So genannte Communities im Internet werden immer zahlreicher. Web 2.0 heißt das Schlagwort, das zu Angeboten wie Facebook, Lokalisten, MySpace, StayFriends, StudiVZ, wer-kennt-wen oder XING geführt hat. Was versteht man darunter?
Zwischen 1995 und in den Jahren nach dem Jahrtausendwechsel war das Internet ein nicht ganz einfach zu nutzendes technisches System. Es gab nur wenige, die Informationen zur Verfügung stellten. Die überwiegende Masse der User beschränkte sich darauf, die bereitgestellten Informationen aufzunehmen. Außerdem bestand das Web ganz überwiegend aus statischen Seiten, die einmal programmiert und dann kaum verändert wurden.
Das änderte sich durch Content-Management-Systeme. Dadurch wurde es auch Nutzern ohne Programmierkenntnisse möglich, Inhalte ins Netz zu stellen und diese auch zu aktualisieren.
Zudem verschwamm in den letzten Jahren zunehmend die Trennung zwischen „online“ und „offline“. Programme aktualisieren sich selbstständig über das Internet, laden Module bei Bedarf darüber nach, und immer mehr Anwendungen benutzen einen Internet-Browser als Benutzerschnittstelle. Darüber hinaus speichern Nutzer ihre Daten, wie E-Mails oder Fotos auf Servern und nicht mehr lokal auf der eigenen Festplatte. Sie erstellen eigene Beiträge auf Servern und pflegen Weblogs.
Soziale Netzwerke stehen umgangssprachlich für eine Form von Netzgemeinschaften, welche technisch durch Web 2.0 Anwendungen beherbergt werden. Im Englischen existiert der präzisere Begriff des social network service. Deutsche Begriffe "Gemeinschaftsportal" bzw. "Online-Kontaktnetzwerk" sind weniger gebräuchlich.
In der Regel erstellt man dort ein persönliches Profil, mit diversen Sichtbarkeitseinstellungen für Mitglieder der Netzgemeinschaft oder generell der Öffentlichkeit. Weiter gibt es eine Kontaktliste, mit der die Verweise auf die anderen Mitglieder der Netzgemeinschaft (z. B. Freunde, Bekannte, Kollegen usw.) verwaltet werden können. Auch der Empfang und Versand von Nachrichten an andere Mitglieder und das Bilden von Foren zum Austausch über gleich gelagerte Interessen ist kennzeichnend.
Die meisten sozialen Netzwerke finanzieren sich über Anzeigenerlöse, zum Teil auch durch Mitgliedsbeiträge. Oft gibt es verschiedene Mitgliedsstufen – von der kostenlosen Mitgliedschaft bis zum Premium-Mitglied, das mehr Möglichkeiten bekommt. Da die Dienstbetreiber wissen, welches Mitglied mit welchen anderen Mitgliedern in Beziehung steht, verfügen diese über eine interessante Informationsbasis, die sich z. B. für zielgerichtete Werbung kommerziell nutzen lässt.
Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass es in Deutschland im Jahr 2012 rund 22 Millionen Nutzer von sozialen Netzwerken geben wird. Es handelt sich somit um einen sehr rasch wachsenden Markt.
Soziale Netzwerke können gute Dienste leisten, um schnell mit den richtigen Ansprechpartnern in Kontakt zu kommen. Egal ob im Beruf, in der Freizeit, bei Schulaufgaben oder Seminararbeiten: man findet schnell jemanden mit gleich gelagerten Interessen, Aufgaben oder Problemen.
Die unbedachte Veröffentlichung privater Informationen im Internet kann aber zu erheblichen persönlichen Nachteilen führen. So kommt es immer häufiger vor, dass Arbeitgeber und Personalagenturen die einschlägigen Portale nach Bewerbern durchkämmen. Was dort gefunden wird, gereicht nicht immer zum eigenen Vorteil.
Aber auch der Nutzer selbst kann durch unbedachte Veröffentlichungen in die Haftung genommen werden. Wer z. B. andere beleidigt oder Unwahrheiten verbreitet, verletzt Persönlichkeitsrechte und macht sich schadensersatzpflichtig. Auch das Einstellen urheberrechtlich geschützter Werke wie Fotos oder Musikdateien und Videoclips kann zu Abmahnungen sowie zu Unterlassungs- und Schadensersatzklagen der Rechteinhaber führen.
Ein weiterer Kritikpunkt ist der Datenschutz. Der Nutzer hinterlässt neben seinen persönlichen Daten, die durch Fotos, Videos, Musikdateien oder Wortbeiträge angereichert sein können, auch einen so genannten sozialen Graphen. Durch seine Kontakte, seine Mitgliedschaften in Foren und anderen Aktivitäten auf der Plattform kann sehr schnell ein Profil erstellt werden, das sich auch unter kommerziellen Gesichtspunkten auswerten lässt.
Es sollte deswegen bei der Anmeldung zu einem sozialen Netzwerk im Kleingedruckten nachgelesen werden, wie mit den erhobenen und gewonnenen Daten seitens des Betreibers umgegangen wird.
Die EU-Kommission und 18 Vertreter von sozialen Netzwerken haben anlässlich des "Safer Internet Day" im Februar 2009 eine Selbstverpflichtungserklärung für den Jugendschutz präsentiert.
Als Ziele wurden u.a. genannt:
Profile von Jugendlichen sollen nicht mehr über Suchmaschinen auffindbar sein;
Installation von "Alarmknöpfen", um Belästigungen künftig schnell und unkompliziert melden zu können;
Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen im Umgang mit ihren persönlichen Daten im Internet;
Stärkung der Medienkompetenz.
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