem Essen weglassen. Denn hier wirken mehrere Faktoren zusammen: Verstärkte Magensäurebildung und verstärkter Druck durch die Mahlzeit sowie unzureichende Tätigkeit des Schließmuskels.

Welche Rolle spielt das Übergewicht?

Übergewichtige leiden häufiger unter Sodbrennen, als Normalgewichtige. Warum ist das so? Jedes Kilo Übergewicht mehr führt dazu, dass sich der Druck auf den Magen erhöht. Der Magenschließmuskel kann so nicht mehr fest genug schließen und die Magensäure fließt leichter zurück in die Speiseröhre. Schon ein paar Kilo weniger mindern den Druck und führen zu einer Linderung der Beschwerden. Legen Sie Wert auf eine vollwertige Ernährung und verstärkte Bewegung, denn Übergewicht fördert nicht nur Sodbrennen sondern auch andere Erkrankungen. Auch das Tragen von enger Kleidung z.B. Hosen oder Gürtel und ständiges Sitzen verstärkt den Druck auf den Oberbauch.

„Das stößt mir sauer auf!“

Stresssituationen sind häufig die Ursache einer starken Verkrampfung und Säurebildung des Magens. Sicherlich kann man nicht allen Belastungen aus dem Weg gehen. In einen arbeitsreichen, stressigen Tag können jedoch kleine „Auszeiten“ eingebaut werden.

Kleine Auszeiten:

  • Ausgiebiges Dehnen
  • Kurze Spaziergänge an frischer Luft
  • Ruhige, entspannende Musik
  • Atemübungen

Helfen Hausmittel?

Zwischen den einzelnen Mahlzeiten kann Sodbrennen mit einem Stück trockenem Brot oder einem Glas Milch gelindert werden. Eine weitere Möglichkeit ist Kartoffelpresssaft mit lauwarmen Wasser verdünnt und langsam getrunken. Dadurch wird die Magensäure gebunden. Aber auch zu einem Brei gekaute Mandeln oder Nüsse können helfen. Dieselbe Wirkung haben auch gut und lang gekaute trockene Haferflocken.

Manchen Menschen hilft es auch, die Magensäure durch Flüssigkeit: Wasser- oder Kräutertee zu verdünnen.

Folgende Teesorten sind zu empfehlen:Glas mit Kräutertee

  • Teemischung aus Kamille-, Melissenblüten und Kümmel – 10 Minuten ziehen lassen
  • Fencheltee – 10 Minuten ziehen lassen, direkt nach dem Essen langsam getrunken
  • Wermuttee – 3 Minuten ziehen lassen
  • Kamillentee – nicht zu heiß und langsam getrunken
  • Nicht zu vergessen ist die gute alte Wärmflasche oder ein feucht-warmer Wickel auf dem Oberbauch.

Leiden Sie weiterhin ständig unter Sodbrennen, sollten Sie die Beschwerden jedoch unbedingt mit Ihrem Arzt besprechen. Spezielle Medikamente können dann eingesetzt werden.

Sodbrennen in der Schwangerschaft

Sodbrennen ist ein Problem, von dem fast jede zweite Schwangere, vor allem im letzten Drittel der Schwangerschaft, betroffen ist. Dies ist unangenehm, jedoch nichts Ungewöhnliches. Aufgrund der hormonellen Umstellung, des weicheren Gewebes, der gelockerten Muskulatur und dem wachsenden Kind wird der Druck auf den Magen und den Schließmuskel immer größer. Meist hilft es schon, sich an die oben genannten Regeln zu halten oder einmal die bewährten Hausmittel auszuprobieren.

Fazit:

Gelegentliches Sodbrennen ist eigentlich harmlos. Tritt es jedoch mehrmals in der Woche auf, sollte unbedingt auf die Lebensweise und/oder die Ernährung geachtet werden. Helfen diese Veränderungen nicht, ist es ratsam, zum Arzt zu gehen, da die Magensäure auf Dauer in der Speiseröhre zu Entzündungen und dauerhaften Schädigungen führen kann.

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